Microsoft .NET Compact Framework

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Harte Zeiten stehen PDA-Herstellern wie Palm und anderen bevor. Nachdem mobile Endgeräte auf Basis von Microsofts Windows CE anfangs nur milde belächelt wurden, ist der schlafende Riese aus Redmond nun erwacht: Mit seinem .NET Compact Framework, Zertifizierungsprogrammen wie „Mobile the Market“ will der Konzern ähnlich wie auf dem Desktop zum dominierenden Player aufsteigen.

In den nun fast über ein Jahrzehnt zurückliegenden Anfangsjahren von Windows formulierte Microsoft-Gründer Bill Gates seine Vision der „Information everywhere at your fingertips“. Eine Idee, welche das Unternehmen mit der 1999 erstmals vorgestellten .NET-Initiative nun im großen Stil in der PC-Server-Umgebung umsetzen will. Darüber hinaus, so Michael Wehrs, Director Technology & Standards Mobility Solutions, plant der Konzern intelligente Endgeräte wie Smartphones und Pocket PCs ebenfalls in dieses Szenario einzubinden. Die Bibel, an der sich Entwickler und Hardwareproduzenten dabei orientieren sollen, ist das .NET Compact Framework. Es bildet das technologische Gerüst und spezifiziert, wie Applikationen für diese mobile Welt von morgen zu schreiben sind. Gleichzeitig definiert .NET Compact eine Roadmap in die Zukunft.

Managed Software Code

Aus Programmierersicht beschreibt das Framework laut Wehrs eine Umgebung für einen „Managed Software Code“, der drei Arten der Applikationsentwicklung erlaubt: Browser-basierte Anwendungen; Programme, die in einer Runtime-Umgebung laufen und vor der Ausführung kompiliert werden sowie Applikationen, die im nativen Code speziell für eine Plattform geschrieben werden. Allerdings sieht Wehrs für die Browser-basierten Applikationen nur ein begrenztes Einsatzgebiet, da aufgrund der eingeschränkten Funktionalität und Performance hier keine mächtigen Anwendungen realisierbar seien.

Höhere Funktionalität und mehr Leistung verspricht sich der Microsoft-Manager dagegen von dem zweiten Ansatz, bei dem der Programm-Code auf das entsprechende Endgerät geladen und in einer Runtime-Umgebung kompiliert wird. Dieses erinnert sehr an das Java-Prinzip mit seiner Virtual Machine. Gewisse Parallelen gesteht denn auch Wehrs ein, betont aber, dass es Unterschiede gebe. Java habe nämlich seinen Anspruch, „einmal eine Applikation zu schreiben und sie dann überall laufen zu lassen,“ nicht eingelöst. Um gerätespezifische Vorteile wie Farbdisplays zu nutzen, benötigten Entwickler in Java, so argumentiert Wehrs, Erweiterungen (Libraries) für die Virtual Machine. Werde nun eine Applikation entwickelt, die diese Funktionen nutzt, so laufe sie nur in dieser Umgebung, aber nicht auf Geräten mit einer anderen Implementierung der Virtual Machine.

Diesen Designfehler will Microsoft vermeiden, indem man sich beim .NET Compact Framework an der PC-Architektur orientiert. Ziel ist es, für die mobilen Endgeräte ähnlich wie auf dem PC eine Plattform zu kreieren, bei der Entwickler Anwendungen programmieren, ohne sich um die hardwarespezifischen Details zu kümmern. Analog zum Windows-PC will der Softwarekonzern hierzu einen Satz von APIs (etwa Sound, Grafik etc.) als Subset von .NET definieren, auf den die Programmierer zugreifen. Microsoft stellt jedoch lediglich generische, gerätespezifische Libraries zur Verfügung. Deshalb sieht Wehrs in erster Linie die Hersteller in der Pflicht - wie etwa heute beim Treiber-Support für Windows.

Inhalt dieses Artikels