Open Source: Externe Hilfe ist gefragt

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Der zunehmenden Komplexität ihrer Projekte sind die Anwender allein nicht mehr gewachsen.

Der Bedarf an Dienstleistungen im Linux- und Open-Source-Umfeld steigt. Einer Studie des Beratungsunternehmens Techconsult zufolge setzten die Anbieter solcher Services im vergangenen Jahr in Deutschland rund 127 Millionen Euro um.

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  • warum der Bedarf an Open-Source-Services steigt;

  • wo für die Anbieter solcher Dienstleistungen das meiste Potential besteht;

  • welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen;

  • wohin sich der Markt für Open-Source-Dienste entwickeln wird.

Der Bedarf an Open-Source-Services wächst. Anwender benötigen vor allem Schulungen und Hilfe bei Installation, Konfiguration und Verwaltung von Betriebssystemen.
Der Bedarf an Open-Source-Services wächst. Anwender benötigen vor allem Schulungen und Hilfe bei Installation, Konfiguration und Verwaltung von Betriebssystemen.

Das sind 41 Prozent mehr als im Vorjahr. "2004 glaubten viele Anwenderfirmen noch, ihre Open-Source-Projekte mit eigenen Kräften stemmen zu können. Letztes Jahr wurde ihnen aber klar, dass sie ohne externe Hilfe nicht weiterkommen", begründet Denis Mrksa, Analyst beim Beratungsunternehmen Techconsult, diesen Trend.

"Wenn ein Kunde überhaupt keine Skills im Open-Source-Umfeld besitzt, raten wir vom Einsatz ab", meint auch Karsten Freihube, Geschäftsführer Professional Services beim IT-Dienstleister Computacenter. "In komplexeren Einsatzgebieten wäre der Aufwand, sich in die Community einzubringen, Experten auszubilden oder einzukaufen, sonst zu hoch."

Evaluierung ist abgeschlossen

Hintergrund dieser Warnungen ist die steigende Komplexität der Projekte: Während sich der Open-Source-Einsatz früher vorrangig auf Internet-Technik oder einfache Infrastrukturvorhaben wie den so genannten LAMP-Stack (Linux, Apache, MySQL und PHP/ Perl/Python) beschränkte, geht der Trend heute zu Open-Source-Produkten jenseits der Linux-Welt. "Zumindest in Großunternehmen und dem gehobenen Mittelstand dreht es sich nicht mehr nur um das Betriebssystem, den Middleware-Stack und eine oder mehrere Datenbanken, sondern um komplexe Projekte, in die zunehmend auch unternehmenskritische Anwendungen integriert werden", beobachtet Techconsult-Analyst Mrksa.

Das Informations-Management untergliedert sich klassisch in die drei Phasen Planung, Entwicklung und Produktion - vielfach auch als Plan, Build und Run bezeichnet. Laut Techconsult waren Open-Source-Dienstleistungen im vergangenen Jahr vor allem in der Build- (Installation und Konfiguration) sowie Run-Phase (Live-Schaltung der Systeme) gefragt. "Viele der zum Teil mehrere Jahre andauernden Testszenarien sind 2005 live gegangen, zahlreiche Evaluierungsphasen wurden abgeschlossen", berichtet Mrksa. In diesem Jahr investieren die Anwender vor allem in Ausbildungsmaßnahmen für die Linux-Anwendungsbetreuung, in die Installation und Konfiguration sowie in die Verwaltung der Open-Source-Betriebssysteme.