Zukunft der Arbeit

Mitarbeiter funktionieren künftig "on demand"

arbeitet im Product Management EMEA bei Dell in Frankfurt am Main
Moderne IT und Beschäftigte auf Abruf prägen die Arbeitswelt von morgen. Die Studie "Evolving Workforce" hat sieben Trends identifiziert, wie sich unser Berufsleben verändern wird.
Mitarbeiter "on demand": Sieht so die Zukunft der Arbeit aus? Und was bedeutet das für Unternehmen und Angestellte?
Mitarbeiter "on demand": Sieht so die Zukunft der Arbeit aus? Und was bedeutet das für Unternehmen und Angestellte?
Foto: Christoph Weihs-shutterstock

Schon einmal - vor rund drei Jahrzehnten - hat die IT die Berufswelt umgewälzt. Damals übernahm sie in großem Umfang manuelle Arbeitsprozesse, die sie erheblich schneller und effizienter erledigte. Seitdem sitzen die Menschen im Büro nicht mehr vor der Schreibmaschine oder dem Zeichenbrett, sondern vor dem PC-Bildschirm. Die IT war dabei aber immer auf stationäre Ressourcen angewiesen. Das hat das Internet mittlerweile grundlegend geändert. ERP-Anwendungen oder Datenbanken sind heute nicht mehr länger nur auf dem Firmengelände oder in der Niederlassung, die über eine spezielle Datenverbindung angeschlossenen ist, verfügbar, sondern überall, sei es im Zug, im Auto, im Hotel, während einer Präsentation beim Kunden oder im Home Office.

Damit wälzt die IT die Berufswelt derzeit ein zweites Mal um. Moderne Informations- und Kommunikationstechnik bescheren den Unternehmen eine bislang nicht gekannte Flexibilität - und lösen dadurch traditionelle Arbeitsstrukturen Schritt für Schritt auf. Aber wie wird die veränderte Arbeitswelt konkret aussehen? Dell und Intel haben sich in der umfassenden Studie "Evolving Workforce" mit der Entwicklung der Arbeitswelt in der Internet-Ära befasst. Ein Teil der Studie beschäftigt sich mit den technologischen, sozialen und politischen Faktoren dieser Entwicklung. Namhafte Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft haben daraus sieben Trends für die Entwicklung der Arbeitswelt abgeleitet.

Trend 1: Virtuelle Teams nivellieren Hierarchien

In der Arbeitswelt von morgen arbeiten die Menschen zusammen, ohne sich überhaupt zu kennen. Teams werden ad-hoc zusammengestellt und sind über moderne Kommunikationsmittel verbunden, so dass die Mitglieder ihre Beiträge sehr einfach in die Prozesse einbringen können. Dadurch wird aber auch eine Nivellierung stattfinden, denn diese Teams definieren sich vor allem funktionell und weniger durch Hierarchien. Die technische Grundlage dafür bieten pervasives und Cloud Computing.

Trend 2: Das Arbeitsergebnis wird wichtiger als die Arbeitszeit

Bisher war die Arbeitswelt vor allem über die Verteilung der Arbeitszeit organisiert. Da sich die Produktivität moderner Arbeitsprozesse, gerade unter den Bedingungen virtueller Teams, aber nur unzureichend über die Anzahl aufgewendeter Stunden erfassen lässt, werden zunehmend neue, Output-orientierte Messmethoden eingeführt. Ein allgemein akzeptierter Standard für die Ermittlung von Output in der "Knowledge Economy" muss sich aber erst noch entwickeln.

Trend 3: Der Einsatz mobiler Geräte nimmt zu

Wir werden eine Vielzahl unterschiedlicher Endgeräte und Betriebssysteme sehen, die auf die jeweiligen Einsatzbereiche abgestimmt sind. Cloud Computing bietet dafür eine Fülle von Möglichkeiten, weil die jeweiligen Endsysteme damit auf einen praktisch unbegrenzten Vorrat an Daten und Anwendungen zugreifen können. Kompatibilität und Interoperabilität sind dabei entscheidende Faktoren.

Trend 4: Generationenkonflikte drohen

Der Austausch von Know-how zwischen Generationen, also zwischen erfahrenen Mitarbeitern und jüngeren, so genannten Digital Natives, wird zunehmen. Die unterschiedlichen Werte und Arbeitsstile dieser Gruppen bergen das Risiko von Konflikten und Spannungen, bieten aber auch Chancen für gegenseitige Anregungen.

Trend 5: Werte werden wichtiger als Regeln

Die IT gibt Unternehmen die Möglichkeit, die Arbeit ihrer Mitarbeiter umfassend zu analysieren. Dies kann zu Misstrauen führen und dazu, die Arbeitsprozesse stärker zu reglementieren. Andererseits gehört das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu den wichtigsten Ressourcen; weitblickende Unternehmen werden daher eher auf ein "Werte-basierendes" als auf ein "Regel-basierendes" Modell setzen.

Trend 6: Die IT übernimmt neue Aufgaben

Mit der Konsumentenorientierung von IT entstehen neue Anforderungen von Seiten der Mitarbeiter. Sie sind mit IT sozialisiert und wollen ihren selbstbestimmten Lebensstil beibehalten, wozu eben auch der Einsatz von privaten IT-Systemen wie Notebooks oder Smartphones gehört. Die IT muss solche Entwicklungen aufgreifen und zum Beispiel in Rechnung stellen, dass sich Mitarbeiter ihren Arbeitgeber auch nach dessen IT-Ausstattung aussuchen. Die IT-Verantwortlichen sollten solche über herkömmliche IT-Themen hinausreichenden Aspekte in ihren Aufgabenkatalog aufnehmen.

Trend 7: Mitarbeiter initiieren Innovationen

Die Business-Software der Zukunft wird nicht mehr ausschließlich vom Management oder von der IT konzipiert und übernommen, sondern zunehmend von den Mitarbeitern entsprechend eigener Anforderungen. Gerade für die wachsende Zahl dezentraler Organisationen sind dabei Interoperabilität und Ease-of-Use entscheidend.

Dass diese Entwicklungen weitreichende Konsequenzen für alle Beteiligten haben, liegt auf der Hand. Eine davon ist die zunehmende Auflösung der festen Verbindung zwischen Arbeitsprozess und Arbeitsplatz. Gerade in Internet-affinen Unternehmen arbeiten die Beschäftigten häufig nicht mehr in festen Angestelltenverhältnissen, sondern flexibel und projektbezogen, gewissermaßen "on-demand".

Die "virtuellen Teammitglieder" könnten dadurch neue Freiräume in Anspruch nehmen und zumindest zum Teil ihre Lebensplanung unabhängiger von den Vorgaben der Unternehmen gestalten. Dass die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben auf diese Weise verwischt, wird von den einen eher positiv, von den anderen vermutlich eher negativ erlebt. Und es stellt sich die Frage, in wie weit eine langfristige Lebensplanung auf dieser Basis überhaupt noch möglich ist. Welches seriöse Bankhaus wird einem vornehmlich in der virtuellen Welt lebenden Freelancer einen langfristigen Hypothekenkredit gewähren?

Doch auch für die Unternehmen wären die Folgen dieser Auflösung ambivalent. Einerseits gewinnen sie natürlich an Flexibilität und könnten die virtuellen Teams effizient und produktiv einsetzen. Andererseits ist es in diesen Beschäftigungsstrukturen schwieriger, langfristig Know-how aufzubauen und ans Unternehmen zu binden. Ebenso würde sich in diesem Zusammenhang die Frage nach Loyalität und nach dem Vertrauen zwischen dem Unternehmen und den Mitarbeitern ganz neu stellen.

*Michael Müller arbeitet im Product Management EMEA bei Dell in Frankfurt am Main.