HP-Service-Chef Michael Eberhardt

"Mitarbeiter müssen sich bewegen"

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Das Servicegeschäft geht gut, wirft aber alte Strukturen über den Haufen, auf die sich Mitarbeiter einzustellen haben, wie HP-Services-Geschäftsführer Michael Eberhardt fordert.

CW: Sie sind ein erfahrener Experte im Service- und Outsourcing-Geschäft. Wie würden Sie die aktuelle Entwicklung beschreiben?

Michael Eberhardt, HP: "Generalisten und Spezialisten werden immer gefragt sein."
Michael Eberhardt, HP: "Generalisten und Spezialisten werden immer gefragt sein."

EBERHARDT: Der Trend zu großen, internationalen Abschlüssen setzt sich fort. Und um gut im Geschäft zu bleiben, muss man möglichst viel standardisieren, und man benötigt unbedingt große Volumina. Wir brauchen nicht über Off- oder Nearshoring für 3000 PCs zu reden, ganz anders sieht hingegen für den Service von 30.000 Geräten aus. Die Probleme tauchen auf, wenn Prozesse nicht klar definiert und standardisiert sind.

CW: Welche Konsequenzen hat das für die Qualifikation der Mitarbeiter?

EBERHARDT: Sagen wir es mal so: Generalisten und Spezialisten werden immer gefragt sein.

CW: Das bedeutet konkreter…

EBERHARDT: … dass etwa ein Global Account Manager mit einem breiten, fachlichen Know-how, ein Solution Architect oder auch ein SAP-Profi sehr gute Chancen haben. Das gleiche gilt für gute Vertriebler oder Oracle- und Sharepoint-Fachleute.

CW: Anders sieht es dann demnach für …

EBERHARDT: …hochautomatisierte Tätigkeiten aus. Beispiele sind Helpdesk oder Server-Monitoring. Aufgrund der hohen Standardisierung und des immensen Kostendrucks werden solche Aufgaben am ehesten ausgelagert.

CW: Wie soll dann das Profil der Mitarbeiter aussehen, die hier noch gute Vermittlungschancen haben?

EBERHARDT: Ganz wichtig ist uns zum einen das Prozess-Know-how und auch Itil-Wissen. Vom Fachlichen her erwarten wir eine Spezialisierung, zum Beispiel als Collaboration-, Server oder Datenbankprofi. Und schließlich spielt die Kundenorientierung eine wichtige Rolle. Im Vorteil ist zudem, wer keine Angst vor internationalen Herausforderungen hat.

CW: Wenn von Outsourcing-Deals die Rede ist, wird auch von Change-Management gesprochen, um auch die emotionalen Aspekte eines solchen Geschäftes zu berücksichtigen. Wie sieht die Rolle des Change-Managers aus?

EBERHARDT: Der emotionale Aspekt ist so ziemlich zu einem der wichtigsten Elemente geworden, damit ein Outsourcing-Projekt gelingt. Die Widerstände gegen eine Standardisierung und vor allem Zentralisierung, in der lokale Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihnen von außen etwas auferlegt wird, können sehr groß sein. Deshalb sind in so einer Situation erfahrene Change-Manager gefragt, Personen, mit mehrjähriger Berufserfahrung, gestandene Persönlichkeiten, die so ein Projekt über die erste - oft nicht ganz einfache Phase - professionell begleiten.

CW: Und wie sieht es für die restlichen IT-Mitarbeiter aus?

EBERHARDT: Um es kurz zu beantworten: Wir zeigen den Mitarbeitern die Möglichkeiten auf, die sich aufgrund der Veränderungen ergeben, bieten einen Strauß an Entwicklungsmöglichkeiten, erwarten aber auch, dass die Beschäftigten sich bewegen. Konkret formuliert: Wer 20 Jahre denselben Job gemacht hat, und dieser kann automatisiert werden, der wird erkennen, dass es damit so nicht weitergeht. Also heißt es, dass er sich für neue, andere Aufgaben qualifizieren muss. Unser Business bietet viele Chancen.