EMC-COO Gelsinger im CW-Interview

"Wir beseitigen Defizite der Private Cloud"

Ariane Rüdiger ist freie Autorin und lebt in München.
Mit Übernahmen und Partnerschaften will EMC ein führender Anbieter von Infrastruktur für Cloud Computing werden. Im CW-Interview erläutert COO Pat Gelsinger die ehrgeizige Strategie des IT-Konzerns.

CW: EMC kauft ständig neue Unternehmen aus unterschiedlichsten Bereichen zu. Wie soll die Integration dieser Firmen gelingen?

Pat Gelsinger, President und COO, EMC Information Infrastructure Products, sieht sein Unternehmen als führenden Cloud-Infrastrukturlieferanten, nicht als Serviceprovider.
Pat Gelsinger, President und COO, EMC Information Infrastructure Products, sieht sein Unternehmen als führenden Cloud-Infrastrukturlieferanten, nicht als Serviceprovider.

Gelsinger: Das ist eine Frage des Ziels. Und das heißt: Wir wollen zusammen mit unseren VCE (Virtual Computing Environment)-Allianzpartnern Cisco und VMware führend bei der Delivery von Private Clouds und virtualisierten Infrastrukturen werden. Natürlich haben wir immer noch vor allem Storage. Aber wir brauchen mehr für die virtuelle Infrastruktur, wie zum Beispiel Managementsoftware (Ionix) oder die Sicherheitslösungen von RSA. Alles zusammen macht uns bei virtueller Infrastruktur immer besser, und das erleichtert auch die Integration.

CW: Cloud-Weltmeister wollen alle werden: Google, Amazon, IBM und HP, um nur die Wichtigsten zu nennen. Warum sollen die Kunden ausgerechnet zu Ihnen kommen, wo sie eine komplette Lösung aus drei Händen statt aus einer bekommen?

Die vorkonfigurierten vBlocks sind die Hardwarebasis des Private-Cloud-Angebots von EMC, Cisco und VMware (Bild: EMC)
Die vorkonfigurierten vBlocks sind die Hardwarebasis des Private-Cloud-Angebots von EMC, Cisco und VMware (Bild: EMC)

Gelsinger: Eben deshalb. Wir sind konsequent offen und setzen auf Standards. Google und Amazon bezeichne ich als Über-Cloud. Sie wissen nie, ob Sie das, was sie an Daten oder Anwendungen in deren Wolke schicken, auch wieder herausbekommen. HP und IBM sehen wir als Vertikalisierer, nicht als Virtualisierer. Sie wollen den Anwender durch alle Infrastrukturschichten hindurch an sich binden. Die einzig wirklich virtualisierte Private-Cloud-Lösung bieten wir, und deshalb kooperiert zum Beispiel EMC auch noch mit anderen Virtualisierungsanbietern, etwa mit Microsoft. Was den Service angeht: Den erhält der Kunde, der sich für eine vBlock-Infrastruktur entscheidet, aus einer Hand, nicht aus dreien, und zwar egal, wo er seine vBlock-Cloud kauft.

CW: Dem Anwender, speziell dem deutschen, scheint der Cloud-Gedanke trotzdem noch nicht so recht einzuleuchten, auch wenn es Interesse gibt. Schließlich muss er das Ganze ja noch mit seinen Anwendungen integrieren.

Gelsinger: Tatsächlich gibt es derzeit Integrationsdefizite, aber daran arbeiten wir. Ein Beispiel dafür ist die Kooperation mit Fluid Operations. Sie soll die SAP-Integration erheblich verbessern. Mit Fluid Ops` eCloud Manager können sich Mittelständler, die keine Unsummen für IT-Beratung ausgeben können, ihre Private-Cloud-Umgebung für SAP am Bildschirm individuell selbst zusammenbauen, ganz den individuellen Bedürfnissen entsprechend.

CW: Bei einer so engen Integration zwischen den vBlock-Komponenten und SAP – läuft das nicht auch auf eine Lösung hinaus, die Sie als vertikal bezeichnen würden?

Gelsinger: Das kann man vielleicht so sehen, aber es vereinfacht die Situation zu sehr. Denn in den meisten Industrien brauchen Sie ganz andere Lösungen zusätzlich zum ERP-System, und durch die kommen dann auch andere Player in die Umgebung.