Oracle propagiert "Alles-aus-einer-Hand-Strategie"

24.10.2006
Anlässlich der Kundenkonferenz "Open World" hat Oracle-President Charles Phillips die Vorzüge eines integrierten Software-Stacks hervorgehoben.

"Wir wollen systematisch Risiken und Kosten reduzieren sowie die Erfahrung der Kunden mit ihrer Software verbessern", versprach Phillips der versammelten Oracle-Klientel zur Eröffnung der diesjährigen Open World. Es gehe darum, den Bereich Enterprise Software zu überdenken und neu zu definieren. Dabei bezieht der Oracle-Stratege, der als treibende Kraft hinter den Akquisitionen der vergangenen Jahre gilt, neben den zahlreichen Applikationslinien auch die Datenbank und die Middleware-Produkte mit ein.

Oracle baut derzeit kontinuierlich die Funktionen seines Middleware-Stacks "Fusion" aus - durch eigene Entwicklungen und über Zukäufe. Parallel entwickelt der Hersteller eine gleichnamige neue Applikationslinie, in der die viel versprechendsten Komponenten der eigenen E-Business-Suite sowie der übernommenen Anwendungslinien von Peoplesoft, J.D. Edwards und Siebel zusammengefasst werden sollen. Erste Ergebnisse der Fusion-Applications-Linie wollen die Oracle-Verantwortlichen 2008 präsentieren.

Gleichzeitig sollen aber auch alle bestehenden Softwareprodukte im Rahmen der "Applications unlimited"-Ankündigung vom Frühjahr 2006 unbegrenzt weiter entwickelt, gepflegt und unterstützt werden. Bislang habe sich niemand in der Branche einer solchen Aufgabe gestellt, betonte Phillips. Es gebe keinen Test, was passiert, wenn ein Hersteller eine komplett neue Software entwickelt und zugleich alle bestehenden Produkte weiter unterstützt. "Aber das macht nichts - wie können es schaffen", bekräftigte der Oracle-Manager im Brustton der Überzeugung. Trotz des offen zur Schau getragenen Selbstbewusstseins sind längst nicht alle Zweifel ausgeräumt. Oracle müsse noch den Beweis antreten, ob diese Herausforderung zu meistern ist, meinte Fried Saacke, Vorsitzender der Deutschen Oracle Anwendergruppe in einem Gespräch mit der COMPUTERWOCHE (siehe auch: Oracle-Kunden warten noch ab).

Die Integrationsaufgaben dürften für Oracle allerdings nicht leichter werden. Phillips kündigte an, der Softwarekonzern werde an seiner Akquisitionsstrategie festhalten. Gerade wenn es darum ginge, technische Lücken zu schließen und das Branchen-Know-how auszubauen, würden weitere Zukäufe von Fall zu Fall geprüft. Probleme, die geschluckten Firmen zu verdauen, kennt Phillips nicht. Oracle habe mittlerweile Erfahrung darin. Zuletzt waren erneut Gerüchte aufgeflammt, der kalifornische Softwareriese verfolge Ambitionen im Linux-Umfeld (siehe auch: Gerüchte: Oracle bastelt an neuer Linux-Strategie). Anlässlich seiner Keynote ließ der Oracle-President diese Spekulationen jedoch unkommentiert.

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