Open-Source-Startups hoffen auf Geld

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Während sich in den USA Venture-Capital-Firmen darum reißen, in Geschäftsmodelle rund um Open Source zu investieren, halten sich die Kapitalgeber in Deutschland noch zurück. Das Interesse wächst jedoch.

Hier lesen Sie ...

  • warum Open-Source-Firmen in den USA wieder mehr Venture Capital bekommen;

  • wie das in Deutschland aussieht;

  • welche Open-Source-Unternehmen als abschreckende Pleiten gelten und welche als Erfolgsgeschichten.

Startups, deren Produkt- und Serviceangebote auf quelloffener Software basieren, sind in den USA derzeit die Lieblinge der Venture-Capital-Szene (VC). Allein im vergangenen Jahr bekamen dort 20 Open-Source-Firmen zusammen 149 Millionen Dollar Risikokapital, haben die Marktforscher von Venture One ermittelt. Der Anbieter von J2EE-Open-Source-Application-Servern Jboss erhielt beispielsweise Anfang 2004 insgesamt zehn Millionen Dollar von den Venture-Capital-Firmen Accel Partners und Matrix Partners.

Wegbereiter dieses Geldsegens sind erfolgreiche Linux-Pioniere wie beispielsweise Red Hat. Das Unternehmen verdient sein Geld mit Erweiterungen des offenen Betriebssystems und Services für Firmen, die seine Linux-Distribution nutzen. Die Software-Company ging 1999 an die Börse. 2004 machte sie 125 Millionen Dollar Umsatz, eine Steigerung von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Marktkapitalisierung liegt mittlerweile bei über zwei Milliarden Dollar.

Millionen Dollar verbrannt

Die wieder aufkeimende Bereitschaft der Kapitalgeber, in Open-Source-Startups zu investieren, bedeutet eine Wende nach dem spektakulären Scheitern derartiger Firmen in den Jahren um die Jahrtausendwende. Damals erhielt beispielsweise der erfolglose Anbieter Turbolinux insgesamt 95 Millionen Dollar Wagniskapital. Letztendlich musste aber der geplante Börsengang im März 2001 abgeblasen werden. Die Verantwortlichen zogen sich in den japanischen Heimatmarkt zurück, veräußerten die eigene Distribution und versanken schließlich in der Bedeutungslosigkeit. Die Beratungsfirma Linuxcare, deren Fusion mit Turbolinux scheiterte, verbrannte mindestens 80 Millionen Dollar VC-Kapital.