Toshibas TG01 fordert das iPhone heraus

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Schaffen die Japaner mit einem üppig ausgestatteten Business-Smartphone den Durchbruch? Ein Praxistest.

Das nur 9,9 Millimeter dünne Toshiba TG01 sorgte bereits bei seiner Vorstellung im Frühjahr für erhebliches Aufsehen. Grund dafür ist neben dem riesigen 4,1-Zoll-Touchscreen mit Wide-VGA-Auflösung (800 mal 480 Pixel) vor allem der erstmals verbaute Snapdragon-Chipsatz von Qualcomm. Mit einer Taktfrequenz von einem Megahertz verspricht die CPU, selbst dem als chronisch lahm gescholtenen Betriebssystem Windows Mobile ordentlich Beine zu machen. HSPDA (bis 7,2 Mbit/s) und HSUPA (bis 2 Mbit/s) ermöglichen den schnellen Down- und Upload von Daten.

Mit seinem großen brillanten Display und dem Verzicht auf eine externe Tastatur wirkt das Gerät wie ein iPhone im XL-Format. Anders als Apple verzichtete Toshiba beim TG01 gleich ganz auf Knöpfe auf der Vorderseite. Unter dem – leider stark spiegelnden – Plastik-Display sind lediglich zwei drucksensitive Sensortasten für den Homescreen und Zurückfunktion untergebracht. Dazwischen liegt noch eine Scrollbar zum Zoomen, das war`s.

Schlecht verstecktes Windows Mobile

Ähnlich wie HTC hat auch Toshiba eine eigene GUI entwickelt, um die Schwächen von Windows Mobile in der Benutzerführung zu kaschieren. Das "Toshiba Touch GUI" besteht aus vertikalen Streifen, durch die der Nutzer direkt auf Funktionen und Anwendungen zugreifen kann. Allerdings betrifft die Umstellung nur die oberste Menüebene, so dass man den fehlenden Stylus in der Praxis schnell vermisst. Auch die Ansteuerung bestimmter Funktionen über den integrierten Lagesensor ist nicht problemlos möglich. So war teilweise ein sehr energisches Schütteln nötig, um – wie vorgesehen – die Telefoniefunktion aufzurufen. Auch das zweimalige Klopfen auf die Rückseite erforderte eine gewisse Beharrlichkeit, wenn nicht Brutalität, um die gewünschte Reaktion, das Öffnen des Taskmanagers, zu erreichen. Immerhin wird das dort mögliche Schließen von Hintergrundanwendungen nur selten benötigt, da die CPU kaum belastet wird. Wenn das Gerät dennoch hin und wieder ins Stocken kommt, liegt es an dem mit 256 MB vergleichsweise mickrigen Arbeitsspeicher. Stark unterdimensioniert ist außerdem der Akku. Mit nur 1000 Milliamperestunden Kapazität übersteht das Smartphone bei intensiver Nutzung keinen Arbeitstag.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die virtuelle Qwertz-Tastatur. Zwar sorgen ausreichend große und mit akustischem sowie sensorischem Feedback ausgestattete Tasten für eine überraschend hohe Trefferquote. Da das Keyboard im Landscape-Modus aber mehr als die Hälfte des Bildschirms verdeckt, ist der Nutzer oft "im Blindflug" unterwegs.

Fazit

Obwohl ihm auf dem Papier jede Menge Rechenleistung und Geschwindigkeit zur Verfügung stehen, schafft es das Smartphone nicht immer, diese auch zu nutzen. Das TG01 macht dadurch leider einen unausgereiften Eindruck. Da es sich bei dem von uns getesteten Gerät um ein Vorserienmodell handelt, besteht jedoch die Hoffnung, dass die Störungen und Fehlermeldungen mit dem Launch der endgültigen Version ausbleiben. (mb)

TG01

Vorteile:

(+) Großes Display;

(+) schneller Prozessor;

(+) üppige Hardwareausstattung.

Nachteile:

(-) Schwacher Akku;

(-) wenig Arbeitsspeicher;

(-) unausgereifte Benutzerführung und Software.