Analysen anschaulich gemacht

Daten richtig visualisieren

Henrik Jörgensen ist Country Manager bei Tableau Software in Frankfurt und verfügt über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Business Intelligence, Datenvisualisierung, Big Data, Security und Cloud Computing.
Ein Bild sagt mehr als 1000 Zahlen – ein Motto, dass sich auch die moderne Datenanalyse zunutze macht. Mit Hilfe von Grafiken, Diagrammen, Kurven und Landkarten kann das menschliche Auge Mengen, Verteilungen, Trends und Zusammenhänge auf einen Blick erfassen. Lesen Sie, was eine aussagekräftige Visualisierung ausmacht.

Die Tatsache, dass der Mensch evolutionsbedingt 70 Prozent der Informationen aus seiner Umgebung über die Augen aufnimmt, machen sich die Medien schon seit jeher zunutze. Texte durch Bildelemente aufzulockern, um "Bleiwüsten" zu vermeiden, zählt zu den ersten Dingen, die ein angehender Journalist lernt. Bilder ziehen die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Artikel. Ein entscheidender Aspekt angesichts der Informationsfülle im Internet, wo die Angebote der Konkurrenz nur einen Mausklick entfernt sind.

Infografiken bieten den zusätzlichen Vorteil, dass sich Zahlen und Daten damit wesentlich schneller und unterhaltsamer vermitteln lassen als durch Texte und Tabellen. Darauf setzt auch die moderne Datenanalyse: Egal ob bei der Präsentation von Verkaufszahlen oder der Entwicklung des Web-Traffics - durch die visuelle Aufbereitung werden Trends, Muster und Beziehungen großer Datenmengen sichtbar und prägen sich als "Story" ein, die das Gehirn schnell verarbeiten kann. Häufig kommen im Zuge anschaulicher Datenvisualisierungen auch zusätzliche Fragestellungen auf, die neue Ideen kreiieren oder potezielle Probleme bereits im Vorfeld lösen helfen. Effekte, die bei der Präsentation einer nüchternen Excel-Tabelle wohl eher selten eintreten würden.

Komplexe Informationen auf einen Blick verständlich machen

Mit Hilfe von intuitiven, leicht zu bedienenden Visualisierungstools lassen sich Daten und Zahlen heute einfach per Mausklick in anschauliche Grafiken verwandeln, die die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen und Verteilungen, Trends oder Muster auf einen Blick erkennbar machen. Egal ob im Vertrieb, im Finanzbereich oder im Marketing - überall, wo viele Daten ausgewertet werden, helfen Visualisierungen bei der Aufbereitung von Informationen.

Whitepaper: Der Nutzen des Chief Data Officers

Der Chief Data Officer (CDO) wird immer öfter zu einer zentralen Führungkraft in Unternehmen auf der ganzen Welt. Der Grund ist die zunehmende Relevanz von Daten. Denn Daten sind überall und allgegenwärtig; sie untermauern jede Transaktion, jeden Betrieb und jegliche Interaktion innerhalb und außerhalb von Organisationen. Daten sind aber auf eine Infrastruktur angewiesen, sie müssen gespeichert, archiviert, analysiert und gesichert werden. Dafür braucht es den CDO. In dieser IBM-Studie wird die Rolle des CDO durchleuchtet und gezeigt, welche Vorteile Unternehmen konkret von ihm haben.

Beispielsweise nutzt der Online-Spieleanbieter Aeria Games die Visualisierungsfunktion seines Data-Analytics-Tools unter anderem in der Werbeplatzierung: Auf welche Banner haben die Spieler zu welchen Uhrzeiten geklickt, und wie lange haben sie sich damit aufgehalten - solche Angaben lassen sich innerhalb von Sekunden anhand anschaulicher Grafiken ablesen. Der Zeitgewinn dank Visualisierung beeindruckt auch Franz Graf, Senior Data Scientist beim Ratgeberportal gutefrage.net: "Wir können heute mit einer einzigen Grafik zeigen, dass eine bestimmte Funktion bei den Usern besser ankommt als andere und häufiger genutzt wird. Dafür brauchen wir keine langen Erklärungen mehr, das sehen wir auf einen Blick."

Vertiefende Analyse durch interaktive Grafiken

Besonders aufschlussreich sind interaktive Grafiken. Denn statische Diagramme sind nur "Einmalwerkzeuge" - sie geben Antwort auf eine Frage zu einem bestimmten Datensatz in einem bestimmten Kontext. Aus den Antworten ergeben sich jedoch häufig weiterführende Fragen - vor allem wenn mehrere User aus unterschiedlichen Abteilungen mit denselben Datensätzen arbeiten. Mit interaktiven Visualisierungen lässt sich die Analyse vertiefen, weil auch Folgefragen beantwortet werden. Der Anwender sieht nicht nur das "Was", sondern kann auch dem "Warum" auf den Grund gehen.

Neben einfachen Analyseaufgaben - etwa dem Filtern von Ansichten, dem Anpassen von Parametern oder schnellen Berechnungen - ermöglichen es interaktive Visualisierungen, mit den Daten zu "spielen": Sobald eine Variable verändert wird, verändert sich auch die Grafik. Das verleiht der Analyse einen erlebnishaften Charakter und ermöglicht es, Beziehungen, Anomalien oder Muster aufzeigen, die oft völlig neue Erkenntnisse liefern.

Per Mausklick in die interaktive Weltkarte werden die zehn größten Städte der Erde sowie mehr als 30 nachfolgende Megacities beziehungsweise Ballungsgebiete und ihre jeweiligen Einwohnerzahlen angzeigt.
Per Mausklick in die interaktive Weltkarte werden die zehn größten Städte der Erde sowie mehr als 30 nachfolgende Megacities beziehungsweise Ballungsgebiete und ihre jeweiligen Einwohnerzahlen angzeigt.
Foto: Tableau

Die wichtigsten Schritte zu einer aussagekräftigen Visualisierung

Moderne Self-Service-Analytics-Werkzeuge sind in der Regel so einfach zu bedienen, dass damit praktisch jeder Anwender Visualisierungen erstellen kann - ohne Vorkenntnisse und ohne großen Schulungsaufwand. Es gibt jedoch ein paar Grundregeln, die Sie beachten sollten, um Ihre Visualisierung zum Eyecatcher zu machen und ihr ein Höchstmaß an Aussagekraft und Verständlichkeit zu verleihen:

  • Grundlegende Fragestellung festlegen: Welchem Zweck soll die Grafik dienen? Wer ist die Zielgruppe? Welche Fragen stellt sich die Zielgruppe? Zu welchen weiteren Fragen regt die Grafik an? Durch die Auseinandersetzung mit solchen Fragen stellen Sie sicher, dass die Nutzer ihre Zeit möglichst sinnvoll mit Ihrer Visualisierung nutzen und gezielte Erkenntnisse daraus gewinnen.

  • Keep it simple: Der häufigste Fehler beim Erstellen einer Visualisierungen besteht darin, sie mit Informationen zu überfrachten. Treffen Sie eine strikte Auswahl, und stellen Sie nur die wirklich relevanten Kennzahlen dar. Für ein Unternehmen auf Expansionskurs beispielsweise hat die Neukundenrate Relevanz. Gibt es besonders viele beziehungsweise ernstzunehmende Wettbewerber, zeigen Sie deren Marktanteile auf. Vermeiden Sie Komplexität. Auch zu viele Farben und Formen können das Verständnis behindern.

Die „Vorher-Grafik“ ist ein Beispiel dafür, wie die Verständlichkeit durch Darstellung zu vieler Sachverhalte behindert wird. Wenn man Unterschiede zwischen verschieden Kennzahlen, zwischen verschiedenen Untergruppen und vielleicht noch über die Zeit hinweg darstellen will, wird es schnell zu viel. Generell sollte die Grafik so gestaltet sein, dass das Auge sofort weiß, welche Unterschiede es zu vergleichen gibt. Wenn Ihnen alle Informationen wichtig sind, teilen Sie sie wie in unserem „Nachher“-Beispiel auf zwei oder mehr Diagramme auf.
Die „Vorher-Grafik“ ist ein Beispiel dafür, wie die Verständlichkeit durch Darstellung zu vieler Sachverhalte behindert wird. Wenn man Unterschiede zwischen verschieden Kennzahlen, zwischen verschiedenen Untergruppen und vielleicht noch über die Zeit hinweg darstellen will, wird es schnell zu viel. Generell sollte die Grafik so gestaltet sein, dass das Auge sofort weiß, welche Unterschiede es zu vergleichen gibt. Wenn Ihnen alle Informationen wichtig sind, teilen Sie sie wie in unserem „Nachher“-Beispiel auf zwei oder mehr Diagramme auf.
Foto: Tableau
  • Daten aus allen relevanten Quellen abrufen: Die Kombination von Daten aus verschiedenen Quellen verschafft einen besseren Einblick ins Thema und erhöht beziehungsweise beschleunigt den Erkenntnisgewinn. Reichern Sie beispielsweise Ihre Kundendaten mit öffentlich zugänglichen demographischen Daten an, können Sie möglicherweise bestimmte Entwicklungen besser vorhersagen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen, anstatt nur zu reagieren.

  • Aktualität der Daten sicherstellen: Achten Sie darauf, dass die Datenbasis der Visualisierung aktuell ist und dass sich die ausgewählten Kennzahlen auf zeitnahe geschäftliche Herausforderungen beziehen. Praktisch sind Tools, mit denen sich eine Visualisierung einmal erstellen und anschließend immer wieder automatisch aktualisieren lässt. Das spart mühsame, sich stets wiederholende Kleinarbeit, beschleunigt den Berichtszyklus und setzt Kräfte für wichtigere Aufgaben frei.

  • Den passenden Diagrammtyp wählen: Die Art der Grafik hängt davon ab, welche Inhalte Sie wie analysieren wollen. Zum Verfolgen eines Trends über einen gewissen Zeitraum etwa eignen sich Linien-, Flächen- und Balkendiagramme, bei denen die Zeit auf der X-Achse und die Kennzahl auf der Y-Achse liegen. Beim Herausfinden des passenden Diagrammtyps sollten Sie aber durchaus experimentieren und Ihre Daten aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Wenn Sie über genug Fachwissen verfügen, um Ihre Daten zu interpretieren, können Sie durch dieses visuelle Erkunden ganz neue Einsichten gewinnen. Das sind die gängigsten Diagrammtypen und typische Anwendungsszenarien:

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