München und Wien auf Linux-Kurs

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Mit ihren Plänen für die Migration auf Linux-Desktops finden die Stadtverwaltungen von München und Wien international Beachtung. Die Bayern haben dabei die schwerere Aufgabe zu lösen.

Hier lesen Sie ...

  • wie München und Wien auf Linux-Desktops migrieren wollen;

  • worin sich die IT-Strategien der Stadtverwaltungen unterscheiden;

  • warum das Münchner Projekt höhere Risiken birgt.

Erwin Gillich, Wiener IT-Chef:  "Ein Pflichtumstieg auf Linux ist nicht wirtschaftlich."
Erwin Gillich, Wiener IT-Chef:  "Ein Pflichtumstieg auf Linux ist nicht wirtschaftlich."

Home of Wiener Schnitzel falls to the penguin". So kommentierte der britische IT-Nachrichtendienst "The Inquirer" die Vorstellung der Wiener Linux-Variante Anfang Juli. "Wienux", eine an die Bedürfnisse der Stadtverwaltung angepasste Linux-Distribution, sorgte weit über die österreichischen Grenzen hinaus für Schlagzeilen. Parallelen zur spektakulären Open-Source-Entscheidung der Stadt München im Mai 2003 drängten sich auf: Im Rahmen ihres "Li- mux"-Projekts wollen die Bayern bis 2008 rund 14 000 PCs auf quelloffene Software umstellen. In der österreichischen Metropole geht es um 18 000 PCs, die allerdings nur zum Teil auf Linux migriert werden sollen.

Bei genauerer Betrachtung unterscheiden sich die Vorhaben gravierend: Fast alle PCs der Wiener Stadtverwaltung arbeiten mit Windows 2000 oder einer jüngeren Version des Microsoft-Betriebssystems. Nach einer Betriebszeit von fünf Jahren werde die Hardware regelmäßig ausgetauscht, berichtet IT-Chef Erwin Gillich. Weil Microsoft Windows 2000 offiziell bis zum Jahr 2010 unterstützt, habe man es mit dem Umstieg nicht eilig.

Anders in München. "Hier ist der Migrationsdruck da", konzediert Wilhelm Hoegner, Leiter des Amts für Informations-und Datenverarbeitung (Afid). Die meisten der 14 000 städtischen PCs laufen unter Windows NT 4.0, das noch nicht einmal USB-Schnittstellen unterstützt. Die Hardware gilt als hoffnungslos überaltert. Hoegner: "Wien befindet sich einer günstigeren Situation und kann sich Zeit lassen."