IT-Fachkräfte-Index

Weniger Jobs für IT-Experten

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Für IT-Spezialisten hat sich der Arbeitsmarkt im dritten Quartal dieses Jahres etwas verschlechtert. Dennoch blickt Hays-Manager Simon Alborz optimistisch in die Zukunft.

Die leichten Dellen des zweiten Quartals 2015 sind im Hays-IT-Fachkräfte-Index des dritten Quartals ebenfalls zu beobachten. So sank die Anzahl der Stellenangebote im Vergleich zum Vorquartal von 105 auf 101 um vier Punkte. Simon Alborz, Rekrutierungsexperte bei Hays, glaubt aber nicht, dass sich IT-Profis Sorgen machen müssen. "Einen leichten Rückgang haben derzeit Anwendungsentwickler, IT-Berater und Netzwerkadministratoren zu verzeichnen". Bei den Anwendungsentwicklern zeigt sich die Nachfragekurve nach seiner Erfahrung schon immer dynamisch. Dennoch sei dies nach wie vor die zahlenmäßig mit Abstand am meisten gesuchte IT-Fachkräftegruppe. Bei den Beratern indes gibt es, so Alborz, einen guten Grund: "Die Nachfrage nach Consultants verzeichnete im ersten und zweiten Quartal 2015 einen stetigen Anstieg, der sich jetzt, in der Mitte des Jahres, aufgrund der in der ersten Jahreshälfte erfolgreich besetzten Stellen relativiert."

Simon Alborz, Hays: "Die Nachfragekurve für IT-Experten, zu denen ich auch die Berater zähle, wird zu Beginn des neuen Kalenderjahres wieder deutlich ansteigen."
Simon Alborz, Hays: "Die Nachfragekurve für IT-Experten, zu denen ich auch die Berater zähle, wird zu Beginn des neuen Kalenderjahres wieder deutlich ansteigen."
Foto: Hays

Stagnation und Rückgang der Stellen zum Jahresende hin kein Grund zur Panik

Der Hays-Manager vermutet, dass zahlreiche Anwenderunternehmen zu Beginn des Jahres neue Projekte gestartet und dafür externe Berater ins Haus geholt haben. "Jetzt sind die Projekte mit den entsprechenden Consultants besetzt und werden bis zum Ende des Jahres über die Bühne gebracht", erklärt er. Diese Situation führe naturgemäß zu einem Rückgang der offenen Beraterpositionen. Des Weiteren würden die Unternehmen im dritten und vierten Quartal bereits erste Projekte für das Jahr 2016 budgetieren. Alborz Prognose für das neue Jahr: "Die Nachfragekurve für IT-Experten, zu denen ich auch die Berater zähle, wird zu Beginn des neuen Kalenderjahres wieder deutlich ansteigen." Im vierten Quartal 2015 rechnet er in puncto Nachfrage noch mit einer Stagnation der Zahl offener Stellen, was zum Jahresende allerdings gang und gäbe sei.

Dass die Nachfrage nach Netzwerkadministratoren im dritten Quartal abgenommen habe, könne nicht mit saisonalen Effekten erklärt werden. "Der Netzwerkadministrator hält das Herz eines Unternehmens in Betrieb. Er sorgt im Maschinenraum dafür, dass der Motor permanent rund läuft und besetzt damit nicht selten eine der wichtigsten Positionen einer IT-Abteilung", betont Alborz. Da die Nachfrage 2014 sehr groß gewesen sei, wird hier seiner Meinung nach "auf hohem Niveau" gejammert.

Neuorientierung eine Überlegung wert

Den IT-Profis rät Alborz, die jetzige Phase zu nutzen, um über eine Neuorientierung nachzudenken: "Sobald die Nachfrage Anfang des neuen Jahres wieder steigt, sind diejenigen im Vorteil, die ihre Bewerbungs- und Weiterbildungs-Aktivitäten bereits gestartet haben. Hier gilt es antizyklisch zu agieren." Seiner Meinung nach gilt das sowohl für IT-Freiberufler als auch für Festangestellte und SAP-Berater. Vor allem auf Letztere warten seiner Ansicht nach 2016 große Aufgaben. Der Hays-Manager ist überzeugt, dass alle großen Beratungsfirmen bereits Fallstudien für neue Projekte - allen voran für Industrie 4.0 - vorbereiten, um "Gewehr bei Fuß" zu stehen, wenn Endkunden derartige Trendthemen ins Visier nehmen.

Dafür sei auch der anhaltend hohe Personalbedarf der IT-Branche ein Indiz: "Sie sucht wesentlich mehr High-Tech-Profis (+ 18 Prozent) als im vergangenen Quartal." Laut Alborz ist diese Branche zu einem wesentlichen Teil von Dienstleistern wie etwa Beratungsunternehmen und Systemhäusern geprägt. "Die Verantwortlichen dieser Branche wissen, dass die Rekrutierung von Festangestellten Zeit benötigt." Und sie bereiten sich seiner Meinung nach auf eine positive Geschäftsentwicklung 2016 vor. "Nicht nur weil der eigene Branchenverband Bitkom gute Zahlen prognostiziert, auch in den Unternehmen selbst ist eine positive Erwartungshaltung zu spüren", sagt der Hays-Manager. Schaue man sich die Zahl der offenen Stellen im Handel und Maschinenbau an, könne hier von regelrechten Wachstumstreibern gesprochen werden. So sei im Maschinenbau der Index-Wert von 170 auf dem höchsten Nachfragewert gestiegen, seitdem der Index im Jahr 2012 zum ersten Mal herausgegeben worden sei. "Diese hohe Nachfrage hat ganz sicher etwas mit den zu erwartenden Aufgaben in der Industrie - und hier speziell der Industrie 4.0 - zu tun", resümiert Alborz.