Entwickler erhalten Geräte-Prototypen

RIM versucht sein Comeback mit Blackberry 10

Manfred Bremmer
Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
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Der angeschlagene Smartphone-Hersteller Research in Motion (RIM) hat auf der Hausmesse “Blackberry World” in Orlando, Florida, eine Vorabversion seines neuen mobilen Betriebssystems vorgeführt.
Das Cascades Framework demonstriert die Navigation in künftigen Blackberry-10-Apps
Das Cascades Framework demonstriert die Navigation in künftigen Blackberry-10-Apps
Foto: Research in Motion

Wie die Demo zeigte, ist Blackberry 10 in wesentlichen Teilen, etwa dem QNX-Kernel und dem von The Astonishing Tribe (TAT) kreierten User Interface und Design (Cascades), eng mit dem Tablet-Betriebssystem Playbook-OS verwandt. So gibt es keine physikalischen oder virtuellen Knöpfe, Ausgangspunkt für die Bedienung über Gesten ist der Rand. So kann man etwa mit einer Wischbewegung von unten nach oben zum Startbildschirm zurückkehren oder durch Wischen zwischen den Anwendungen wechseln - diese laufen im Hintergrund weiter. Der Startbildschirm selbst zeigte bei der Demo drei große Flächen oder Karten an, die Apps darstellten.

Während der Demo wurde auch eine Anwendung für das virtuelle Keyboard vorgeführt. Dieses - verdächtig an Swiftkey erinnernde Programm lieferte bereits während der Eingabe Wortvorschläge. Auf diese Weise, so der seit drei Monaten amtierende RIM-CEO Thorsten Heins, drehe sich selbst auf einem reinen Touchscreen bei Blackberry alles ums Schreiben und das Erledigen von Aufgaben. Nichtsdestotrotz werde es auch künftig Geräte mit einer physikalischen Tastatur geben.
RIM zeigte auch eine Kamera-App, die bereits vor und nach der Betätigung des Auslösers Bilder aufzeichnet. Der Fotograf kann anschließend aus mehreren Fotos das beste Bild auswählen und etwa bei Personenaufnahmen blinzelnde Augen vermeiden.

Heins betonte in seiner Keynote, dass sein Unternehmen mit dem Smartphone-Betriebssystem einen Paradigmenwechsel vornimmt: Das System richte sich nach dem Anwender und stelle ihm Informationen in Echtzeit bereit.

Mit der überarbeiteten Mobile-Plattform hoffen die Kanadier, im Smartphone-Markt wieder Boden gutzumachen, nachdem ihre mit Blackberry OS ausgestatteten Geräte stark gegenüber Android-Devices und nicht zuletzt dem iPhone ins Hintertreffen geraten waren. Allerdings wird es noch eine unbestimmte Zeit dauern, vermutlich bis Ende des Jahres, bis die ersten Blackberry-10-Geräte auf den Markt kommen.

Kein iPhone, aber auch kein "richtiger" Blackberry: Der Prototyp Blackberry 10 DevAlpha
Kein iPhone, aber auch kein "richtiger" Blackberry: Der Prototyp Blackberry 10 DevAlpha
Foto: Research in Motion

Um die Entwickler-Gemeinde auf den kommerziellen Start vorzubereiten, stellte RIM nicht nur kostenlose Entwicklungswerkzeuge für native und HTML-5-Apps bereit. Alle Teilnehmer der zeitgleich stattfindenen Entwicklerkonferenz BlackBerry 10 Jam Conference erhalten außerdem einen Blackberry Dev Alpha genannten Prototypen. Das Gerät, das allerdings in dieser Form nicht auf den Markt kommen soll, besitzt einen 4,2 Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung von 1.280 mal 720 Pixel, verfügt über 1 GB RAM und 16 GB Speicher. Als reines Entwicklungswerkzeug ist es jedoch unter anderem nicht mit einem Mobilfunkmodul ausgestattet.