Internes Networking als Führungsstil

Wer nicht netzwerkt, verliert

Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Die IT kann von internen Netzwerken der Kollegen profitieren. Führung ist heute ohne Networking nicht mehr möglich.

Jeder CIO hat sein berufliches Netzwerk von CIO-Kollegen, mit dem er sich austauscht, komplexe Change-Prozesse bespricht und die Trends in der IT-Branche diskutiert. Nicht nur außerhalb einer Firma ist Networking wichtig, auch innerhalb eines Unternehmens sollte sich ein IT-Entscheider vernetzen. Networking ist die neue Art der Führung.

Wie so etwas im Alltag aussehen kann, berichtet etwa Gabriele Welt, CIO des Pharmakonzerns Sanofi Europe. "Ich netzwerke auch mit Kollegen außerhalb der IT, etwa dem CFO, Kollegen in Marketing und so weiter. Das mache ich nicht nur regelmäßig, das kann auch ad hoc geschehen, wenn wir uns zufällig begegnen", sagt sie. "Diese Netzwerke pflege ich regelmäßig."

Sanofi-CIO Gabriele Welt kann sich Führung ohne Netzwerken nicht vorstellen: "Ich nenne es immer "Managing by influencing.", sagt sie.
Sanofi-CIO Gabriele Welt kann sich Führung ohne Netzwerken nicht vorstellen: "Ich nenne es immer "Managing by influencing.", sagt sie.

Eine solche Verbindung pflegt sie nicht nur auf der gleichen Hierarchie-Ebene, sondern auch mit Mitarbeitern: "Mittagessen, Kaffeepause oder auch mal ein Gespräch im Büro eignen sich gut, um über Dinge zu reden, die über das Tagesgeschäft hinausgehen, oder sich mit Talenten zu unterhalten", sagt Welt. Dafür nehme sie sich viel Zeit. Ohne Netzwerke zu arbeiten oder gar Mitarbeiter zu führen, das geht für CIO Welt nicht. "Ich nenne es immer "Managing by influencing", sagt sie.

Barometer für Projekte

Ein großer Vorteil von internen Netzwerken ist zudem, dass die eine Abteilung einmal von anderer Seite erfährt, was im Unternehmen und in den anderen Fachbereichen vor sich geht. "Für mich ist es wichtig, Informationen von außen zu bekommen. Nur so habe ich eine andere Sicht auf die Dinge, die das Unternehmen gerade bewegen", sagt Sanofi-CIO Welt. Über Netzwerke bekäme sie aktuelle Informationen, in einer Art, wie man sie nicht abfrage. "Das mag zwar akut nicht wichtig sein, verschafft mir aber eine Gesamtsicht auf das Unternehmen, wie man sie in offiziellen Kanälen nicht bekommt", fügt Welt hinzu.

Gleichzeitig verschafft sich die IT-Chefin einen Überblick über ihre eigene Arbeit - aus der Sicht anderer Abteilungen: "So bekomme ich Rückmeldung, wie gut Projekte laufen. Ich betrachte das als Barometer, an dem ablesen kann, was gerade funktioniert und was nicht."

Am Puls des Unternehmens

Aktuelle Themen dringen über Netzwerke schneller zur IT vor, meint auch David Ong, CIO der Cura Unternehmensgruppe mit Sitz in Berlin. "Meine Mitarbeiter und ich bekommen dadurch mit, an welchen Aufgabenstellungen im Unternehmen gerade gearbeitet wird und wo Probleme oder Umstellungen auf uns zukommen werden", sagt der IT-Chef. Übergeordnet würde so etwas zwar auch in den Gremien diskutiert. Aber etwa die Probleme mit speziellen Anwendungen, die Kollegen haben, würden so besser zur IT-Abteilung vordringen. "Zudem haben wir dadurch das Ohr am Puls der Zeit und können uns schon lange auf Änderungen vorbereiten. Das ist gerade für die IT sehr wichtig, denn oft brauchen wir für größere Projekte eine Vorlaufzeit", so Ong.

Gute Verbindungen zu möglichst vielen Kollegen im Unternehmen sind immer viel wert.
Gute Verbindungen zu möglichst vielen Kollegen im Unternehmen sind immer viel wert.
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Wer nicht netzwerkt, verliert

Das bestätigt auch der Führungskräfte-Coach Peter Buhl: "Für die IT ist es sehr wichtig, schon vorher zu wissen, was auf sie zukommt. Der offizielle Weg, um in einem großem Unternehmen an Informationen zu kommen, kann da manchmal lang und schwierig sein", sagt er. Manchmal bleibt allerdings der inoffizielle Weg versperrt.

In starren Hierarchien ist Networking schwierig und nicht gern gesehen. Auch Coach Buhl kann davon berichten. "Es gibt immer noch Unternehmen, die es nicht gern sehen, wenn Mitarbeiter Informationen austauschen", sagt er. "Das passt nun gar nicht in die heutige Zeit." Die Abläufe im Unternehmen seien inzwischen so komplex geworden, dass Netzwerken unabdingbar sei, um den Überblick zu behalten und sich eine Meinung bilden zu können. Ohne Networking sei Arbeiten heutzutage nicht mehr möglich, sagt der Coach.

So vergrault man Mitarbeiter

Überhaupt: Wer Networking bremst, vergrault Mitarbeiter. "Dass sich die Leute immer stärker untereinander vernetzen, ist ein gesellschaftlicher Trend", meint Cura-CIO Ong. "Der moderne Mitarbeiter lässt sich nicht mehr so auf hierarchische Strukturen ein." Gerade, wer mit Facebook und Co. aufgewachsen sei, der vernetze sich gerne und beinahe schon automatisch. "Das möchte ich aber nicht auf das digitale Vernetzen beschränken, sondern das passiert im Unternehmen persönlich", sagt der CIO.

Effizienteres Arbeiten durch Networking

Die Mitarbeiter bildeten einerseits themenorientierte Strukturen, die über die von der Organisation gebildeten Strukturen hinausgingen, erzählt Ong. "Selbstverständlich werden da auch Verbindungen geschaffen, die auch auf Sympathie gegründet sind", sagt er. Das kann CIO Ong nur begrüßen. Wer gern zusammen arbeitet, schafft mehr: "Ich habe festgestellt, dass das zu schnellerem und effizienterem Arbeiten führt."

Vor allem der Wissensaustausch hat für Unternehmen enorme Vorteile - daher wäre es fatal, Networking zu unterbinden. "Meine Mitarbeiter wissen bei einigen Themen genau, wen sie dafür ansprechen können. Das ist besonders hilfreich, wenn derjenige in einer anderen Abteilung sitzt", meint Ong. Da werde dann gemeinsam Mittag gegessen oder ein Kaffee getrunken und ein Problem informell besprochen. "Das läuft nicht mehr wie früher über langsame bürokratische Wege und ist auch nicht an interne Netzwerkplattformen gebunden", sagt Ong.