Siemens bindet SBS noch enger an sich

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Der Konzern positioniert die Tochter künftig als IT-Dienstleister für seine Industriekunden.

Nachdem der Siemens-Vorstand die Baustelle im Geschäftsbereich Communications durch das geplante Joint Venture mit Nokia zumindest vorläufig geschlossen hat, widmet sich das Topmanagement nun vollständig den Siemens Business Services (SBS) und stellt das Sorgenkind zunächst einmal neu auf:

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  • welche Änderungen SBS in der Kundenbetreuung plant;

  • welche Branchen SBS künftig ansprechen wird;

  • warum Marktbeobachter die Vorhaben kritisieren.

Kern der künftigen Organisation ist eine Zentralisierung aller Funktionen und eine enge Ausrichtung an der Geschäftsstrategie des Mutterkonzerns: Das bislang getrennt betriebene Outsourcing- und Projektgeschäft soll demnach in eine weltweite Liefer- (Global Operations), Verkaufs- (Global Sales) und Produktplanungsorganisation (Global Portfolio) zusammengeführt werden (siehe Kasten "Drei SBS-Bereiche").

Zudem will SBS den Vertrieb auf Unternehmen aus den Segmenten Automotive, Energie, Chemie, Telekommunikation und öffentliche Hand beschränken und dabei eng mit Managern aus den Siemens-Bereichen kooperieren, um den Industriekunden Angebote für die Integration ihrer Produktions- und Office-IT zu unterbreiten. In der Liste der Branchenschwerpunkte fehlt der für Siemens besonders wichtige Medizinbereich. Diese Branche, so SBS, wolle man erst im zweiten Schritt ansprechen. Beendet wird zudem das Engagement in dem bislang bedeutenden Bankensegment. "Das ist auch richtig so", kommentierte Christophe Chalons, Geschäftsführer von Pierre Audoin Consultants (PAC) Deutschland. Insbesondere seit SBS die Standardlösungen für Banken "Kordoba" verkauft habe, sei das Geschäft für SBS nicht mehr strategisch. Bestandskunden würde selbstverständlich weiterbetreut, beruhigte ein SBS-Sprecher.

Rätsel gibt den Beobachtern jedoch die neue Organisationsform auf. "Die Zusammenführung von Outsourcing- und Projektgeschäft in einer Global-Delivery-Organisation ist ungewöhnlich", wundert sich Kathrina Grimme, Director und Analyst bei Ovum Deutschland. "Das gibt es bei keinem Wettbewerber in dieser Form, denn beide Geschäfte sind organisatorisch sehr unterschiedlich." Auslagerungs-Deals sind zumeist große und langfristig angelegte Aufgaben, in denen die Betreiber Ressourcen effizient gestalten und bündeln müssen, um Skaleneffekte zu erzielen.

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