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Paul Maritz kehrt Microsoft den Rücken

14.09.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Vice-President Paul Maritz hat die Leitung der Platforms Strategy and Developer Group von Microsoft an den Nagel gehängt. In einer E-Mail an seine Kollegen erklärte der Unternehmensveteran, es falle ihm schwer, seine "Familie" bei dem Softwareriesen zu verlassen. Der 45-Jährige begründete seinen Schritt mit persönlichen Gründen. Ein Nachfolger für Maritz, der den Redmondern in beratender Funktion erhalten bleiben wird, wurde noch nicht benannt. Vice President Sanjay Parthasarathy soll künftig jedoch die Rolle des "Entwicklungsevangelisten" und das Business-Development übernehmen.

Obwohl Maritz seinen geplanten Austritt aus dem Unternehmen schon vor einiger Zeit angekündigt hatte, kam der Schritt etwas überraschend. Erst vor sechs Monaten war dem Microsoft-Veteran neben der Entwicklergruppe auch die Platforms-Einheit unterstellt worden (Computerwoche.de berichtete). In sein Aufgabengebiet fiel damit auch Microsofts neue ".NET"-Strategie.

Maritz, der 1986 zur Gates-Company kam, war maßgeblich an der Entwicklung von Windows und der Office-Suite verantwortlich. Auf sein Drängen hin hatte Microsoft das Gemeinschaftsprojekt mit IBM zur Entwicklung von "OS/2" fallen lassen. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte ein internes E-Mail von Maritz im Microsoft-Kartellverfahren. Darin hatte sich der Manager dafür ausgesprochen, einen Microsoft-Browser in Windows zu integrieren, um dem Konkurrenten Netscape "die Luft abzuschneiden".