Zukunft der Arbeit

Team schlägt Hierarchie

11.02.2013 | von 
Alexander Freimark
Alexander Freimark ist freier Journalist in Bad Aibling.
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Agile Methoden haben gezeigt, dass Spitzenleistungen auch ohne den klassischen Vorgesetzten möglich sind. Unter dem Einfluss sowie der zunehmenden Vernetzung und Selbständigkeit von hochqualifizierten Mitarbeitern wird sich die traditionelle Arbeitsorganisation verändern.

Wie werden wir künftig arbeiten - immer noch vorwiegend tayloristisch mit Arbeitsteilung und einer Top-down-Führung? Oder ist tatsächlich die Mannschaft der Star? Unter diesem Motto hat es Berti Vogts bei der Fußball-EM 1996 immerhin geschafft, den bis heute letzten Titel der deutschen Fußballnationalmannschaft einzufahren. Fest steht: Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch, und alte Strukturen stehen zur Disposition. Gerade die IT-Branche mit ihren komplexen Aufgaben ist ein Vorreiter, wenn es darum geht, traditionelle Methoden und Führungsstile zu hinterfragen.

Der agile Erfolg

Jutta Eckstein, Agile-Expertin: "Transparenz und Vertrauen lösen Herrschaftswissen ab."
Jutta Eckstein, Agile-Expertin: "Transparenz und Vertrauen lösen Herrschaftswissen ab."
Foto: Jutta Eckstein

Ein Beispiel für die sanfte Veränderung ist der Siegeszug der agilen Methoden: "Hier passiert seit Jahren unheimlich viel", sagt Jutta Eckstein, die als Projekt-Managerin, Coach und Beraterin arbeitet. Ein Grund für den Erfolg ist neben dem Spaß an der Arbeit auch die Erkenntnis, dass eine starre Organisation das Scheitern vieler IT-Projekte nicht verhindern konnte, so die Expertin: "Von den drei Projektdimensionen Zeit, Budget und Nutzen läuft fast immer eine aus dem Ruder." Dabei können Projekte durchaus erfolgreich sein, selbst wenn sie Budget oder Zeitplan sprengen. "Dumm ist nur", sagt Eckstein, "wenn man das Falsche entwickelt". Da sich in der IT die Anforderungen während eines Projekts stetig verändern, stößt der klassische Ansatz an Grenzen. Dies gilt zunehmend für alle Bereiche der Arbeitswelt, in denen die traditionellen Aufgaben durch einen Projektansatz abgelöst wurden.

Eckart Hanser, Informatikprofessor: "Der Projektleiter wird zum Diener des Projekts, der Hindernisse beiseite räumt."
Eckart Hanser, Informatikprofessor: "Der Projektleiter wird zum Diener des Projekts, der Hindernisse beiseite räumt."
Foto: DHBW

"Das Problem der Ziele, die sich im Projektverlauf ändern, bekommen Sie nicht mit einer vollumfänglichen Spezifikation in den Griff", sagt Eckhart Hanser, Professor und Studiengangsleiter für Angewandte Informatik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Lörrach. Die Projektleitung müsse auf Marktanforderungen und geänderte Rahmenbedingungen immer wieder mit neuen Prioritäten reagieren. "Den inzwischen fehlinvestierten Aufwand für Entwicklung und Dokumentation können Sie abschreiben", so Hanser, der zudem Sprecher der Fachgruppe für Vorgehensmodelle in der Gesellschaft für Informatik (GI) ist. Die Zügel anzuziehen sei nicht der richtige Weg: "Beim V-Modell mit über 100 Dokumententypen gibt es nicht mehr viele Freiheiten, die man einschränken kann."

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