Stichwort Ökosystem

Warum das iPad Android-Tablets voraus ist

31.05.2012
Uhu, Tempo, Tesa - und iPad? Manche Markennamen werden zum Alltagsbegriff für eine ganze Kategorie.

Bei den Tablet-Computern ist die Apple -Flunder auf dem besten Weg dorthin. Zum Leidwesen der Konkurrenz. Es gibt zwar dutzende Geräte mit dem Betriebssystem Android, das unter der Regie von Google entwickelt wird. Doch mit wenigen Ausnahmen verkaufen sie sich mäßig bis schlecht. Herstellern wie Samsung und Sony, Acer und HTC konnten bisher nicht erreichen, dass die Kunden bei Tablet-Computern an eine iPad-Alternative denken.

Das vergangene Quartal bestätigte: Apples iPad spielt derzeit in einer eigenen Liga. Der Hersteller verkaufte von Januar bis März 11,8 Millionen iPads, wie die Marktforscher von IDC kürzlich berichteten. Alle anderen Hersteller setzten zusammen nur 5,6 Millionen Tablet-Computer ab. Diese Dominanz dürfte nach Ansicht von Beobachtern noch auf Jahre bestehen. 2016 werde das Apple-System iOS noch einen Marktanteil von 46 Prozent haben, meinen die Marktforscher von Gartner.

Warum hinkt Android hinterher? An der Hardware sollte es eigentlich nicht liegen. Die großen Hersteller protzen mit Features wie Vierkernprozessoren, schneller Mobilfunkverbindung mit dem Datenturbo LTE und hochwertigen Bildschirmen. Doch es hakt bei der Software, also dem Betriebssystem und den Apps.

Problem Nummer 1: Android ist nicht gleich Android. Während Apple-Nutzer die neue Version des Betriebssystems iOS direkt auf ihr iPhone oder iPad aufspielen können, müssen Android-Besitzer warten. Denn der Gerätehersteller passt das Update erst an. Und das dauert meist mehrere Monate. Die im Oktober vorgestellte Software-Version 4.0 läuft beispielsweise nur auf 4,9 Prozent aller Geräte mit dem Google-System, wie aus Zahlen des Unternehmens von Anfang Mai hervorgeht. Wichtige neue Features wie auch Verbesserungen im Detail bleiben den meisten Nutzern bislang vorenthalten.

Problem Nummer 2 hat mit Problem Nummer 1 tun: Es fehlt noch an Apps, die für die großen Tablet-Bildschirme optimiert sind - oft ein Verkaufsargument. "Die Nutzerbasis ist sehr fragmentiert", sagt Gartner-Analystin Roberta Cozza. "Die Entwickler müssen mit ihren Anwendungen aber möglichst viele Kunden erreichen." Das Apple-System iOS sei viel homogener als Android und damit auch attraktiver für Programmierer.

Google schlüsselt nicht auf, wie viele der rund 500.000 Apps der Plattform Google Play für Tablet-Computer optimiert sind. Doch einige prominente Beispiele verdeutlichen das Zögern der Entwickler. Der Fotodienst Instagram, der von Facebook übernommen wird, brachte erst Monate nach dem Start eine Version für Android heraus. Auch die beliebte Lese-App Flipboard schaffte erst mit langer Verzögerung den Sprung vom iPad auf andere Tablet-Computer.

Auch deutsche Medienhäuser zögern. Nach einer im Januar veröffentlichten Studie der Hamburger Beratungsfirma Bulletproof Media gibt es allein 250 journalistische Apps fürs iPad, nur rund 50 für Android-Geräte, die zudem oft nicht sehr nutzerfreundlich seien.

Was kann Google tun, damit das Angebot an nützlichen und hübschen Apps für die Android-Tablets wächst? Sinnvoll sei zum einen, das Entwicklungstempo zu drosseln, damit den Geräteherstellern mehr Zeit für die Anpassung bleibe, sagt Cozza. "Android ist mittlerweile sehr ausgereift, es sind nicht mehr so viele Neuerungen nötig."

Zum anderen müsse der Internetriese die Entwickler stärker unterstützen. Etwa indem er sich intensiver mit ihnen austauscht und auch andere Bezahlsysteme neben Google Checkout zulässt. Hoffnung setzt Cozza indes in die aktuelle Version des Betriebssystems, die den Codenamen "Ice Cream Sandwich" trägt: "Sie bietet eine bessere Nutzererfahrung."

Eine weitere Stellschraube ist der Preis. Bislang kosten viele Android-Flachmänner genauso viel wie das iPad. IDC erwartet, dass bald etliche Hersteller diese Marke unterbieten und so den Wettbewerb anheizen, wie Amazon das mit seinem Kindle Fire in den USA bereits tut. Allerdings setzt Apple die Konkurrenz auch hier kräftig unter Druck: Der Konzern verkauft neben dem aktuellen iPad weiterhin Geräte der zweiten Generation zu einem Kampfpreis von knapp 400 Euro.

Mit einem Billig-Angebot allein können die Apple-Herausforderer aber nicht punkten, meint Expertin Cozza: "Viele Nutzer müssen immer noch herausfinden, was sie mit einem Tablet-Computer machen können. Auch billige Geräte verkaufen sich nur, wenn das Ökosystem attraktiv ist." (dpa/tc)