Schnell, schneller, Startup

"Startups müssen Ideen direkt umsetzen"

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Learning by Doing, Kunden-Feedback und andere Herausforderungen: Markus Steinhauser von der Crowdsourcing-Plattform Testbirds über erfolgreiche Startups.

Testbirds ist eine Crowdsourcing-Plattform, auf der Entwickler ihre Apps und Websites schnell, unkompliziert und realitätsnah von Endkunden und Experten testen lassen können. Projekt-Manager analysieren die Testergebnisse und geben dem Kunden Handlungsempfehlungen. Für diesen Ansatz wurde Testbirds 2012 unter anderem beim "Gründerwettbewerb - IKT Innovativ" des Bundeswirtschaftsministeriums ausgezeichnet. Das Münchner Startup ist seitdem von drei auf 30 Mitarbeiter gewachsen. Markus Steinhauser gehört zum Gründer-Trio und ist verantwortlich für die Unternehmenskommunikation.

Markus Steinhauser, Testbirds: "Gründer müssen selbst aktiv werden und gerade bei der Suche nach Investoren viel Überzeugungsarbeit leisten."
Markus Steinhauser, Testbirds: "Gründer müssen selbst aktiv werden und gerade bei der Suche nach Investoren viel Überzeugungsarbeit leisten."
Foto: Privat

CW: Was ist das Besondere an einer Gründung im IKT-Bereich?

STEINHAUSER: In unserer Branche ist es enorm wichtig, so schnell wie möglich zu starten. Wenn man einen Prototypen entwickelt, ist das natürlich anders, aber im Bereich Online, Web und Apps sammelt man unbezahlbares Know-how durch die Umsetzung von Projekten. Es ist wichtig, Feedback einzuholen und die eigene Idee früh von potenziellen Nutzern oder Kunden beurteilen zu lassen. So findet man heraus, ob das Geschäftsmodell wirklich Potenzial hat oder an welchen Stellen es vielleicht noch hakt.

CW: Welche Hürden gab es bei Ihrer Unternehmensgründung?

STEINHAUSER: Ich würde es nicht unbedingt Hürde nennen, aber es war eine große Herausforderung, Crowdtesting als neue und bislang weitestgehend unbekannte Methode unter die Leute zu bringen. Wichtig war auch, flexibel zu bleiben und damit schnell auf Veränderungen im Markt zu reagieren. Wir haben unsere Plattform sechs Monate vor dem geplanten Launch gestartet, obwohl wir die Entwicklung noch nicht abgeschlossen hatten. Der erste Kunde wollte mit uns zusammenarbeiten, und diese Chance konnten wir uns nicht entgehen lassen. In der Wachstumsphase warten dann neue Aufgaben: Wir suchen Personal, müssen die internen Strukturen anpassen und Prozesse überarbeiten. Das ist nicht immer einfach.

CW: Ist Deutschland ein gutes Pflaster für Startups?

STEINHAUSER: Grundsätzlich würde ich die Gründerstimmung in Deutschland als positiv bewerten. Mit dem "Gründerwettbewerb - IKT Innovativ" oder den Existenzgründungsstipendien wird von staatlicher Seite viel getan, um Unternehmen den Start zu erleichtern und sie finanziell zu unterstützen. Dennoch müssen Gründer selbst aktiv werden und gerade bei der Suche nach Investoren viel Überzeugungsarbeit leisten. Das ist wiederum mit großem Aufwand verbunden.

CW: Haben Sie Wünsche, wie Politik und Wirtschaft Gründungen fördern könnten?

STEINHAUSER: Startups leisten einen großen Beitrag für den technischen Fortschritt in unserer Gesellschaft. Gerade im Hightech-Bereich stammen zahlreiche wegweisende Innovationen von Gründern, die mit viel Mut an ihre Idee geglaubt haben. Bürokratische Hürden und Regularien sind nicht förderlich für die Existenzgründung. Ausnahmeregelungen für Startups - etwa bei der Einstellung von ausländischen Fachkräften oder beim Mindestlohn für Praktikanten - wären aus meiner Sicht auf jeden Fall hilfreich.