Jobbörsen suchen neue Einnahmequellen

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Die wirtschaftliche Flaute macht den virtuellen Stellenmärkten das Leben schwer. Mit neuen Serviceangeboten wollen sie beweisen, dass sie den Sprung in die Gewinnzone schaffen können.

Da mögen sich die kommerziellen Stellenmärkte im Netz noch so sehr abzappeln und bunt daher kommen - den meisten Besuchern fällt beim Thema Jobsuche als erstes die Adresse http://www.arbeitsamt.de ein. Das Angebot ist reichlich antiquiert aufgemacht und hat in den letzten Jahren kein sehenswertes Facelifting erhalten. Doch das soll sich spätestens zur CeBIT 2003 ändern.

„Der Aufruhr unter den kommerziellen Börsen war groß, als wir unser Projekt „Virtueller Arbeitsmarkt“ vorstellten“, erzählt Jürgen Koch, Projektleiter bei der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg. Die Ausschreibung für das Projekt ist abgeschlossen, und das nach XML-Standard umgesetzte Karriereportal soll bald auch qualitativ bei Unternehmen und Bewerbern gleichermaßen punkten. Mit den kommerziellen Jobmärkten möchte Koch gerne zusammenarbeiten. „Von Nischenanbietern abgesehen“, so Koch, „überleben nur drei bis fünf der großen Online-Stellenmärkte.“

Wettlauf um Spitzenplatz

Momentan liefern sich Jobpilot, Stepstone und Monster ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die wirtschaftlichen Turbulenzen setzten ihnen kräftig zu. Stepstone reduzierte seine Mitarbeiterzahl in zwei Schritten von 170 auf 110 Köpfe und versuchte auch durch andere Sparmaßnahmen, die Ausgaben zu senken. „Das war ein radikaler Schritt. Aber als seit April 2001 die Stellenanzeigen um 40 Prozent zurückgingen, mussten wir die Kosten in den Griff bekommen, das ist uns gelungen. Außerdem gab es eine weitere Finanzspritze von 35 bis 40 Millionen Euro von unseren Investoren“, berichtet Frank Hensgens, Marketing-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Mit der Umstrukturierung hofft er, die momentane Durststrecke zu überbrücken. An einen finanzkräftigen Partner möchte sich Stepstone nicht binden. „Unser Ziel ist es, unabhängig zu bleiben“, bekräftigt Hensgens. Auch bei Monster sind die Zeiten der großen Marketing-Budgets vorbei. Zwar hat die internationale Jobbörse mit TMP Worldwide eine finanzkräftige Personalagentur im Rücken, doch die deutsche Niederlassung sucht noch nach der langfristigen Profitabilität. Im Jahr 2000 startete das US-Jobboard in Deutschland, Mitte dieses Jahres wurde das komplette Management ausgetauscht.

 Kai Deininger übernahm die Geschäftsleitung von Gunther Batzke. Deininger verantwortete zuvor das europäische Management von Jobline, einer Stellenbörse, die von Monster aufgekauft wurde. „Herr Batzke hat Monster seit Juni 2000 im deutschen Markt positioniert“, berichtet der neue Chef. Seine Aufgabe sei es, das Unternehmen zu konsolidieren. „Eigentlich ist es erst unser zweites operatives Geschäftsjahr. Im letzten Jahr waren wir zwei Monate profitabel, wir wollen natürlich ständig schwarze Zahlen schreiben.“ Für die deutsche Niederlassung der Stellenbörse Monster arbeiten 60 Mitarbeiter, neue Lösungen entwickelt in erster Linie ein Team in den USA und Prag.

Für Jobpilot begannen die turbulenten Zeiten im Mai 2001, als die Mannschaft von 210 auf heute 160 Mitarbeiter in Deutschland reduziert wurde. Inzwischen gehört das Unternehmen zur Schweizer Zeitarbeitsfirma Adecco SA und hat einen finanzkräftigen Partner an Bord, der außerdem über ein weltweites Personalservicegeschäft verfügt.

„Momentan findet ein Verdrängungswettbewerb unter den Jobbörsen statt“, beobachtet Wolfgang Jäger, Professor an der Fachhochschule Wiesbaden. „Zwar gibt es in Europa ein großes Marktpotenzial, aber die Frage ist, wer es schafft, das auch abzuschöpfen.“ Heute generieren die meisten Online-Stellenmärkte rund 80 Prozent ihres Umsatzes mit Jobangeboten von Unternehmen. Da allerdings immer weniger Firmen neue Mitarbeiter suchen, nahmen die Stellenausschreibungen rapide ab. Jobpilot bietet für den deutschen Arbeitsmarkt noch 32 850 Jobs, bei Stepstone warten 8325 registrierte offene Stellen, und Monster hat zirka 7000 Angebote.

In Boomzeiten begannen die Jobbörsen, Lebensläufe von Bewerbern einzusammeln und den Zugang zu dieser Datenbank an interessierte Firmen und Personalagenturen zu verkaufen. Allerdings wurde aus dem Angebot nie das anvisierte große Geschäft. Die Jobsuchenden sind hierzulande relativ zurückhaltend mit ihren persönlichen Daten. Außerdem variiert die Qualität der eingestellten Lebensläufe und deren Aktualität stark. Während Monster die Curricula vitae bis zu einem Jahr in der Datenbank belässt, denkt Stepstone darüber nach, die Zeitspanne auf sechs Monate zu begrenzen.

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