Neue Version der Desktop-Virtualisierungslösung

VMware Workstation 10 im Test

Moritz Jäger ist freier Autor und Journalist in München. Ihn faszinieren besonders die Themen IT-Sicherheit, Mobile und die aufstrebende Maker-Kultur rund um 3D-Druck und selbst basteln. Wenn er nicht gerade für Computerwoche, TecChannel, Heise oder ZDNet.com schreibt, findet man ihn wahlweise versunken in den Tiefen des Internets, in einem der Biergärten seiner Heimatstadt München, mit einem guten (e-)Buch in der Hand oder auf Reisen durch die Weltgeschichte.
VMware hat Version 10 der Workstation veröffentlicht. Im Test muss die Lösung zur Desktop-Virtualisierung unter Beweis stellen, dass ein Upgrade von Workstation 9 wirklich lohnt.

Mit der Workstation von VMware lassen sich Betriebssysteme direkt auf einem Desktop-System virtualisieren, im Gegensatz zu Server-Lösungen ist sie eher für Entwickler, IT-Profis oder Bastler gedacht. Auch wenn kostenlose Lösungen wie etwa die VirtualBox von Oracle eine Alternative bieten, dürfte die VMware-Lösung immer noch eine große Fangemeine haben. Für diese hat VMware nun die neue Workstation 10 veröffentlicht.

Optisch hat sich seit der Vorgängerversion, der VMware Workstation 9, wenig geändert. Das jeweilige virtuelle System dominiert die Ansicht, in der linken Seitenleiste sind alle verfügbaren virtuellen Systeme aufgelistet. Die VMware Workstation 10 kann nicht nur auf lokale VMs zugreifen, sondern startet außerdem im Netzwerk freigegebene virtuelle Systeme (eine Funktion, die mit Workstation 9 eingeführt wurde) und dient zudem als Client für vSphere, die Server-Lösung von VMware.

Neue Cloud- und Schulungsfunktionen

Apropos Server: VMware hat die so genannte Nested-Virtualisierung in der Workstation 10 etwas ausgebaut. Mit der neuen Version können Nutzer sich komplette Cloud-Infrastrukturen auf dem Desktop-PC aufbauen. So lassen sich neben VMware ESX/vSphere und Hyper-V von Microsoft auch die Micro Cloud Foundry von VMware oder Open Stack der Apache Foundation installieren. Sinnvoll ist das beispielsweise für Entwicklungsumgebungen oder zu Schulungszwecken.

Zum Thema Schulung gehört auch eine neue Funktion, bei der sich virtuelle Systeme mit einem Ablaufdatum versehen lassen. Ist diese Funktion aktiv, gleicht die Workstation in regelmäßigen, anpassbaren Intervallen die aktuelle Zeit mit einem Zeit-Server ab. Sobald das Ablaufdatum erreicht ist, wird das virtuelle System eingefroren und lässt sich nicht mehr starten. In Kombination mit der Schnappschuss-Funktion, die es bereits länger im Produkt gibt, lassen sich so relativ einfach sichere und saubere Test- und Gastsysteme aufsetzen.

Hier ist auch die neue KVM-Funktion interessant. Diese Kommandozeilenfunktion startet ein virtuelles System automatisch im Vollbildmodus, für den Nutzer ist kein Unterschied zum "richtigen" Betriebssystem erkennbar. Alternativ lassen sich VMs auch über HTML5-fähige Browser starten. Diese Funktion wird mit WSX möglich. Eingeführt wurde diese Funktion in Workstation 9, für Workstation 10 wurde der notwendige WSX Server überarbeitet und kann in einer neuen Version heruntergeladen werden.

Aktuelle Betriebssysteme und neue virtuelle Hardware

Grundsätzlich kann man auf der Workstation (fast) jedes Betriebssystem installieren, das x86 kompatibel ist. VMware integriert aber zusätzlich einen Katalog für virtuelle Betriebssysteme, die per Easy Install eingerichtet werden können. Im Grunde ermöglicht diese Funktion eine unbeaufsichtigte Installation, bei der alle notwendigen Daten (etwa Nutzername und Kennwort) vorab eingegeben werden. Mit Workstation 10 wurden hier einige aktuelle Linux-Distributionen (etwa Ubuntu 13.10) sowie Windows 8.1 neu aufgenommen. Zusätzlich kann die Workstation Windows 8.1 auch virtualisieren, also eine physikalische Installation in eine Virtuelle umwandeln.

Richtig spannend wird es bei der virtuellen Hardware: Workstation 10 unterstützt bis zu 16 virtuelle CPUs, virtuelle Festplatten mit bis zu acht TByte Größe und kommt mit bis zu 64 GByte virtuellem RAM zurecht. Die Festplatten lassen sich nun mit einer neuen virtuellen SATA Schnittstelle versehen, der während der Erstellung der virtuellen Festplatten als Alternative zum bekannten IDE und SCSI-Treiber gewählt werden kann. Das hat den Vorteil, dass sich in den virtuellen Systemen integrierte SATA-Treiber direkt nutzen lassen. Ein Hinweis: Sowohl CPUs als auch RAM sind natürlich durch das Host-System beschränkt - die VM kann natürlich nicht mehr Ressourcen nutzen, als eigentlich zur Verfügung stehen.

VMware Workstation 10 kommt dank USB 3.0 Streams deutlich besser mit USB 3.0 zurecht als sein Vorgänger. Das ist beispielsweise praktisch, wenn man VMs von externen Festplatten starten will, etwa weil der Speicherplatz auf dem PC beschränkt ist.

Tablet-Unterstützung

Wer Tablet-Apps entwickelt, der wird sich über die verbesserte Tablet-Unterstützung freuen. Touch-Screens kannte bereits Workstation 9, mit Workstation 10 können die virtuellen Systeme auch auf Sensoren zugreifen. Unterstützt werden Beschleunigungssensor, Gyroskope, der Kompass und der Sensor für Umgebungslicht. Der Nachteil: Diese Funktion ist zunächst nur für Windows 8 Tablets und virtualisierte Windows 8.x Systeme verfügbar. Sind diese Vorgaben erfüllt, ist es tatsächlich sehr praktisch: Im Test konnten wir problemlos ein Windows 8.1 auf einem Surface-Tablet mit Windows 8 ausführen und das sogar angenehm performant.

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