Moderne Arbeitskonzepte

Die Bürotür ist out

03.04.2012 | von 
Tobias Wendehost
Tobias Wendehost beschäftigt sich als Volontär aktuell mit verschiedenen Hardwarethemen und stellt täglich ein Gadget des Tages vor. Ansonsten arbeitet er sich thematisch durch die Ressorts Job und Karriere, Software, Netzwerke und Mobile sowie IT-Strategie. Wer möchte, kann Tobias bei Twitter (@tubezweinull) folgen oder bei Xing eine Nachricht schreiben.
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Multilokalität erweitert das Territorium

CW: Dauert es nicht noch einige Jahre bis wir alle Möglichkeiten bei der mobilen Kommunikation, etwa in Form von Smartphones oder Tablet-PCs, ausschöpfen können?

RIEF: Ich glaube nicht, dass es so lange dauern wird. Dabei ist nicht die IT der Bremsklotz. Zwar sind Bildschirme limitiert, aber durch den Mix an Büroarbeit und anderen Formen ergeben sich auch neue Möglichkeiten. Das Problem ist die fehlende Sensibilität. Wann nutze ich einen Micro-Blog und wann rufe ich an? Welches Mittel nutze ich für welchen Arbeitsschritt? Zudem kommen durch die vielen neuen Geräte Arbeitsschritte hinzu. Früher hat man telefoniert und sich einfach kurze Notizen gemacht. Heute telefoniert man, schreibt dem Anderen eine Zusammenfassung vom Gespräch, vergleicht und schaut dann das Ergebnis an. Es vergeht also mehr Zeit. Hier sind die entscheidenden Fragen: Wann setze ich welches Kommunikationswerkzeug ein und wie gehe ich damit um.

CW: IBM und andere US-amerikanische Firmen praktizieren bereits Desk-Sharing. Die Mitarbeiter arbeiten an verschiedenen Arbeitsplätzen und teilen sich ein Büro. Sind das noch Randphänomene?

RIEF: In Deutschland ist das noch ein Randphänomen. Als einige Unternehmen in Deutschland diese Konzepte einführten, hatten sie die Erwartung, dass es schnell angenommen wird. Wir haben damals das Konzept zusammen mit IBM entwickelt und waren ebenso zuversichtlich, dass es sich durchsetzt. Viele Unternehmen schreckten aber vor dieser teilenden Arbeitskultur zurück. Trotz der schleppenden Entwicklung bin ich zuversichtlich, dass es in den nächsten Jahren kommt. Aber eine gewisse Vorsicht bleibt, denn es passt nicht zu jedem Unternehmen und hängt vom Reifegrad der Unternehmenskultur ab.

CW: Elisabeth Arnold vom Verband der Betriebsärzte meint: "Arbeitnehmer, die ihre Büroeinrichtung kontrollieren arbeiten zufriedener". Arbeitnehmer wollen Arnolds Meinung nach also persönliche Gegenstände im Büro aufstellen. Wiederspricht sie damit ihren Ergebnissen?

RIEF: Wir haben vor einigen Jahren einen Dekorationsindex entworfen, der misst, wie viele private Dinge wir am Arbeitsplatz benötigen. Ein Ergebnis war, dass sie nicht so wichtig sind. Wir brauchen ein Büro der vielen Möglichkeiten: Jetzt möchte ich konzentriert arbeiten, jetzt möchte ich jemanden treffen. Das gibt mir die Freiheit, so zu handeln wie ich will. Jeder möchte unter den Bedingungen arbeiten, die ihn dabei helfen, möglichst effizient zu sein. Desk-Sharing wird häufig mit Flächeneffizienz gleichgesetzt. Eigentlich entstammt es aber der Idee, sich schneller zu vernetzen, schneller in Projektteams zusammenzufinden. Der amerikanische Wissenschaftler Tom Allen hat bereits in den 70er Jahren Untersuchungen gemacht, in denen er die wissenschaftliche Vernetzung untersucht hat. Das Ergebnis war, dass man sich schneller kennenlernt und vernetzt, sobald man an verschiedenen Orten arbeitet. Dass dabei Fläche gespart wird, ist für uns nur ein Nebeneffekt. Letztlich denke ich, dass wir durch den multilokalen Ansatz unser persönliches Territorium erweitern und nicht einschränken. Dafür müssen die Mitarbeiter aber in den Veränderungsprozess einbezogen werden.

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