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Open Text setzt auf Microsoft und SAP

09.12.2005
Hersteller sieht vor allem große Nachfrage bei Archivlösungen. Von Sascha Alexander
CEO Shackleton sieht die Umstrukturierung des Unternehmens geschafft.
CEO Shackleton sieht die Umstrukturierung des Unternehmens geschafft.

Open Text, Anbieter von Software für Archivierung und Content-Management, sieht sich für die kommende Zeit strategisch gut aufgestellt. Nach einem durchwachsenen Geschäftsjahr, das einen Umsatzsprung auf 414,8 Millionen Dollar brachte, unter dem Strich indes geringere Profite abwarf, sollen nun vor allem das Geschäft mit Archivlösungen sowie die engen Partnerschaften mit Microsoft und SAP Auftrieb geben. Zudem erklärte Chief Executive Officer und President John Shackleton jetzt in München, dass man notwenige Restrukturierungsmaßnahmen wie die Zusammenlegung von Standorten bis zum Ende des derzeit laufenden ersten Quartals abschließen werde.

Nähe zu Microsoft

Technisch richtet sich das Unternehmen stark an Microsoft aus und besitzt mittlerweile den Status eines "Gold certified Partner". Dabei zeichnet sich ab, dass Open Text am Desktop eine Konkurrenz mit den Redmondern tunlichst vermeiden will und sich stattdessen als Backend für Enterprise Content Management (ECM) empfiehlt. Damit stellt Outlook in solchen Umgebungen den Client, während Open Text den "Exchange"-Server durch Produkte zur E-Mail-Verwaltung, Monitoring und Management erweitert. Hinzu kommt eine enge Integration mit dem "Sharepoint Portal Server 2003", für den der Hersteller Software zur Archivierung und Records-Management vorhält. Das Unternehmen zeigte diesbezüglich vor kurzem Portalkomponenten auf der Basis von "Webparts", über die sich Content und Funktionen der ECM-Software "Livelink" im Sharepoint-Portal einbinden lassen. Ebenso kündigte Open Text die Unterstützung der kommenden Bürosuite "Office 12" sowie der Entwicklungsumgebung "Visual Studio 2005" an.

Da Microsoft bisher keine eigene ECM-Produktstrategie verfolgt und es schätzungsweise 60 Millionen Sharepoint-User gibt, sieht Open Text große Umsatzchancen für sich. Spekulationen, dass Microsoft den Partner aufgrund seiner Bedeutung letztlich schlucken könnte, wies das Management zurück. Gefragt, wie die Unterstützung für Lotus Notes/Domino aussehe, erklärte Peter Jelinski, Senior Vice President Product & Solutions Segments, dass man weiterhin Software zur E-Mail-Archivierung anbieten werde und technisch auch Domino als Quellsystem einbinden könne. Mehr sei nicht geplant: "Wir haben uns für Sharepoint entschieden und unsere Kunden sind an Notes/Domino nicht interessiert." (siehe auch "Lastenausgleich für Mail-Server")

Ixos bleibt Umsatztreiber

Durch Ixos verfügt Open Text zudem über SAP-Know-how und eine breite Kundenbasis. Da die Walldorfer nun langsam auch Ambitionen im Content-Management zeigen, will Open Text vor allem durch die Einbindung seiner Produkte in das "SAP Enterprise Portal" mit Hilfe der Iview-Technik sowie durch die Vermarktung seines ECM-Angebots als Erweiterung zur Netweaver-Plattform punkten. Welche Bedeutung Ixos hat, zeigt sich auch daran, dass laut CEO Shackleton Archivlösungen auch im nächsten Jahr als wichtigsten Umsatzbringer sieht. Unternehmen benötigten derzeit vor allem Lösungen zur Archivierung von E-Mails und Dokumenten, sagte der Manager. Allein Siemens hatte im letzten Geschäftsjahr 430 000 Lizenzen geordert, und auch Bayer will künftig weltweit seine elektronische Post systematisch aufbewahren. Zudem sei der Verkauf solcher Systeme eine gute Gelegenheit, weitere Produkte aus dem Portfolio zu platzieren.

Wenig Nachfrage bei Content-Management

Allerdings räumte Shackleton ein, dass die zugekauften Lösungen für Content-Management von Gauss und Obtree in den letzten achtzehn Monaten nur wenig eingebracht hätten. Peter Jelinski, Senior Vice President Product & Solutions, erwarte aber eine größere Nachfrage in den kommenden Monaten, wobei Kunden weniger auf Stand-alone-Lösungen für ein Web-Content-Management, sondern nach umfassenderen Angeboten suchten, die beispielsweise auch Aufgaben im Dokumenten-Management abdeckten. Angesichts eines durch Zukäufe aufgeblähten Portfolios, will Open Text seine Produkte außerdem stärker paketieren. Entsprechende Lösungen seinen laut Jelinski beispielsweise solche für das Case-Management oder für Industrien wie Pharma, Finanzdienstleister, öffentliche Verwaltung, Medien oder Telekommunikation. Zudem wolle man künftig nicht mehr alles ein über den direkten Vertrieb machen, sondern Partner wie beispielsweise die großen Systemintegratoren stärker beteiligen. Diese seien im Zusammenhang mit den wachsenden Compliance-Anforderungen in Unternehmen daran interessiert, entsprechende Software einzuführen.

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"Enterprise-Content-Management 2005: Groß gegen groß";

"Zehn Regeln für die Archivierung gemäß den Grundsätzen zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Daten (GDPDU)";

"Die Daten möglichst mobil halten"