Aufstieg, Krisen und Skandale

Die Geschichte der Telekom

03.04.2013 | von Ariane Rüdiger
Aufstieg, Krisen und Skandale. Wie sich die Telekom vom verkrusteten Staatsbetrieb zum internationalen ITK-Player entwickelte.

Vom Aufstieg des einstigen Staatsunternehmens, waghalsigen Expansionsaktivitäten, tiefen Krisen und zahlreichen Sanierungsplänen handelt die wechselvolle Geschichte der Telekom. Sie ist reich an einschneidenden strategischen und organisatorischen Wendungen, kleinen und großen Skandalen und nicht zuletzt an technischen Innovationen.

Auf den folgenden Seiten schildern wir die wichtigsten Stationen und Meilensteine des bedeutendsten deutschen TK-Unternehmens ausführlich. In unserer Bilderstrecke können Sie zudem die Geschichte der Telekom im Zeitraffer miterleben.

Das Handwerkszeug: Die ersten Telefone

1877 funktionierte in Berlin das erste Telefon, hergestellt von Siemens.
1877 funktionierte in Berlin das erste Telefon, hergestellt von Siemens.
Foto: Telekom

Die Historie der Telekom beginnt eigentlich im Jahr 1860, als Alexander Graham Bell das Telefon erfindet. Das erste der Geräte funktioniert allerdings erst 1877, und zwar in Berlin. Dort befindet sich auch ein Knoten des ersten vermittelten Fernsprechnetzes, zu dem außer Berlin noch Frankfurt/Main, Breslau, Hamburg und Köln gehörten. 1904 entwickelt Wilhelm Quante in Wuppertal die erste Telefonzelle.

Die staatlichen Anfänge: Telekommunikation als Geschäftszweig der Deutsche Bundespost

- Erst 1966 wurde die letzte Handvermittlungsstelle auf automatisierten Betrieb umgestellt. Das Fräulein vom Amt starb aus.
- Erst 1966 wurde die letzte Handvermittlungsstelle auf automatisierten Betrieb umgestellt. Das Fräulein vom Amt starb aus.
Foto: Telekom

1950 tritt die Deutsche Bundespost, der Vorläufer der Telekom in Staatseigentum, das Erbe der Deutschen Reichspost an. Sie ist damals noch für Post und Telekommunikation zuständig. Dabei sollte es lange bleiben. Dafür geht es technisch voran: Mitte der 50er Jahre beginnt die allmähliche Ablösung des "Fräulein vom Amt"; ersetzt werden die freundlichen Vermittlerinnen durch den Selbstwähldienst, den der Amerikaner Simon Strowger schon 1891 erfunden und in den USA hatte patentieren lassen. Allerdings war es erst 1966 endgültig vorbei damit - in Uetze bei Hannover schloss die letzte Vermittlung.

1958 kommt das erste Mobilfunknetz, das A-Netz, mit seinen gewaltig großen Telefonen. Wer sie benutzt, muss wichtig sein: Handvermittelte Gespräche und ein 16 Kilo schweres Telefon stehen handverlesenen 10000 Teilnehmern zur Verfügung. Erst 1972 startet das B-Netz, in dem Selbstwählen möglich ist - aber nur, wenn man die Ortsvorwahl des anderen Mobilteilnehmers kennt! Ab 1965 kann man von Deutschland aus auch ins Ausland telefonieren. Der Grund: "Early Bird", der erste kommerzielle Nachrichtensatellit, ist im Orbit. Gestartet ist dieser in den USA.

1977 beginnt der Einstieg in das, was man heute Neue Medien nennt: Die Deutsche Bundespost stellt auf der Funkausstellung BTX vor, Bildschirmtext. Entwickelt wurde die Technologie vom späteren T-Online-Manager Eric Danke. Erst 1983 steht der BTX-Dienst allerdings nach Abschluss eines Staatsvertrags offiziell zur Verfügung. Ein Renner wird sie nie - erst Mitte der Neunziger und gekoppelt mit E-Mail und Internetzugang knackt sie die Millionen-Nutzer-Grenze. Und 2001 ist es mit BTX auch schon wieder vorbei. In Frankreich hat ein vergleichbarer Dienst, Minitel, aufgrund einer aggressiven Vermarktungsstrategie dagegen Riesenerfolg: die Terminals dafür stellt France Telekom kostenlos zur Verfügung. Zeitweise nutzt rund die Hälfte der Franzosen Minitel.

1985 nimmt das erste zelluläre Mobilfunknetz seinen Dienst auf. Nutzer sind damit bundesweit unter einer Rufnummer erreichbar. 1989 folgt ISDN, dessen Fähigkeiten weltweit bewundert werden und das Vordringen der IP-Telefonie in Deutschland lange behindern: Was die anfangs können, kann ISDN schon lange, und ganz ohne Aufpreis.

Business unter neuen Voraussetzungen: Privatisierung

1990 beginnt eine seitdem nicht mehr enden wollende Kette von Umstrukturierungen, deren Ziel die Privatisierung des bis dahin staatlichen Telekommunikationswesens ist - eine hürdenreiche Strecke mit vielen Schlaglöchern auch für die Kunden des Unternehmens. Zunächst wird die Deutsche Bundespost im Rahmen der sogenannten Postreform I unter Postminister Christian Schwarz-Schilling in Postbank, Postdienst und Deutsche Bundespost Telekom aufgespaltet. Doch ist dies nur ein erster, kleiner Schritt.

Start des D1-Netzes 1992: Dieser Chip machte es möglich, über D1 zu telefonieren
Start des D1-Netzes 1992: Dieser Chip machte es möglich, über D1 zu telefonieren
Foto: Telekom

1992 steigt das Unternehmen gleich auf mehreren Ebenen in die telekommunikative Zukunft ein: Erstens beginnt mit dem Start des D1-Netzes der Siegeszug des Handys. Bis dahin nämlich waren Mobiltelefone eher selten, da teuer, umständlich zu benutzen und ziemlich unhandlich. Das auf GSM (Global System for Mobile Communication)-Technologie basierende Netz sorgt für kleinere Geräte und günstigere Tarife. Innerhalb von nur zwei Jahren telefonieren in Deutschland eine halbe Million Menschen über die drahtlose Infrastruktur.

Gleichzeitig werden große Teile Westeuropas mit dem schnellen und multimediatauglichen ATM-Netz (Asynchronous Transfer Mode) verbunden und die erste Glasfaserverbindung in die USA verlegt. Heute sind schnelle Glasfaserverbindungen das kommunikationstechnische Rückgrat der Globalisierung. Auch im eigenen Land rückt 1992 endlich zusammen, was zusammen gehört: Ost- und Westdeutschland telefonieren endlich wieder in einem Netz.