SOA - für deutsche Anwender ein Papiertiger

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Während die Hersteller Milliarden in SOA-Angebote investieren, halten sich deutsche Unternehmen mit Projekten vornehm zurück. Diesen Eindruck vermittelte die von der COMPUTERWOCHE veranstaltete Fachkonferenz "SOA-Initiative 2007".

"SOA gilt als Synonym fürs Moderne, aber auch Unbeherrschbare", erklärte Rüdiger Spies von der Experton Group zum Auftakt der Veranstaltung in Frankfurt am Main. Angesichts der immensen Marketing-Anstrengungen der Hersteller seien viele Vorstände verunsichert; das immer noch stark technisch geprägte SOA-Vokabular wirke eher beängstigend und erwecke nicht selten den Eindruck, dass damit alles nur noch komplizierter werde.

In seiner Eröffnungsrede machte Spies deutlich, wie weit die Visionen der IT-Anbieter noch von der Wirklichkeit entfernt sind. Er verwies unter anderem auf eine Umfrage der Experton Group unter deutschen Unternehmen, derzufolge echte SOA-Projekte noch die Ausnahme sind. Lediglich fünf Prozent der Befragten arbeiteten mit einer SOA, zwei Prozent haben ein Pilotprojekt aufgesetzt. Etlichen IT- oder Business-Verantwortlichen fehle schlicht das nötige Fachwissen, lautete ein weiteres Ergebnis. Dieser Eindruck bestätigte sich in einer stichprobenartigen Befragung unter den Konferenzteilnehmern. Kaum einer berichtete von laufenden SOA-Initiativen; stattdessen gaben etliche Besucher an, sich erst einmal grundsätzlich über das Thema informieren zu wollen.

Die größten Hürden auf dem Weg zur SOA sehen Unternehmen unter anderem im hohen organisatorischen Aufwand zwischen IT- und Fachabteilungen. Auch fehle es an allgemein akzeptierten Einführungs- und Umsetzungsmethoden. Vor allem die Aktiven unter den SOA-Interessierten vermissen Werkzeuge zur Bestimmung des Return on Investment (RoI). Glaube man den Versprechen der Hersteller, stelle der RoI "kein Problem" dar, monierte Spies, der auch Mitglied im SOA-Expertenrat der COMPUTERWOCHE ist. In der Praxis seien verlässliche Zahlen "extrem schwer" zu ermitteln und von vielen Parametern abhängig. Einschlägige RoI-Messungen sind nach seiner Einschätzung nur selten vergleichbar. Vor den diversen SOA-Definitionen der Hersteller jedenfalls sei zu warnen. Ein unabhängiges Reifegradmodell habe sich bislang nicht etabliert.