Kleines Tablet, große Leistung

Nexus 7 im Praxistest

Manfred Bremmer
Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
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Mit dem Nexus 7 hat Google ein 7-Zoll-Tablet auf den Markt gebracht, dem man den Kampfpreis von 200 Euro (8-GB-Version) kaum ansieht. Poweruser müssen allerdings bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Das in Zusammenarbeit von Google mit Asus entstandene Nexus 7 ist mehr als nur ein Referenzgerät für kleine Android-Tablets und die Betriebssystem-Version 4.1 (Jelly Bean). Anders als bei den Smartphones der Nexus-Reihe versucht der Internet-Riese über das Gerät außerdem, seinen neuen Geschäftsbereich mit Multimedia-Inhalten (Musik, E-Books, Videos) und natürlich Apps in Google Play zu stärken. Das Unternehmen geht damit auf direkten Konfrontationskurs zu Amazon und dessen Kindle-Tablets. Wir haben getestet, ob das Nexus 7 dem Vergleich gewachsen ist.

Den Amazon-Geräten preislich das Wasser zu reichen, ohne technisch große Abstriche zu machen, ist kein einfaches Unterfangen. So ist weitläufig bekannt, dass Amazon bei einem Verkaufspreis von 214 (16 GB) beziehungsweise 264 Euro (32 GB) für das Kindle Fire HD (in der werbefreien Version) kaum etwas verdient und daher versucht, mit den verkauften Inhalten auf seinen Schnitt zu kommen. Dennoch kommt das Nexus 7 seinen Konkurrenten mit einem Preis von 199 (8 GB Speicher) beziehungsweise 249 Euro (16 GB) ziemlich nahe - und bietet teilweise sogar eine höherwertige Ausstattung. Hervorzuheben ist dabei insbesondere der von Nvidia (Tegra 3) stammende Quad-Core-Prozessor mit 1,3 Gigahertz Taktung. Dieser ist – in Verbindung mit 1 Gigabyte Arbeitsspeicher – den Leistungsanforderungen in fast jeder Situation gewachsen und schluckt lediglich etwas, wenn sich die geöffneten Anwendungen in der Multitasking-Ansicht fast stapeln.

Aber auch andere technische Details sind nicht von schlechten Eltern: Das von Corning Gorilla-2-Glas geschützte IPS-Display löst mit 1280 mal 800 Bildpunkten auf (216 ppi) und sorgt für eine scharfe, fast nicht pixelige Darstellung. Auch der Akku ist mit einer Kapazität von 4325 mAh großzügig bemessen und hält problemlos einen Tag und mehr. Daneben unterstützt das Google-Tablet Near Field Communication (NFC), besitzt ein Mikrofon, einen Beschleunigungsmesser, ein Gyroskop, GPS sowie Magnetometer und funkt mit WLAN 802.11 b,g,n.

Die Opfer des Preisdiktats

Es gibt allerdings auch einige Elemente, die aus Kostengründen dem Rotstift zum Opfer fielen: Auf UMTS- oder gar LTE-Unterstützung wurde bei dem Gerät verzichtet, auch einen Slot zur Grafikausgabe an einem angeschlossenen Bildschirm – HDMI oder MHL – sucht man bei dem Multimedia-Tablet vergeblich. Ähnliches gilt für eine Rückkamera; das 1,2-Megapixel-Objektiv auf der Vorderseite eignet sich immerhin gut für Videotelefonate, wer damit aber Aufnahmen machen will, muss erst eine alternative Kameraanwendung aus Google Play installieren.

Noch dringlicher vermisst wird ein Schacht für microSD-Karten, zumal der Speicherplatz gerade bei der Basisversion äußerst knapp bemessen ist: Von den verbauten 8 GB Speicher werden bereits 2,5 GB von Betriebssystem und wenigen vorinstallierten Apps belegt. Damit ist kaum noch Platz für die Musiksammlung, geschweige denn für lokal gespeicherte Filme (aus Google Play). Immerhin – wenn auch wenig kommuniziert – ist das Nexus 7 USB-to-Go-fähig, man kann also über die App Nexus Media Importer (2,34 Euro) und einen speziellen USB-to-go-Adapter auch einen USB-Stick und andere USB-taugliche Speichermedien (FAT16, FAT32 oder NTFS) anschließen.

Anders als bei vielen Billig-Tablets sieht man dem Google-Gerät den relativ günstigen Preis nicht an. Es ist gut verarbeitet und wirkt mit seinem silberfarbigen Rahmen und dem schlichten Design sehr elegant. Physikalische Knöpfe beschränken sich auf den Ein/Ausschalter und die Lautsprecherwippe am rechten Rand. Links befindet sich Asus-typisch noch ein Anschluss für eventuelle Docking-Stationen, angeboten wird aktuell allerdings noch keine.

Die Vorderseite ist komplett plan, lediglich die oberhalb des Displays angebrachte Frontkamera hilft bei der Orientierung. Der gute Eindruck setzt sich auf der gummierten und leicht geriffelten Rückseite mit dem eingeprägten Nexus-Logo fort – hier befindet sich unten ein Streifen mit zwei Lautsprechern, darunter sind die Buchsen für den 3,5-Millimeter Klinkenstecker und microUSB untergebracht.
Bekritteln könnte man allerdings, dass das Tablet mit knapp elf Millimeter Dicke etwas üppig aufträgt. Dank 340 Gramm Gewicht lässt sich das Gerät aber immer noch bequem mit einer Hand halten. Apropos: Gehalten wird das Nexus 7 typischerweise im Portrait-Modus und nicht quer, wodurch die Nutzung insbesondere im Business eingeschränkt wird. So mag die längliche Form (19,8 mal 12 cm) für das Lesen von E-Books oder den Konsum von Videos ganz praktisch sein. Etliche Anwendungen lassen sich im Querformat allerdings nur mehr mit Mühe bedienen – vor allem, wenn man die virtuelle Tastatur benötigt. Auch beim Surfen erweist sich das Seitenverhältnis auf einigen Websites nicht als optimal, da diese bei vernünftiger Auflösung nicht die ganze Breite anzeigen.