ByoD, Docking-Stations und WLAN

Trends bei Business-Laptops, Teil 2

Harald Karcher ist freier Autor in München. Er testet mobile Geräte vom Handy bis zum Laptop und mobile Netze von WLAN bis zu LTE.
Wir haben zehn Laptop-Experten von Acer, Asus, Dell, Fujitsu, HP, Intel, Lenovo, Samsung, Sony und Toshiba zu den Trends bei Business-Notebooks befragt. Hier die Antworten zu ByoD, Docking-Stations und WLAN.

Docking-Stationen: Wireless Docking kämpft noch gegen Trägkeitsmassen

Die IBM ThinkPads waren einmal das Symbol der zuverlässigsten Business-Laptops schlechthin. Nun wird das Erbe der glorreichen IBM-Business-Rechner samt robuster Docking-Stationen aus Amerika schon seit Jahren von Lenovo aus China fortgeführt. Der langjährige ThinkPad-Manager Volker Fassbender, damals IBM, heute Lenovo, kennt den Markt wie kaum ein anderer: „Das Interesse an klassischen mechanischen Dockingstationen ist, speziell in Deutschland, ungebrochen.

Eigene Untersuchungen haben ergeben, daß das gespürte Erlebnis des Eindockens gewünscht wird. Darüber hinaus nimmt das Interesse an USB-basierten Lösungen aufgrund ihrer hohen Flexibilität zu. Anfragen nach drahtlosen Lösungen gibt es, jedoch, über alles gesehen, nicht im großen Umfang. Generell erwarten wir für die nächsten Jahre eine Koexistenz klassischer, USB-basierter und Wireless-docking Lösungen. Definitiv kein Sterben klassischer Docking-Stationen“.

Das gespürte Erlebnis des Andockens

Eine hohe Nachfrage nach Dockingstationen bestätigen auch die weniger Business-lastigen Laptop-Anbieter: So etwa Ümüt Erten von Acer: „Docking-Lösungen sind für uns sehr wichtig und werden weiterhin stark nachgefragt - besonders im High-End-Enterprise Segment“. Oder Haris Musemic von Asus: „Docking-Stationen sind weiter eine wichtige Voraussetzung für den Einkauf im Business-Umfeld. Die Anbindung an LAN (nicht WLAN) und Tastaturen oder Sound per festen Docking-Stationen ist ein wichtiger Sicherheitsaspekt, der auch in absehbarer Zeit nicht wegzudenken ist“.

Viele Slimline-Laptops haben aus Platzgründen keinen klassischen Docking-Port-Connector an der Bodenseite. Hier hilft die Plugable USB 3.0 Docking Station von Acer. Sie braucht weniger Stellfläche als eine klassische Docking-Lösung und lässt sich via USB-Kabel an das Mobile Device ankoppeln.
Viele Slimline-Laptops haben aus Platzgründen keinen klassischen Docking-Port-Connector an der Bodenseite. Hier hilft die Plugable USB 3.0 Docking Station von Acer. Sie braucht weniger Stellfläche als eine klassische Docking-Lösung und lässt sich via USB-Kabel an das Mobile Device ankoppeln.
Foto: Harald Karcher

Da wundert es nicht, wenn auch Meinolf Althaus von Fujitsu bestätigt: „Ja, die klassischen Dockinglösungen werden nach wie vor gefragt, mehr als die Hälfte der ausgelieferten mobilen Systeme werden mit einer Dockinglösung gebundelt. Wireless wird zunehmen, aber hier ist natürlich eine erhebliche Trägheitsmasse bei den eingesetzten Betriebssystemen und der vorhandenen Peripherie“.

Will sagen: Es reicht nicht, wenn nur der Laptop ganz schnell Wireless spricht. Peripheriegeräte wie Monitore müssen ja die gleiche Wireless-Highspeed-Sprache verstehen. Bluetooth reicht dafür nicht, das wäre viel zu langsam für einen HD-Monitor. Von 4K-Monitoren mit Ultra-HD-Auflösung ganz zu schweigen.

WiGig für drahtlose Dockinglösungen

Wie das Wireless-Docking konkret aussehen kann, weiß Michael Müller von Dell: „Im Geschäftskundenumfeld spielen Docking-Lösungen nach wie vor eine herausragende Rolle. Technologisch gab es in der Vergangenheit aber Grenzen, die drahtlose Dockinglösungen unpraktikabel und unbezahlbar machten. Das hat sich allerdings geändert. Mit der verfügbaren Wireless Gigabit Lösung, einem offenen Standard, stehen heute auch drahtlose Docking-Lösungen zur Verfügung. Dell war hier Vorreiter und hat bereits in der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres das weltweit erste Ultrabook mit dieser WiGig Technologie auf den Markt gebracht. Zukünftige Produkte werden ebenfalls mit dieser Technologie ausgestattet“.

„Mit Wireless Gigabit stehen heute auch drahtlose Docking-Lösungen zur Verfügung." Michael Müller, Manager Commercial Clients & Tablets, Dell Client Product Management EMEA
„Mit Wireless Gigabit stehen heute auch drahtlose Docking-Lösungen zur Verfügung." Michael Müller, Manager Commercial Clients & Tablets, Dell Client Product Management EMEA
Foto: Hersteller

Auch bei HP werden Dockingstations nach wie vor wegen der zusätzlichen Anschlussmöglichkeiten nachgefragt“, weiß HP-Managerin Martina Mesin: „Auch unsere Channelpartner bestätigen dies. Nur wenige Unternehmen haben völlig auf Wireless-Lösungen umgestellt. In den meisten Großunternehmen haben die Mitarbeiter immer noch einen festen Arbeitsplatz, auch wenn sie vermehrt mobile Produkte verwenden. Der Einsatz von Dockingstations ist hier die logische Konsequenz, um auch den ergonomischen Arbeitsplatzanforderungen gerecht werden zu können“.

USB- und Funk-Docking für Ultrabooks

Nicht nur dicke, schwere Laptops erfordern Docking-Lösungen, sondern auch die neuen, kleinen, schlanken, eleganten. Problem ist nur: Klassische Portreplikatoren brauchen eine gewisse Bautiefe. Dafür ist im Boden der superschlanken Schönlinge einfach kein Platz mehr. Außerdem sind die neuen Laptops auch am Boden oft schon so elegant, dass man die Optik nicht durch Docking-Konnektoren verschandeln möchte. Dazu Jens Böcking von Samsung: „Der wachsende Trend zu Ultrabooks bedingt auch in Bezug auf Docking-Stations neue Konzepte, zum Beispiel Docking mittels USB oder funkgestützte Docking-Konzepte“.

Klassische Dockingstationen wie diese hier von Acer sind oft so gebaut, dass Laptops verschiedener Größen wie etwa 13, 14 und 15-Zoll-Geräte darin parken können. Sie verbinden den Laptop nach dem Einrasten mit der lokalen ITK-Infrastruktur im Büro.
Klassische Dockingstationen wie diese hier von Acer sind oft so gebaut, dass Laptops verschiedener Größen wie etwa 13, 14 und 15-Zoll-Geräte darin parken können. Sie verbinden den Laptop nach dem Einrasten mit der lokalen ITK-Infrastruktur im Büro.
Foto: Harald Karcher

Diesen Trend kann Henrik Schäfer von Sony durch ganz konkrete Beispiele belegen: „Mit unserem aktuellen VAIO Sortiment setzen wir auf alternative Lösungsmöglichkeiten zu klassischen Docking-Stationen, die vor allem auf Flexibilität und Mobilität ausgerichtet sind, ohne dabei auf Funktionen verzichten zu müssen. Neben den bereits im Notebook vorhandenen Anschlüssen wie HDMI, USB 3.0 und Kopfhörer werden beispielsweise die Modelle des VAIO Pro 11 und Pro 13 mit einem zusätzlichen HDMI zu VGA-Adapter ausgeliefert, mithilfe dessen der Anwender jedes Gerät mühelos direkt an einen Bildschirm anschließen kann. Darüber hinaus kann das mitgelieferte Ladekabel im Handumdrehen als Wi-Fi-Router eingesetzt werden, beziehungsweise über den USB-Anschluss als Aufladegerät für mobile Geräte wie Smartphone und MP3-Player dienen. Die Akkulaufzeit des VAIO Pro 11 und Pro 13 lässt sich außerdem über den als optionales Zubehör erhältlichen Zusatzakku enorm steigern“.

Einheitliches Docking vom Ultrabook bis zur Workstation

Mit dem zunehmenden Einsatz von Tablets und Ultrabooks in Unternehmen werden Dockingstations sogar wichtiger als je zuvor, meint Ulrich Jäger von Toshiba: „Denn gerade User von kleinen Thin & Light-Geräten möchten im stationären Einsatz auf den externen Monitor, Maus, Drucker, Netzwerkanschluss etc. nicht verzichten und ihr Gerät mit einem Handgriff mit der gesamten Peripherie verbinden. Die flexiblen Arbeitsmodelle, das Home Office, der Wegfall eigener Schreibtische im Unternehmen et cetera bedingen auch eine Flexibilität der Hardware. Für Unternehmen ist es wichtig, dass sie den Mitarbeitern vom Ultrabook bis zur Workstation einheitliche Dockingstations zur Verfügung stellen können“.