Über den alltäglichen Büro-Bullshit

"Leute werden für den Kopf bezahlt, nicht für den Arsch"

27.05.2015
Von Carina Kontio
Thomas Ramge kreiert in seinem Buch "Montags könnt ich kotzen" aus Gesprächen mit "leidenden Angestellten" und Coaches eine böse Persiflage auf das Leben in der Konzern-Matrix. Anekdoten, die den Menschenverstand rauben.

Es wird gepitcht und vom Ending her gedacht, die kreative Challenge angenommen, ein Innovationsapproach entwickelt, an den Stellschrauben für mehr Sustainability gedreht, Value geaddet, restrukturiert, gechanged und sich zeitnah committed - und plötzlich verliert man vor lauter Worthülsen und Floskeln das Wesentliche aus dem Blick: die Arbeit.

Was für ein großer, zynischer Spaß, den Thomas Ramge hier auf 256 Seiten gepackt hat. Der Autor, der zurzeit als Technologie-Korrespondent des Wirtschaftsmagazins "brand eins" arbeitet, hat früher als Unternehmensberater selbst viel Bullshit erlebt und produziert und jetzt aus unzähligen Anekdoten eine wunderbar böse Persiflage auf den alltäglichen Büro-Bullshit kreiert.

In seinem Buch "Montags könnt ich kotzen", das im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschien, punktet Ramge durchgehend mit gelungenen Sprüchen, Pointen und Szenen des Büro-Alltags, die jedem von uns so oder so ähnlich bekannt vorkommen.

Am Beispiel seines Alter Egos Lukas Frey ("Heute früh bin ich fast daran gescheitert, überhaupt ins Büro zu kommen"), der in einem großen Konzern die Markteinführung eines neuen Produktes begleiten soll, zeigt Ramge, welche absurden Blüten die modernen Managementmethoden treiben und vergleicht gerne auch mal einen 30.000 Euro teuren "interdisziplinären" Innovationsworkshop, bei dem alle 15 Teilnehmer lernen sollen, "Out-of-the-Box" zu denken, mit einem dadaistischem Theaterexperiment, wo alle Schauspieler zwei Stunden lang nichts anderes sagen als die Wortfolge murmel, murmel, murmel und so weiter. Kurzweilig wie ein Roman, entlarvend wie ein Sachbuch.