Cloud Computing Studie

Der deutsche Mittelstand hinkt hinterher

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Die Vorteile des Cloud Computing sind klar erkannt, doch deutsche Unternehmen aus dem Mittelstand bleiben skeptisch. Das belegt eine exklusive Studie der TecChannel-Redaktion. Schuld daran ist längst nicht nur die NSA-Affäre. Neben Zweifeln an der Datensicherheit treibt viele KMUs schlicht die Angst um, die Kontrolle über Daten und IT-Systeme zu verlieren.

Nur ein Drittel der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland nutzt derzeit Dienstleistungen aus der Cloud. Zwar plant ein weiteres Fünftel einen Einsatz in den kommenden zwölf Monaten. Doch unterm Strich bleiben 42 Prozent, die keinerlei Cloud-Services in Anspruch nehmen und dies auch nicht vorhaben (siehe Grafik). Zu diesem Ergebnis kommt die TecChannel-Studie „Cloud Computing im Mittelstand“. Sie stützt sich auf eine Online-Befragung von mehr als 200 kleinen und mittelständischen Unternehmen. In der zum Vergleich ebenfalls herangezogenen Kontrollgruppe der Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern liegt der Einsatzgrad immerhin bei 41 Prozent. Die Zahlen passen zu ähnlichen Studienergebnissen von Marktforschungs- und Beratungshäusern wie Techconsult oder KPMG aus dem vergangenen Jahr.

Deutsche Mittelständler hinken damit nicht nur den größeren Unternehmen hierzulande hinterher. Auch im internationalen Vergleich schneiden sie schlecht ab, wie etwa Frank Sempert vom Beratungshaus Saugatuck Technology beobachtet. Während die SMB (Small and medium-sized Businesses) international nach Einschätzung von Analysten bis 2016 das Cloud-Wachstum maßgeblich trieben, könne sich die Zurückhaltung deutscher KMUs sogar als Wachstumsbremse für die deutsche Wirtschaft erweisen, warnt der Experte.

Private Cloud dominiert auch im Mittelstand

Geht es um das Betriebsmodell für Cloud-Services, präferiert knapp die Hälfte derjenigen Mittelständler, die bereits Dienste aus der Wolke nutzen, eine Private Cloud. Nur knapp ein Viertel setzt laut der TecChannel-Erhebung auf eine Public Cloud. Etwa ein Drittel arbeitet mit einer Mischung aus Public- und Private-Cloud-Diensten (Hybrid Cloud). In den Großunternehmen liegt dieser Anteil bei 50 Prozent.

Am häufigsten nutzen die Umfrageteilnehmer Rechenleistung oder Speicher aus der Cloud (IaaS = Infrastructure as a Service). Fast ebenso viele greifen auf Cloud-basierte Anwendungssoftware zurück (Software as a Service, SaaS). Andere Dienste wie Entwicklungsplattformen (Platform as a Service, PaaS), Security as a Service oder komplette Geschäftsprozesse aus der Cloud spielen eine untergeordnete Rolle. Unter den offen abgefragten „anderen Cloud-Diensten“ finden sich beispielsweise Google-Angebote wie Gmail oder Microsoft-Produkte wie Azure und Office 365.

Im Segment SaaS dominieren Collaboration-Anwendungen und Programme für das Kundenbeziehungs-Management (Customer Relationship Management, CRM). Aber auch Systeme für Dokumentenmanagement (DMS) und Archivierung werden mit 37 Prozent noch relativ häufig aus der Cloud genutzt. Knapp ein Drittel derjenigen die Cloud-Services einsetzen, nutzt ein ERP-System inklusive Buchhaltung aus der Wolke. Noch geringer ist der Einsatzgrad von Business-Intelligence-, ECM- oder Personal-Anwendungen aus der Cloud.

Cloud-Computing-Marktplätze floppen

Die mit viel Marketing-Getöse gestarteten Cloud-Marktplätze oder B2B-Appstores erweisen sich im deutschen Mittelstand als Flop. Gerade einmal zehn Prozent der Cloud-Nutzer greifen auf solche Plattformen zurück. In der Kontrollgruppe der Großunternehmen ab 1000 Mitarbeiter liegt der Anteil mit knapp 19 Prozent deutlich höher.