Outsourcing

Lufthansa gibt IT-Infrastruktur an IBM ab

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IBM bekommt für die mindestens kommenden sieben Jahre den Zuschlag für die IT-Infrastruktur der Lufthansa. Lufthansa Systems wird dreigeteilt und die Infrastruktursparte an "Big Blue" verkauft. Alle Jobs sollen erhalten bleiben.

Die Kranich-Linie kündigte heute früh an, sie werde zeitnah "eine langfristige IT-Partnerschaft vereinbaren". Diese Vereinbarung solle vorsehen, dass Lufthansa die gesamten IT-Infrastrukturleistungen im Konzern an IBM vergibt. Gleichzeitig solle der IT-Konzern den Geschäftsbereich Infrastruktur der heutigen Lufthansa Systems AG übernehmen.

Die Neuausrichtung war seit April grundsätzlich bekannt; als Interessenten waren neben IBM anfänglich auch noch HP und Atos kolportiert worden. Stefan Hansen, Chef von Lufthansa Systems, hatte den geplanten Verkauf der Rechenzentren damit begründet, man wolle den "Preiskampf bei der Infrastruktur nicht mitgehen"; die Mitarbeiter protestierten im Sommer gegen die Pläne.

Die Zentrale von Lufthansa Systems in Kelsterbach
Die Zentrale von Lufthansa Systems in Kelsterbach
Foto: Lufthansa Systems

Der Outsourcing-Vertrag soll demnach eine Laufzeit von sieben Jahren haben und Lufthansa eine Senkung der IT-Infrastrukturkosten um durchschnittlich rund 70 Millionen Euro pro Jahr bringen. Ein entsprechendes Angebot liege vor und solle jetzt final verhandelt werden, heißt es weiter.

Durch die Transaktion entstehen der Lufthansa laut Mitteilung Einmalbelastungen aus Restrukturierung und Kaufpreis von rund 240 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2014. Diese Belastungen würden zwar nicht in dem für die Prognose relevanten operativen Ergebnis verbucht, belasteten aber das IFRS-Konzernergebnis und das HGB-Ergebnis.

Die bei der IT-Tochter Lufthansa Systems verbleibenden Bereiche Airline Solutions und Industry Solutions sollen in Zukunft als eigenständige Unternehmen in ihren jeweiligen Märkten agieren. Aufsichtsrat und Kartellbehörden müssen der Dreiteilung noch zustimmen; weitere Voraussetzung ist ein zeitgerechter erfolgreicher Abschluss von Sozialplan und Interessenausgleich vor.

Stefan Hansen, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Systems AG
Stefan Hansen, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Systems AG
Foto: Lufthansa Systems

Die Aufspaltung der Lufthansa Systems und der formale Start der neuen Gesellschaften sollen im ersten Quartal 2015 erfolgen. Der Vollzug des Infrastruktur-Verkaufs ist zu Ende März 2015 geplant.

Mit dem Outsourcing an "Big Blue" erhielten "die Mitarbeiter des Bereichs Infrastruktur eine klare Perspektive für ihre Arbeitsplätze und können an der weiteren technologischen Entwicklung teilnehmen", kommentierte Simone Menne, Vorstand Finanzen und Aviation Services der Lufthansa Group und Vorsitzende des Aufsichtsrates der Lufthansa Systems AG.

Zum derzeitigen Stand sollen alle rund 1400 Mitarbeiter des Geschäftsbereichs Infrastruktur übernommen und die Standorte Kelsterbach und Budapest erhalten werden. Zum Erhalt der Arbeitsplätze an den übrigen Standorten seien "ebenfalls klare Zusagen gemacht" worden, so die Airline.