Freiberuflerinnen in der IT

Weiblich, selbständig und selbstbewusst

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Auch im 21. Jahrhundert sind sie noch eine seltene Spezies. Die wenigen Frauen, die in der IT auf eigene Rechnung arbeiten, sind aber erfolgreich.

Die IT-Branche ist eine Männerdomäne, in der Programmiererinnen, Beraterinnen oder SAP-Expertinnen in der Unterzahl sind. Noch geringer ist die Zahl der IT-Frauen, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Offizielle Zahlen gibt es nicht, der Anteil der IT-Freiberuflerinnen wird auf fünf bis zehn Prozent geschätzt. Laut Uta Nommensen vom Berufsverband Selbständige in der Informatik ist die Zahl freiberuflicher IT-Spezialistinnen seit 2002 zurückgegangen: "Im BVSI selbst sind zurzeit weniger als zehn Prozent Frauen aktiv." Der Verband geht davon aus, dass vor allem die Krisen 2001 und nach 2004 die Frauen in die Angestelltentätigkeit getrieben haben.

Dabei hätten Frauen, die selbständig in der IT arbeiten, durchaus einen guten Stand, sagt Nommensen: "Von weiblichen BVSI-Mitgliedern hören wir immer wieder, dass sie sich in IT-Projekten weder finanziell noch menschlich benachteiligt fühlen." IT-Freiberuflerinnen würden oft bevorzugt eingestellt - vielleicht weil sich das Unternehmen einen Vorteil für die Teamarbeit verspreche.

Mehr als nur teamfähig

Manuela Reiss, IT-Freelancerin des Jahres 2009: 'Die Freiberuflichkeit passt einfach zu mir und meiner Arbeitsweise.'
Manuela Reiss, IT-Freelancerin des Jahres 2009: 'Die Freiberuflichkeit passt einfach zu mir und meiner Arbeitsweise.'
Foto: Manuela Reiss

Dass weibliche IT-Experten indes viel mehr als Teamfähigkeit zu bieten haben, bewies die diesjährige Wahl des "IT-Freelancers des Jahres". Das Fachmagazin "IT Freelancer" kürte in diesem Jahr Manuela Reiss zur Siegerin des Wettbewerbs. Die Projekt-Managerin hatte sich bereits vor zwei Jahren bei der Aktion beworben, schaffte es damals aber nur auf einen der vorderen Plätze.

Reiss kam als klassische Quereinsteigerin zur IT. Nach dem Geografiestudium in Berlin war sie fünf Jahre lang in einem internationalen Projekt beim Deutschen Wetterdienst tätig. "Da bei dem Job die IT eine wichtige Rolle spielte, wurde ich durch learning-by-doing auch hier immer fitter. Was noch an Wissen fehlte, erwarb ich mir im Selbststudium", erinnert sie sich. Nachdem der befristete Vertrag beim Deutschen Wetterdienst ausgelaufen war, entschied sie sich für die Selbständigkeit. Bereits nach ein paar Monaten bot sie als Trainerin ihre ersten Schulungsmaßnahmen an. Reiss: "Die Freiberuflichkeit passt einfach zu mir und meiner Arbeitsweise. Ich kann mich selbst sehr gut motivieren und stelle mich gerne neuen Herausforderungen." Gleichzeitig räumt sie ein, mit einer Portion Naivität, aber auch mit Selbstvertrauen und Neugier in die Freiberuflichkeit gestartet zu sein.

Heute ist sie als Beraterin in einem sehr speziellen Umfeld - und zwar in der IT-Dokumentation. Dabei hilft der Freiberuflerin, dass sie viele Jahre auch als Autorin und Herausgeberin tätig war. Dass so wenige Frauen als Externe zu finden sind, hat ihrer Meinung nach mit den Rahmenbedingungen zu tun. Reiss: "Viele Aufträge sind nicht vor Ort durchzuführen, müssen noch dazu spontan ausgeführt werden. Das können Frauen, die Familie haben, nur sehr schwer miteinander vereinbaren."