Partnerkonferenz 2010

Microsoft forciert das Cloud Computing

29.09.2010
Seit vier Jahren hält das Schlagwort vom Cloud Computing die IT-Branche in Atem.
Ralph Haupter eröffnet die Microsoft-Partnerkonferenz 2010 in Darmstadt (Foto: Microsoft)
Ralph Haupter eröffnet die Microsoft-Partnerkonferenz 2010 in Darmstadt (Foto: Microsoft)

Software, Rechenleistung, Datenbanken oder Speicherplatz - alles soll im Netz jederzeit und nach tatsächlichem Bedarf bereitgestellt werden. Nach viel heißer Luft wird jetzt auch kräftig investiert und für die Zukunft geplant. "Durch Cloud Computing wird sich vieles verändern", sagte Peter Arbitter von T-Systems am Mittwoch auf einer Microsoft-Konferenz in Darmstadt. "Es wird Gewinner geben und es wird Verlierer geben." Einfach abzuwarten, sei da nicht die richtige Strategie.

"Wir haben mit Cloud Computing keinen Hype mehr, sondern wir haben Realität", ruft der Microsoft-Geschäftsführer in Deutschland, Ralph Haupter, den mehr als 1300 Teilnehmern der zweitägigen Partnerkonferenz zu. Mit der jetzt deutlich anziehenden Konjunktur gebe es eine neue Euphorie, in die Modernisierung der Informationstechnik zu investieren. Mit dem Cloud Computing verbindet sich für Unternehmen die Hoffnung, Kosten zu sparen und die Geschäftsprozesse auf eine zukunftssichere Grundlage zu stellen.

Das Konzept wendet sich an große Unternehmen ebenso wie an Mittelständler und Selbstständige. Privatanwender nutzen schon jetzt die Dienste aus der Cloud - der "Daten-Wolke". Zum Beispiel wenn sie auf Web-Mail zugreifen oder Dokumente online bearbeiten und speichern.

Die Cloud verspricht eine besonders flexible Anpassung an kurzfristig sich ändernde Bedürfnisse. "Da geht es etwa um die Frage, ein Team von 30 Ingenieuren nach China zu schicken und mit IT zu versorgen", erklärt Haupter im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Cloud könne sofort die benötigten Computer- Kapazitäten mit den erforderlichen Anwendungen bereitstellen.

Im Kongresszentrum darmstadtium wird die "Go-Cloud"-Botschaft vernommen, doch gibt es auch Zweifel und Bedenken, die eigenen vertraulichen Daten und Prozesse ins Netz zu verpflanzen und die IT dem Cloud-Anbieter zu übergeben. "Ich glaube, dass viele noch Angst haben, Microsoft will ihnen Business wegnehmen", sagt IT-Firmengründer Peter Hartl.

In der Übergangsphase wird es denn auch viele "hybride" Lösungen geben - ein Teil der IT wird weiter vom Unternehmen selbst betreut, ein Teil wird schrittweise in die Cloud gebracht. Der US-Konzern hofft, dass möglichst viele IT-Partner auf seiner Azure-Plattform aufsetzen und ihren Kunden dann maßgeschneiderte Lösungen anbieten. "Azure ist die Turbine, von der PS-Leistung abgefordert wird", erklärt Haupter die Cloud-Strategie von Microsoft. "Die Riemen werden dann von den Partnern draufgesetzt."

Mit dem Aufbruch zu den Wolken will der Software-Marktführer seine mit Windows und Office eroberte Stellung auch unter neuen Bedingungen behaupten. "Es ist ein Riesenvorteil, mit einem einheitlichen Betriebssystem viele unterschiedliche Plattformen bespielen zu können", sagt Haupter. "Sind wir immer perfekt? Nein. Aber wir haben eine klare Vision."

Die soll nun auch auf den mobilen Geräten greifen. Bei der Software fürs Handy war Windows Mobile einst führend. Jetzt ist das Microsoft-System bei Smartphones, den mobilen Alleskönnern unter den Handys, auf Platz fünf abgerutscht. Zum 21. Oktober kommt nun die neue Version Windows Phone 7, mit der Microsoft aufholen will.

Für die Bereitstellung der Dienstleistungen im Netz sind leistungsstarke Serverfarmen erforderlich. Die Wolke muss vererdet werden in Rechenzentren mit dicken Betonmauern. Microsoft, Google , Amazon und andere erweitern ständig diese Basis für das vernetzte Arbeiten und Wirtschaften.

"Das ist bei uns auf weltweit zwölf Rechenzentren verteilt", sagt der fürs Server-Geschäft zuständige Microsoft-Manager Andreas Hartl. "In Europa haben wir Rechenzentren in Amsterdam und Dublin. Da kommen jeden Monat mehrere zehntausend Server hinzu." Ein eigenes Data Center in Deutschland ist nach Angaben Haupters zurzeit aber nicht geplant. (dpa/tc)

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