HP-Chef Volker Smid im CW-Interview

"Wir haben Marktanteile gewonnen"

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Im Juni gab Hewlett-Packard-Chefin Meg Whitman unbefriedigende Quartalszahlen und die Entlassung von weltweit 27.000 Mitarbeitern bekannt. Deutschlands HP-Chef Volker Smid stellte sich den Fragen der COMPUTERWOCHE.

CW: Hewlett-Packard will im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen 27.000 Mitarbeiter entlassen. Was haben Sie denn Ihrer Belegschaft dazu gesagt?

„Die Dimension ist hart. Sie betrifft acht Prozent unserer Mitarbeiter.“ Volker Smid, HP-Deutschland-Chef
„Die Dimension ist hart. Sie betrifft acht Prozent unserer Mitarbeiter.“ Volker Smid, HP-Deutschland-Chef
Foto: IDG Business Media GmbH

SMID: Diese Dimension ist hart, keine Frage. Sie betrifft acht Prozent unserer Mitarbeiter weltweit, 27.000 Menschen. Aber unsere Branche ist an Veränderungen gewöhnt. Die Maßnahme ist notwendig in einem Geschäft, das sich so schnell verändert. Im ersten Geschäftshalbjahr 2012 ist unser Umsatz zurückgegangen, unsere Kosten aber sind größer geworden. Ich halte es da für richtig, aus einer Position der Stärke heraus Veränderungen zu beschließen. Wir sagen ja auch, dass wir einen großen Teil der so gewonnenen Einsparungen in das Unternehmen reinvestieren wollen. Diese Dinge waren auch das Thema im Gespräch mit der Belegschaft: zu sagen, wo wir investieren müssen.


CW: HP hat sich in den vergangenen Jahren bei Investitionen zurückgehalten, insbesondere bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E). Das wurde dem Unternehmen immer wieder vorgeworfen. Gegenwärtig beträgt der Anteil der F&E-Ausgaben rund 2,7 Prozent – nicht gerade viel.

SMID: Es ist richtig, keine Frage, wir müssen unsere Innovationskraft stärken. Sowohl für die Produkte als auch für die Labs. Sicher müssen wir auch in die Modernisierung unserer Internet-Auftritte und der damit verbundenen Prozesswelten weiter investieren. Aber nach einer langen Phase der Akquisitionen kommt nun automatisch die der Aufräumarbeiten, also der Integration, der Konsolidierung. Und hier gilt eben: Die angesprochenen Einsparungen von drei bis 3,5 Milliarden Dollar durch die Personalreduzierungen werden ebenso in unsere Labs investiert wie auch in F&E in unseren Business-Units.

CW: Die Arbeitsgerichtsbarkeit in Deutschland und Frankreich gilt als besonders rigide. Bedeutet das, dass die Entlassungen in diesen beiden Ländern glimpflicher ausfallen werden als in anderen?

SMID: Nein. Es wäre falsch, so zu denken. Es geht ja nicht darum, einfach eine Maßnahme zu ergreifen. Vielmehr muss diese so sinnvoll wie möglich sein. Die Sinnhaftigkeit solch eines Vorgehens darf sich nicht von der arbeitsrechtlichen Situation in den einzelnen Ländern beeinflussen lassen. Übrigens gibt es – einmal abgesehen von dem Stellenabbau, der natürlich schmerzhaft ist – in diesem Zusammenhang auch positive Nachrichten. So fallen Berichtslinien wieder in die Länder zurück.

CW: Was bedeutet das übersetzt?

SMID: Das bedeutet, dass wir schneller lokale Entscheidungen treffen können als früher.

CW: Heißt das, Sie können mehr selbst entscheiden, oder kommen die Vorgaben aus dem US-Headquarter nun schneller bei Ihnen an?

„Es geht ja nicht darum, einfach eine Maßnahme zu ergreifen.“ Volker Smid, HP-Deutschland-Chef
„Es geht ja nicht darum, einfach eine Maßnahme zu ergreifen.“ Volker Smid, HP-Deutschland-Chef
Foto: IDG Business Media GmbH

SMID: Es ist völlig normal, dass wir uns in zentralen Angelegenheiten an zentrale Richtlinien halten. Zu diesen Richtlinien gehört, dass wir die lokalen Märkte und die Anforderungen unserer Kunden vor Ort kennen. Unternehmen wollen nicht mehr einfach nur Hardware, also Server, PCs, Storage. Unternehmen transformieren ihr Geschäft ja fast genauso schnell wie IT-Anbieter. Unsere Kunden sagen, wir haben ein bestimmtes Ziel, das wir erreichen müssen. Um hier als HP agieren zu können, brauchen wir im Land die Entscheidungsbefugnis, welche Experten wir ziehen und wie wir das zusammen managen. Um das zu können, muss man nicht erst auf übergeordnete Ebenen gehen, das können wir im Land machen. Das ist eine positive Veränderung. Weil wir dadurch schneller werden, im Interesse unserer Kunden.

CW: Sie sagten, dass jetzt die Phase der Integration und Konsolidierung beginnt. Wenn man sich die HP-Geschäftszahlen ansieht, dann zeigt sich in fast allen Produktbereichen: weniger Umsatz, weniger Profit. Ausnahme der Softwarebereich. Hier allerdings haben vor allem Akquisitionen wie etwa von Autonomy die Ergebnisse in ein freundlicheres Licht gerückt. Ähnliche Effekte stellt man im Enterprise-Geschäftsbereich mit den Akquisitionen von 3Com oder 3Par fest: Es sind meist Zukäufe, die Umsatz und Gewinn noch geschönt haben. Schafft es HP nicht mehr, aus seiner eigenen Substanz heraus zu wachsen? Rächen sich hier die geringen F&E-Ausgaben?

SMID: Die Frage ist schwer zu beantworten. Tatsache ist: Wir leben in einem sich konsolidierenden Markt. Ja, das Zugeständnis muss man machen: Es gab eine Phase bei HP, wo wir zu wenig in Innovation investiert haben. Wir haben in dieser Phase Innovation über Akquisitionen eingekauft.

CW: Wobei die Akquisitionen an sich ja gar nicht kritisiert wurden – mal abgesehen von Palm.

SMID: Unter den Akquisitionen waren einige wirklich gute und strategisch wichtige. Nehmen Sie nur als Beispiele 3Par und das Thema Storage oder 3Com im Netzwerk-Business. Mit deren Data-Center-Technik haben wir uns im Rechenzentrum durchgängig positioniert.

Zum Video: "Hat HP eine Strategie?"