Robert Cringely

Microsoft gegen Google - nur ein Scheingefecht

14.07.2009
Google gegen Microsoft - King Kong gegen Godzilla: Es scheint der Showdown der beiden größten High-Tech-Konzerne der Welt.

Beide sind unangefochtene Marktführer in ihrem Bereich: Microsoft mit Betriebssystemen und dem Browser Internet Explorer und Google mit der omnipräsenten Suchmaschine. Keiner konnte ihnen auf ihrem Gebiet das Wasser reichen. Nun haben sie sich gegenseitig ins Visier genommen.

Mark Stephens a.k.a. Robert Cringely
Mark Stephens a.k.a. Robert Cringely

Google fährt mit der frühzeitigen Ankündigung des Betriebssystems Chrome OS einen direkten Angriff auf das Flaggschiff Microsoft Windows. Und damit nicht genug. Google schuf zuvor den Webbrowser Chrome, der die weltumspannende Dominanz von Explorer zu brechen trachtet. Und selbst im Markt für Handysoftware, den Microsoft erst seit einiger Zeit mit Windows Mobile für sich entdeckt hat, kontert Google mit dem Konkurrenzprodukt Android. Das Schlachtschiff Microsoft feuert indes selbst eine Salve auf den Internetkonzern und lancierte mit Bing eine eigene Suchmaschine.

Viel Krach und Rauch

Der Schusswechsel sorgt für viel Krach und Rauch, doch ist das Getöse nur ein Schattenkampf, sagt Branchenexperte Robert Cringely. Denn alles, was die beiden Ideenschmieden außerhalb ihrer Kernprodukte auf den Markt bringen, kostet nur Geld. Verdienen kann Microsoft lediglich mit Windows und Office. Ebenso geht es Google, dessen Einkünfte aus dem Verkauf von Internet-Werbung stammen. Der Rest verbrennt Geld. Beide piesacken sich aus Prinzip. Und beide können es sich leisten.

Doch in ihrem Interesse ist dieser Kampf nicht. Beide können sich in ihrem jeweiligen Kerngeschäft nicht an den Karren fahren. Sie leben sehr gut miteinander. Google ist sogar angewiesen auf Microsoft. Die meisten Google-Suchen werden von Computern mit Microsoft Windows und Internet Explorer aus gefahren. Google könnte Microsoft dankbar sein, dass ihr Browser den phänomenalen Aufstieg der Internetfirma möglich gemacht hat. Das Betriebssystem und der Browser Chrome werden verschenkt. Und Google verspricht Nutzern nicht einmal bessere Funktionen als der Explorer.

Nur eine neue Firma kann Microsoft gefährden

Google muss dagegen befürchten, dass eines Tages seine Suchmaschine nicht mehr auf Windows-Computern funktioniert. Microsoft könnte Unschuld vorschützen und Tage, Wochen oder Monate brauchen, um den "Fehler" zu beheben. In dieser Zeit würde Google Milliarden verlieren. Dieses Szenario ist aus Sicht von Cringely aber mehr als unwahrscheinlich. Ansonsten haben die beiden wenig voneinander zu befürchten.

Bill Gates hat jüngst gesagt, das Unternehmen, welches Microsoft zu Boden ringt, ist noch nicht gegründet worden. Microsoft selbst war eine blutjunge Firma, als IBM es als Lieferanten von PC-DOS auserkor, das Microsoft später gegen IBM wandte und Big Blue aus dem Markt drängte. So wird es auch mit einem künftigen Microsoft-Konkurrenten sein, sagt Cringely: es muss eine junge Firma mit einer neuen Idee sein - kein Unternehmen mit einem Besitzstand, den es zu verteidigen gilt. Google selbst wendet den größten Teil seiner Energie auf, den eigenen Markt zu verteidigen. Vielleicht fehlt ihnen beiden auch die Innovation, sagt Cringely. Ihnen ist bisher kein Coup gelungen, wie Apple in einem als gesättigt geltendem Markt mit neuen Produkten wie dem iPod und dem iPhone einzubrechen. (dpa/tc)