Stellenmärkte wandern weiter ins Netz ab

04.03.2004
Ob Jobangebote, Bewerbungsschreiben oder Informationen über den zukünftigen Arbeitgeber - immer mehr Zwischenschritte zur neuen Stelle lassen sich elektronisch gehen. Allerdings scheuen sich Personalverantwortliche, auch das Vorstellungsgepräch durch ein Online-Assessment-Center zu ersetzen.

Der Trend scheint unaufhaltbar: Die Stellenmärkte wandern ins Netz, Unternehmen schreiben ihre Stellenangebote über die eigene Website oder eine der rund 735 Jobbörsen aus, Bewerber reichen ihre Unterlagen elektronisch ein. Was vor einigen Jahren noch bescheiden begann, gehört heute für Großkonzerne zum Standard. Doch der Weg zum einheitlichen Procedere im E-Recruiting bleibt für viele Unternehmen steinig.

Personalverantwortliche der Deutschen Bahn AG und von Siemens sprachen auf einer Veranstaltung von Jobpilot über ihre Erfahrungen. "Der schwierigste Abstimmungsprozess betraf die rund 60 Briefvorlagen, die es im Unternehmen gab", erzählt Susanne Friedrich, Leiterin Personal-Marketing der Deutschen Bahn. Gerade unterschiedliche Herangehensweisen bei der Stellenausschreibung können ein Projekt wie das elektronische Recruitment verzögern. Doch Friedrich und ihr Team hielten den engen Zeitplan ein, die erste Online-Stellenbörse der Deutschen Bahn AG ging im letzten Jahr online (siehe www.computerwoche.de/go/80114362).

Siemens propagiert Abschied vom Papier

Hans-Christoph Kürn, Personal-Manager bei der Siemens AG, hat schon länger Erfahrung mit elektronischen Jobbörsen. Der Konzern wagte sich schon vor rund sieben Jahren mit einer ersten internen Stellenbörse ins Netz. Inzwischen ging die vierte Anwendung online, und das Unternehmen investierte in ein neues System. "Wir wollen uns vom Papier verabschieden", erklärt Kürn das Interesse an einem durchgängig elektronischen Workflow im Bewerber-Management. Künftig möchte das Unternehmen Initiativbewerbungen nur noch elektronisch akzeptieren.

E-Mail-Bewerbungen mit Attachments verursachen vielen Personalern inzwischen äußerstes Unbehagen. Deshalb bevorzugen viele einen standardisierten Bewerbungsbogen auf der Website, den sie als Filter nutzen. "Bewerber sollten sich die Zeit nehmen und alles gewissenhaft ausfüllen", so die Forderung. Dann ließen sich das Anforderungsprofil und die Qualifikationen gleich elektronisch vergleichen. Trotzdem bleiben einige Personalverantwortliche skeptisch. "Jede Bewerbung geht über meinen Tisch", warf ein Personalchef ein, der nichts von den neuen Matching-Methoden wissen wollte.

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