Cloud Service Provider

Was AWS, Microsoft & Co. in Deutschland vorhaben

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.

Interview Pironet NDH: "Partner auf Augehöhe"

Für Cloud-Services "Made in Germany" macht sich Pironet NDH stark. Die Tochtergesellschaft des Systemhauses Cancom sieht speziell für mittelständische Cloud-Service-Provider gute Chancen auf dem deutschen Markt. Für solche Unternehmen sprechen laut Khaled Chaar, Managing Director Business Strategy bei Pironet NDH, Gründe wie der Standort Deutschland und maßgeschneiderte Angebote für Kunden aus dem Mittelstand. Wir haben mit ihm über den Markt und den Wettbewerb mit den "Großen" der Zunft gesprochen.

Chaled Chaar sieht Pironet NDH mit guten Chancen auf dem deutschen Cloud-Markt.
Chaled Chaar sieht Pironet NDH mit guten Chancen auf dem deutschen Cloud-Markt.
Foto: Pironet NDH

CW: Herr Chaar, warum entscheiden sich viele Unternehmen für die Cloud-Angebote großer Provider?

CHALED CHAAR: Weil solche Unternehmen über hoch standardisierte Cloud-Plattformen, jahrelange Erfahrung mit dem Betrieb entsprechender Rechenzentren und über ein umfangreiches Know-how verfügen. Deshalb entscheiden sich viele Unternehmen beim Schritt in die IT-Wolke für einen der großen Anbieter. Doch nicht alles spricht für die überwiegend in den USA beheimateten Provider.

CW: Welche Faktoren sprechen dagegen?

CHAAR: Was Mittelständlern, zu Recht, Bauchschmerzen bereitet, ist das Thema Datenschutz. Denn außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes legen die Gesetzgeber häufig weniger Wert auf den Schutz sensibler Daten als hierzulande. Bestes Beispiel sind die USA: Unter Berufung auf das 'Patriot Act' dürfen amerikanische Geheimdienste und Ermittlungsbehörden im Verdachtsfall auf Server und Daten von Unternehmen zugreifen - auch ohne richterliche Verfügung.

CW: Allerdings argumentieren US-Service-Provider, dass sie Rechenzentren in der EU oder in Deutschland betreiben und damit dem hier geltenden Datenschutzrecht unterliegen...

CHAAR: Auch wenn ein solcher Cloud-Anbieter Rechenzentren hierzulande betreibt, sein Hauptsitz aber in den USA ist, gelten die angesprochenen US-Gesetze. Innerhalb der Europäischen Union sind die Gesetze zum Datenschutz zwar deutlich strenger, aber wer sicher gehen will, dass seine Daten nach deutschem Recht gespeichert und verwaltet werden, sollte sich einem Anbieter anvertrauen, dessen Hauptsitz und dessen Rechenzentren sich in Deutschland befinden.

CW: Haben mittelständische Cloud-Service-Provider wie Pironet NDH überhaupt eine Chance gegen Großanbieter wie Microsoft, Amazon oder Google?

CHAAR: Mittelständische Anbieter haben gute Chancen, vor allem dann, wenn sie mit ihren Produkten mittelständische Unternehmen adressieren. Denn große Provider tun sich häufig schwer, die für den Mittelstand typischen IT-Strukturen in der Cloud abzubilden. Oft sind die IT-Landschaften solche Firmen über Jahre gewachsen und entsprechend heterogen. Der Transfer in die Cloud ist damit ein komplexes Unterfangen. Hier können mittelständische Cloud-Provider punkten: Sie kennen die Anforderungen ihrer Kunden aus eigener Erfahrung und ermöglichen daher eine enge Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

CW: Heißt das, ein Mittelständler muss auf die zweifellos preislich attraktiven Angebote von 'großen' Providern verzichten, wenn er sich an einen kleineren Cloud-Service-Provider bindet?

CHAAR: Nein, natürlich nicht. Auch wenn Unternehmen sich für einen mittelständischen Cloud-Anbieter entscheiden, müssen sie nicht zwangsläufig auf die hochstandardisierten Lösungen der großen Provider verzichten. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, Clouds miteinander zu kombinieren. Die Unternehmen speichern dann weniger sensible Daten in einer Standard-Public-Cloud, während sie schützenswerte Informationen in eine private IT-Wolke geben.

CW: Wie können sich kleinere Cloud-Service-Provider noch von den Angeboten großer Anbieter abheben, etwa durch einen besseren Service?

CHAAR: Eine Option ist, dass kleinere Provider Leistungen anbieten, die über die reinen Cloud-Dienste hinausgehen. Dazu gehören unter anderem Managed Services und diverse betriebswirtschaftliche Beratungsleistungen. Und, Sie haben Recht, auch die individuelle Betreuung ist ein Faktor, den gerade Mittelständler schätzen. (sh)