Generation "Weichei"?

IT-Nachwuchs taugt nicht für Führungsjobs

Alexandra Mesmer
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 14 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie schreibt, redigiert, organisiert, moderiert und kümmert sich um die Online-Rubriken Karriere & Gehalt, Freiberufler, Young Professional und den Karriere-Ratgeber sowie den Karriere- und Freiberufler-Newsletter.
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Junginformatiker sind weder besonders ehrgeizig noch belastbar, zeigt eine Studie. Ein gutes Gehalt ist ihnen wichtiger als eine außergewöhnliche Aufgabe. Der IT-Nachwuchs hat sich verändert.

Auch wenn die Zahl der IT-Absolventen deutlich angestiegen ist, haben die Arbeitgeber nicht unbedingt eine bessere Auswahl. Immer weniger junge IT-Fachleute bringen die Fähigkeiten mit, die sie später in einer Chefrolle bräuchten. Den Schluss lässt eine Langzeitstudie der Eligo GmbH zu. Der Dienstleister, der psychologische Personalsoftware erstellt, hat seit 2003 fast 21.000 Absolventen nach Lebenszielen befragt und ihre Leistungspotenziale erfasst. Für die 2470 Teilnehmer aus IT und Technik ergab sich ein wenig schmeichelhaftes Bild.

Heinrich Wottowa, Eligo: "Immer weniger junge IT-Fachleute bringen die Fähigkeiten mit, die sie später in einer Chefrolle bräuchten."
Heinrich Wottowa, Eligo: "Immer weniger junge IT-Fachleute bringen die Fähigkeiten mit, die sie später in einer Chefrolle bräuchten."
Foto: Heinrich Wottowa, Eligo

"Führungspotenzial hat jemand, der mehr leisten will als andere, sich durchsetzen kann, sich nicht vor Misserfolgen fürchtet, gelassen bleibt, Stress aushält und nicht zu sehr nach sozialer Akzeptanz strebt. Will er zu sehr geliebt werden, leidet er unter Ablehnung und tut sich schwer, unangenehme Entscheidungen durchzusetzen", sagt Heinrich Wottawa, Eligo-Geschäftsführer und Psychologieprofessor an der Ruhr-Uni Bochum.

Leistung

Der Wunsch, etwas Besonderes zu leisten und besser zu sein als andere, ist unter Informatikern deutlich geringer ausgeprägt als bei Betriebswirten. Nur 35 Prozent spornt eine außergewöhnliche Aufgabe an, über die sie sich profilieren können. Dazu passt, dass fast jeder zweite Informatiker von außen motiviert ist. Wottawa: "Arbeitgeber müssen bei der Personalsuche berücksichtigen, dass sie auch extrinsische Anreize setzen müssen." Die Mehrheit der ITler wolle vor allem gut bezahlt sein.

Misserfolge

Bloß nichts falsch machen und Vorsicht bei Projekten, an denen man scheitern könnte. Diese Einstellung legen laut Eligo-Studie immer mehr Absolventen an den Tag. 48 Prozent der befragten Männer und 67 Prozent der befragten Frauen zeigen die Tendenz, um jeden Preis Misserfolge vermeiden zu wollen. Vor sieben Jahren waren das jeweils zehn Prozent weniger.

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