Arbeitslos trotz Weiterbildung

Praxis zählt mehr als SAP-Zertifikat

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
SAP-Zertifikate sind wichtig, aber kein Garant für einen neuen Job. Das zeigt die aktuelle Diskussion im CW-Karriereratgeber.

Ein studierter Betriebswirt mit 15 Jahren beruflicher Erfahrung im IT-Bereich hat sich nach plötzlicher Arbeitslosigkeit im 41. Lebensjahr vor etwa einem Jahr auf den Bereich SAP Technology (SAP Basis Administration) spezialisiert, dort aber trotz mehrerer SAP-Zertifizierungen beruflich nie wirklich Fuss fassen können. Nun wurde ihm der Besuch einer Weiterbildung zum SAP BI/BW Consultant angeboten.

Der angehende SAP-Mann möchte seine Attraktivität für den Arbeitsmarkt parallel zur BI-Weiterbildung durch weitere Qualifikationen verbessern. So hat er einen Fernkurs Controlling angefangen und wird bis Schulungsende auf jeden Fall noch die Prince2-Zertifizierung absolvieren. Er möchte nun wissen: "Angenommen, es stehen mehrere Bewerber mit identischer Kernkompetenz sowie ähnlicher Persönlichkeit (Soft Skills) zur Auswahl - was wäre in solch einem hypothetischen Fall eine entscheidungsrelevante Zusatzqualifikation?"

Unternehmen wollen keine bloße Theorie

Martin Schwalbe antwortet: "Erfahrungsgemäß bevorzugen Arbeitgeber immer die Praxiserfahrung vor Zertifikaten und Weiterbildungen, da diese immer nur theoretische, teils auch realitätsfremde Inhalte haben. Anders gesagt: Eine Zertifizierung ohne bisherige Anwendung der erworbenen Kenntnisse in der Praxis wird leider wenig geschätzt. Dies gilt auch bezüglich der Weiterbildung im BI-Bereich. Der große Vorteil, den ich trotzdem für Sie sehe, ist, dass Sie keine Lücke in Ihrem Lebenslauf haben. Gerade eine längere Arbeitslosigkeit ohne solche Zusatzmaßnahmen erweckt bei Arbeitgebern immer den Eindruck des ,Sich-Gemütlichmachens-in-der-Arbeitslosigkeit`.

Martin Schwalbe, DV-Ratio: "Wer keine Lücken im Lebenslauf hat, zeigt, dass er aktiv war."
Martin Schwalbe, DV-Ratio: "Wer keine Lücken im Lebenslauf hat, zeigt, dass er aktiv war."

Da jede Position andere Anforderungen an den Bewerber stellt, gibt es außer den Soft Skills keine Zusatzqualifikationen, die für jedermann bei einer Bewerbung hilfreich wären. Ich kann Ihnen nur raten, weiterhin Ihre Zeit so sinnvoll zu nutzen, wie Sie es offenbar tun, eventuell ein Sprach- oder Bewerbungstraining zu absolvieren und Ihren schriftlichen Lebenslauf von jemand Unabhängigem überprüfen zu lassen.

Haben Sie noch Fragen zur IT-Karriere? Im Karriere-Ratgeber gibts die Antworten.

Erfolgreich bewerben: Zehn Tipps