Stundensätze für Freelancer stagnieren

Mangel an Experten verkompliziert IT-Projekte

Thomas Müller ist Geschäftsführer der SOLCOM GmbH, einem der führenden branchenübergreifenden Technologiedienstleistern in den Bereichen Softwareentwicklung, IT und Engineering. Aus dieser Erfahrung heraus schreibt Thomas Müller über den Projektmarkt und die Trends bei IT und- Engineering-Projekten.
Der Zeitgeist von Digitalisierung, dem Internet der Dinge, Big Data und Cloud Computing führt zu immer mehr Projekten in Unternehmen. Aufgrund der Dringlichkeit der zu realisierenden Vorhaben werden nach wie vor viele freiberufliche IT-Spezialisten engagiert, auch wenn einige Parameter im Projektmarkt leicht rückläufig ausfallen.

Im ersten Halbjahr hat der Projektmarkt den Unsicherheiten der Weltwirtschaft getrotzt. Die großen Wachstumstreiber dieser Entwicklung waren, wie bereits in den vergangenen Monaten, die Digitalisierung - also die Schwerpunkte Internet der Dinge, Cloud und Big Data. In vielen Bereichen übersteigt die Nachfrage nach Spezialisten das Angebot und wird händeringend nach Experten gesucht. Dies ist jedoch stark von der jeweiligen Qualifikation abhängig. Vor allem im Bereich Java-Entwicklung zeigt sich eine hohe Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Spezialisten für dieses Thema sind nur schwer zu finden, entsprechend steigen hier auch die Stundensätze. Ähnliches, aber nicht in dieser Dimension, gilt für Experten im Automotive-Bereich.

Große Nachfrage nach Freiberuflern

Für Unternehmen bleiben technologische Kenntnisse und Know-how das wichtigste Kriterium bei der Auswahl freiberuflicher IT-Experten. Durch die allgemein hohe Nachfrage wird es allerdings nicht leichter, den passenden Experten zu finden. Erschwerend kommt hinzu, dass sich laut der Studie "Der Markt für Rekrutierung, Vermittlung und Steuerung von IT-Freelancern", die von der Lünendonk GmbH betrieben wurde, die Anzahl der Freiberufler im IT-Bereich im Vergleich zum Vorjahr nicht erhöht hat und weiterhin bei etwa 92.000 Personen liegt. Für Firmen wird dadurch die Realisierung von Projekten noch komplexer. Gleichzeitig besteht noch immer eine gewisse Rechtsunsicherheit bei der Beauftragung von freiberuflichen Experten aufgrund der weiterhin schwammigen Gesetzeslage. Auf die Stundensätze hat dies insgesamtallerdings keine größeren Auswirkungen. Diese bleiben weitestgehend konstant - abgesehen von einzelnen Ausreißern nach oben bei den genannten Qualifikationen.

Recruiting kostet Unternehmen viel Aufwand

Obwohl diese Entwicklung schon seit Jahren zu beobachten ist, wies der Projektmarkt auch 2015 laut Lünendonk-Studie eine zweistellige Wachstumsrate auf. Dem Marktforschungsunternehmen zufolge waren es im vergangenen Jahr 12,4 Prozent. Für das laufende Jahr wird dieser Wert laut Prognose sogar noch einmal übertroffen. Die Studie spricht allerdings auch von einem deutlich erhöhten Aufwand in Sachen Recruiting für die befragten Unternehmen.

Freiberufler weniger optimistisch

Trotz der guten Entwicklung des Marktes bewerten Freiberufler ihre eigene Lage im ersten Halbjahr etwas schwächer als im gleichen Zeitraum 2015. Das ergab die Marktstudie "Zwischenbilanz Geschäftsjahr 2016", die von Solcom, einem Technologiedienstleister für Softwareentwicklung, IT und Engineering, initiiert wurde. Ein Ergebnis, das aufgrund des weit überdurchschnittlichen Wachstums in den vergangenen Jahren nicht überrascht. So weist die Erhebung sowohl bei der Projektauslastung, den Chancen auf Projektverlängerung als auch der Anzahl der benötigten Vorstellungstermine einen negativen Trend auf. Im Umkehrschluss heißt das: Für die befragten Freiberufler ist nicht mehr die Aufgabe das wichtigste Projektkriterium, sondern der Stundensatz. Hier gilt aber auch, dass die absolute Mehrheit der Freelancer im laufenden Jahr eine Stagnation der Stundensätze konstatiert und nur eine Minderheit steigende Stundensätze erwartet.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Projektauslastung: Auch hier rechnen die Befragten mit demselben Niveau wie im Vorjahr und mit weniger Auslastung als 2015. Jedoch bewegen sich bei allen drei Fragestellungen die Ergebnisse noch immer auf einem hohen Niveau. Entsprechend ist kein Abschwung für den Projektmarkt in Sicht. Noch immer kalkuliert eine deutliche Mehrheit für das Gesamtjahr mit einer Verbesserung der Situation oder zumindest einem konstanten Niveau. Im Vergleich zur Vorjahresbefragung ist der Trend jedoch leicht rückläufig.

Fazit

Der Projektmarkt und das Engagement von Freiberuflern bewegen sich auf hohem Niveau, auch wenn es Diskrepanzen gibt. Die in Teilen bestehende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zeigt allerdings, dass der Bedarf schneller wächst als die Strukturen. Langfristig könnte sich dies als Problem für die technische und digitale Weiterentwicklung der Unternehmen erweisen. (pg)