T-Mobile USA soll an AT&T gehen

Telekom gibt in den USA auf

21.03.2011
Die Deutsche Telekom zieht die Reißleine und beendet das lange als Hoffnungsträger bezeichnete Engagement als Mobilfunkbetreiber in den USA.
Ladengeschäft von T-Mobile USA im New Yorker Vorort Hoboken
Ladengeschäft von T-Mobile USA im New Yorker Vorort Hoboken
Foto: Thomas Cloer

Einst Ertragsgarant geriet die Sparte gegen die Konkurrenz ins Hintertreffen und geht nun für rund 28 Milliarden Euro (zirka 39 Milliarden Dollar) an den US-Telekomkonzern AT&T. Die Amerikaner zahlen 18 Milliarden Euro davon in bar, wie beide Unternehmen am Sonntag in Bonn und Dallas mitteilten. Die Telekom steckt davon 13 Milliarden Euro in den Abbau von Schulden. Mit weiteren fünf Milliarden Euro will sie eigene Aktien zurückkaufen.

Den Rest begleicht AT&T in eigenen Aktien. Die Telekom bekommt bis zu acht Prozent des US-Branchenführers sowie einen Sitz im Verwaltungsrat. Der Verkauf, der T-Mobile USA mit dem siebenfachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA) und Sonderposten bewertet, müssen noch die amerikanischen Wettbewerbshüter zustimmen - was nach Einschätzung des "Wall Street Journal" noch keineswegs sicher ist. Der Verkauf soll bis Jahresmitte über die Bühne gehen. AT&T kann den Baranteil erhöhen und dafür weniger eigene Aktien hergeben. Die Deutschen werden jedoch mindestens fünf Prozent der Anteile erhalten.

Obermann: Beste Lösung für alle

„"Wir haben die beste Lösung für unser Unternehmen, unsere Kunden und unsere Aktionäre gefunden"“, sagte Telekom-Chef Rene Obermann. „"Unsere Position in Europa wird gestärkt, gleichzeitig werden wir weiter am stark wachsenden Geschäft mit dem mobilen Internet in den USA teilhaben."“ Auch für AT&T soll sich der Deal lohnen. Drei Jahre nach dem Kauf wollen die Amerikaner Einsparungen von drei Milliarden Dollar einfahren. Mit der Übernahme erhält AT&T nach eigenen Angaben eine Verstärkung des Mobilfunknetzes, dessen Bau sonst fünf Jahre gedauert hätte.

Die Telekom hatte zuletzt ihren US-Mobilfunker auf den Prüfstand gestellt. Die Nummer vier im amerikanischen Mobilfunk-Markt verlor Kunden und fiel hinter die Konkurrenz zurück. Viele Nutzer beschwerten sich über unzureichende Netzabdeckung und wanderten zu den größeren Anbietern ab. Die Telekom hatte sich zuletzt alle Möglichkeiten für die Tochter mit rund 34 Millionen Kunden offengelassen: Eine Partnerschaft, einen Börsengang, einen teilweisen oder kompletten Verkauf der Tochter oder einer Netzkooperation.

Telekom stieg 2001 ins US-Geschäft ein

Seit drei Jahren kochten immer wieder Spekulationen über eine Verbindung zwischen T-Mobile USA und der Nummer drei Sprint Nextel hoch. Vor einem Monat hatte Obermann bei der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Telekom gesagt, er wolle lieber eine Minderheitsbeteiligung an der Nummer eins als 100 Prozent an Nummer drei oder vier.“ Das hat er jetzt wahrgemacht.

Wie das Schwesterunternehmen Deutsche Post hatte sich die Telekom nach der Privatisierung auf die Suche nach einem zukunftsträchtigen zweiten Standbein neben dem schrumpfenden Monopolgeschäft gemacht. Sie stieg in den USA ein - wenn auch nicht so groß, wie von vielen gehofft. 2001 hatte die Telekom die Mobilfunkbetreiber Voicestream und Powertel, nicht die größere Sprint, gekauft und sie später in T-Mobile USA umbenannt. Der Kaufpreis wurde damals auf rund 28 Milliarden Dollar taxiert, ist aber wegen schwankender Aktienpreise nicht vergleichbar. Zudem steckte die Telekom in der Zwischenzeit viel Geld in das Netz.

US-Sparte war nur anfänglich eine Ertragsperle

Der Einstieg zahlte sich vorerst aus. T-Mobile USA war über mehrere Jahre eine Ertragsperle der Bonner. Doch vor einigen Jahren dreht sich der Wind. Kunden begannen sich über die lückenhafte Netzabdeckung und das Fehlen des heiß begehrten iPhones von Apple in der Handypalette zu beklagen und wechselten in Scharen zu den beiden Platzhirschen AT&T und Verizon Wireless. Bis Januar dieses Jahres hatte AT&T das US-Monopol auf das iPhone, seitdem verkauft es auch Verizon Wireless, T-Mobile USA blieb außen vor. Das machte das Geschäft noch schwieriger. Die Kunden liefen davon.

Die Deutschen zeigten sich zuversichtlich, die Kehrtwende zu schaffen und schickten mit Philipp Humm einen ihrer besten Krisenmanager in die USA. In den ersten Wochen griff die Herausforderer-Strategie nicht. Obermann zeigte sich unzufrieden und kündigte an, er werde die Lage ändern. Das hat er nun getan. Mit dem klaren Schnitt verhindert er einen kostspieligen und von vielen als aussichtslosen bezeichneten Kampf. Er entschied sich für ein schnelles Ende - und ließ ihn sich noch mit viel Geld versüßen. (dpa/tc)

Newsletter 'Mobile & Apps' bestellen!