Dynamics NAV und AX überarbeitet

Microsoft nimmt neuen Anlauf im ERP-Geschäft

Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Mit den neuen Releases NAV 2009 und AX 2009 aus der Dynamics-Reihe will Microsoft dem Geschäft mit Business-Software neuen Schwung geben. Damit dies gelingt, müssen jedoch Partner und Kunden für die von Grund auf erneuerten Lösungen begeistert werden.

Welche Rolle Business-Applikationen innerhalb der Microsoft-Philosophie spielen, darüber kommt so mancher Beobachter ins Grübeln. In den letzten Monaten bemühte sich der Konzern vor allem darum, im Internet-Geschäft Gas zu geben. Um die betriebswirtschaftlichen Lösungen war es dagegen still geworden. "Die Business-Software stellt für Microsoft einen strategischen Kernbereich dar", beteuert nun Jochen Wießler, Direktor Microsoft Business Solutions in Deutschland, zum Auftakt der diesjährigen Partnerkonferenz in München. Zwar würden die Dynamics-Lösungen einen vergleichsweise geringen Anteil zum Gesamtumsatz des Softwaregiganten beitragen. Dennoch seien die betriebswirtschaftlichen Anwendungen wichtig, weil sie das Lösungsportfolio abrundeten und zur Sicherung der Windows-Plattform beitrügen. Zu Dynamics-Familie, die Wießler hierzulande verantwortet, zählen die ERP-Produkte Dynamics NAV ("Navision") und AX ("Axapta") sowie die Kunden-Management-Lösung "Dynamics CRM".

Wießler versprach den rund 600 Partnern, die sich zum Launch der neuen ERP-Versionen im Kloster Fürstenfeld bei München versammelt hatten, Kontinuität. Microsoft werde seine Investitionen für die Weiterentwicklung der Software in den kommenden Jahren ausbauen. Dabei halte der Konzern an beiden ERP-Linien fest. Es gebe immer wieder Diskussionen über die Positionierung der ERP-Produkte und deren Überschneidung, räumte der Microsoft-Manager ein. Doch dies lasse sich bei kaum einem der großen Anbieter vermeiden.

Von einer Verschmelzung beider Linien könne keine Rede sein, auch wenn beide Produkte an manchen Stellen gleiche Codekomponenten verwenden. Die Angleichung beschränke sich auf das Frontend mit dem Rollen-basierenden Client. Das Backend der Softwarelinien unterscheide sich nach wie vor, und das sei auch notwendig, um die unterschiedlichen Anforderungen der Kunden erfüllen zu können. Wießler trat damit Spekulationen entgegen, Microsoft lasse mit der gemeinsamen Entwicklung das in der Versenkung verschwundene "Project Green" wieder aufleben. Mit diesem Vorhaben beabsichtigte der Konzern vor einigen Jahren, Business-Lösungen auf eine komplett neue und gemeinsame Codebasis umzustellen, um bestehende Applikationen abzulösen. Da das Vorhaben bei Partnern und Kunden einen Sturm der Entrüstung auslöste, änderte Microsoft seine Pläne jedoch schnell wieder.