Arbeit und Freizeit in Einklang bringen

Wie Datev seine Mitarbeiter fördert

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Wie kaum ein zweites Unternehmen in der IT-Branche investiert der fränkische IT-Dienstleister in sein Personal - und erntet nun die Früchte.
Claudia Lazai (rechts)von Datev erklärt Mitarbeitern die firmeneigenen Familienprogramme.
Claudia Lazai (rechts)von Datev erklärt Mitarbeitern die firmeneigenen Familienprogramme.
Foto: DATEV eG

Vereinbarkeit von Beruf und Familie - das ist ein Anspruch, dem sich Arbeitgeber stellen müssen, um für qualifizierte Fach- und Führungskräfte attraktiv zu sein. Und er wird umso wichtiger, je weniger junge Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. "Es muss bei der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben um alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit Verantwortung übernehmen", postuliert Datev-Projektleiterin Claudia Lazai. Das könne für die pflegebedürftigen Eltern sein, aber auch etwa im Rahmen von Ehrenämtern.

Väter werden zur Elternzeit ermutigt

Ihr Unternehmen entschloss sich frühzeitig,die familienpolitischen Maßnahmen zu bündeln: "Verschiedene Arbeitszeitmodelle, Arbeit von zu Hause aus, das gab es bei uns vor zehn Jahren alles schon", blickt sie stolz zurück. 2004 stellte sich dann Datev erstmals dem Audit der beruf und familie GmbH der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die, wie der Name schon sagt, die die Aktivitäten zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in Unternehmen unter die Lupe nimmt. Alle drei Jahre wurde das Audit "beruf und familie" seitdem wiederholt. .

Das Zertifikat "beruf und familie" sowie die darauf aufbauenden Re-Auditierungen orientieren sich an den acht Handlungsfeldern Arbeitszeit, Arbeitsorganisation, Arbeitsort, Informations- und Kommunikationspolitik, Führungskompetenz, Personalentwicklung, Entgeltbestandteile/ geldwerte Leistungen und Service für Familien. Die zahlreichen bisher umgesetzten Maßnahmen reichen von einem Väterbrief zur Ermutigung werdender Väter, in Elternzeit zu gehen, über erweiterte Möglichkeiten mobilen Arbeitens und ausführliche Informations- und Beratungsangebote zum Thema Work-Life-Balance bis hin zu Vorträgen und Seminaren, beispielsweise zu Demenz oder Pflegebedürftigkeit.

Nach drei Zertifizierungsrunden ging es in diesem Jahr nicht um ein ‚Immer Mehr‘, sondern darum, "die ganze Unternehmenskultur familienfreundlich zu durchdringen". Nun soll es darum gehen, den Gestaltungsspielraum der Mitarbeiter, die Karriere und Familie vereinbaren wollen, zu erweitern. So werde seit 2011 intensiv für das Modell Führen in Teilzeit geworben, mit der Folge, dass sich die Zahl der Führungskräfte in Teilzeit in zwei Jahren vervierfacht hat. "Zunächst vermuteten wir, dass dieses Thema vor allem für jüngere Frauen und Mütter interessant wäre, doch dann hat sich herausgestellt, dass es quer durch die Geschlechter und Altersstufen auf positive Resonanz stieß," erzählt die Projektleiterin.

Besonders freut sich Lazai, dass der Anteil der weiblichen Führungskräfte in den letzten fünf Jahren von 18 auf 24 Prozent gestiegen ist. Zudem schult das Unternehmen Führungskräfte, um die Potenziale talentierter Mitarbeiter früher zu erkennen und zu fördern. "Dadurch wird es für Frauen leichter, vor dem ersten Kind Erfahrung in Führungspositionen sammeln," wie die Nürnbergerin betont.

Den Gestaltungsspielraum der Mitarbeiter erweitert auch die Möglichkeit, sich bis zu drei Jahre für ein Sabbatical freistellen zu lassen, etwa um sich einem pflegebedürftigen Familienmitglied zu widmen oder ein Auslandsstudium zu absolvieren. Ohne dass etwa ein Run auf solche Auszeiten eingesetzt hätte, hat sich allein schon die neue Option positiv auf das Betriebsklima ausgewirkt. Geplant ist weiterhin die durch Sabbaticals frei gewordenen Arbeitsplätze befristet intern auszuschreiben, um so Mitarbeitern Wechselmöglichkeiten und neue berufliche Perspektiven zu eröffnen.

Bis zum nächsten Audit im Jahr 2016 soll als Service für Familien im neuen IT-Campus ein Eltern-Kind-Zimmer sowie Rückzugsraum für alle Mitarbeiter eingerichtet werden. Das Zimmer kombiniert einen Arbeitsplatz mit Spielmöglichkeiten für Kinder. Bereits heute unterstützt Datev eine öffentliche Kindertagesstätte, die ab 2014 82 Kindern bis zum Alter von sechs Jahren Platz bieten wird.

Datev beteiligt sich zusätzlich am Projekt "KooMiKi" (Kooperation Mitarbeiterkinder) - entstanden aus der Initiative familienbewusste Personalpolitik. Zehn in der Region ansässige Unternehmen kümmern sich abwechselnd um die Sommerferien-Betreuung von etwa 350 Mitarbeiterkindern im Alter von drei bis 16 Jahren. Datev wird 2015 wieder hauptverantwortlich für das Ferienprogramm sein.

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