Schwierige Work-Life-Balance

Karriere mit Kind

20.09.2010 | von Dirk Herzog
Die Branche buhlt um weibliche Mitarbeiter, doch der Anteil von Frauen in IT-Berufen liegt seit Jahren konstant unter 20 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sich Karriere und Familie nach wie vor schwer vereinbaren lassen.

Der Sohn von Inge Hanschke hat gerade sein Abitur gemacht. "Heute sind mein Mann und ich längst aus dem Gröbsten raus", erzählt sie lachend. Aber an die turbulente Zeit nach seiner Geburt kann sich die Geschäftsführerin des Münchner Software- und IT-Beratungshauses iteratec noch sehr genau erinnern. Sie hatte Ende der Achtziger Jahre ihr Informatikstudium abgeschlossen und nach einjähriger Babypause als Softwareentwicklerin bei einem ERP-Systemhaus angeheuert. Vollzeit.

"Die Doppelbelastung in den ersten Jahren war schon hoch. Das ging nur, weil mein Mann damals bereits flexible Arbeitszeiten hatte und die Kinderbetreuung zum Teil mit übernehmen konnte", so Hanschke. Auch die Großeltern und eine Tagesmutter griffen unter die Arme. Dank dieser Unterstützung und der nötigen Flexibilität ihrer Arbeitgeber war es Inge Hanschke möglich, schnell Karriere in der IT zu machen und gleichzeitig genügend Zeit für die Erziehung ihres Sohnes zu haben.

Inge Hanschke, Iteratec: "Mitarbeiter, die länger in Elternzeit waren, steigen bei uns häufig in weiche Themen wie IT-Bebauungsmanagement oder Prozessmanagement wieder ein."
Inge Hanschke, Iteratec: "Mitarbeiter, die länger in Elternzeit waren, steigen bei uns häufig in weiche Themen wie IT-Bebauungsmanagement oder Prozessmanagement wieder ein."

Die guten beruflichen Rahmenbedingungen, die ihr ermöglicht haben, Beruf und Kind unter einen Hut zu bringen, möchte sie als Geschäftsführerin weitergeben und legt daher im eigenen Haus großen Wert auf das Thema Work-Life-Balance. iteratec bietet Mitarbeitern beispielsweise flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit der Heimarbeit sowie projektbezogene Arbeit an, die den Wiedereinstieg nach der Babypause erleichtert. "Mitarbeiter, die länger in Elternzeit waren, steigen bei uns häufig in "weiche Themen" wie IT-Bebauungsmanagement oder Prozessmanagement wieder ein, weil diese sich nach der Rückkehr schneller aufholen lassen als Tätigkeiten, die ein sehr aktuelles Technologiewissen erfordern."

Die Stärken der Mütter

Was Hanschke gerade bei Müttern immer wieder beobachtet und schätzt: Sie entwickeln in der Kindererziehung eine besondere Empathie, Kommunikationsstärke und Motivationsfähigkeit, sind sehr zielstrebig und lernen auch in bestimmten Situationen "kein Ausbüchsen" zuzulassen. Kompetenzen, die auch in der Projektarbeit gefragt sind. Außerdem ist Inge Hanschke überzeugt, dass gemischt geschlechtliche IT-Teams oft die besseren Ergebnisse erzielen, weil die geschlechterspezifischen Stärken sich gut ergänzen. Ein entscheidender Punkt, da Unternehmen, die eine Kultur von gegenseitigem Respekt gepaart mit Kreativität unterstützen, von besseren Leistungen ihrer Mitarbeiter profitieren. Daher wünscht sie sich, dass Iteratec den Frauenanteil, der momentan leider - wie sie betont - unter zehn Prozent liegt, in Zukunft erhöhen kann.

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