CW-Kolumne

IT-Deflation

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Es herbstelt in der IT-Branche. Ein Sturm tobt durch die Unternehmen, manchen regnet es schon nass rein. Und aus dem ersten Schnupfen könnte eine Lungenentzündung werden.

Es herbstelt in der IT-Branche. Ein Sturm tobt durch die Unternehmen, manchen regnet es schon nass rein. Und aus dem ersten Schnupfen könnte eine Lungenentzündung werden. Natürlich gibt es konjunkturelle Gründe, wenn IBM, Intel und andere mäßige Ergebnisse melden. Europa liegt darnieder, die USA ächzen unter ihrer Schuldenlast, und selbst auf die Chinesen ist kein Verlass mehr.

Heinrich Vaske, Chefredakteur Computerwoche
Heinrich Vaske, Chefredakteur Computerwoche

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist eine IT-Branche, die sich mit ihren derzeitigen "Innovationen" unfreiwillig selbst schadet - immerhin zugunsten ihrer Kunden. Viele Trends, die den Markt derzeit bewegen, verhelfen den Anwendern zu einer preiswerteren IT. Wenn etwa IBMs Hardwaregeschäft im abgelaufenen Quartal um 13 Prozent einbricht und auch in den vorhergehenden Berichtszeiträumen rückläufig war, dann liegt das am Erfolg billiger x86-Hardware und der besseren Auslastung vorhandener Infrastrukturen durch Virtualisierung.

Doch damit nicht genug: IBM gehört wie alle anderen großen Hersteller auch zu denjenigen, die ihre Kunden mit vorkonfektionierten Systemen beglücken wollen, also mit Hardware, Middleware und Anwendungen aus einem Guss. Sollte der Ansatz erfolgreich sein, wird das negativ auf die IT-Serviceeinnahmen der großen Player und Dienstleister durchschlagen.

Auch die Cloud-Welle verspricht geringere Kosten. Software-Services nach "Verbrauch" zu berechnen, ist für etablierte Anbieter nicht lukrativ, zumal sich damit beim Kunden eine Kostentransparenz einstellen wird, die von ihnen so nicht gewünscht sein kann. Nicht umsonst ließ man jahrelang Hundertschaften von Mitarbeitern an komplizierten Lizenzmodellen herumtüfteln.

Gehen die Preise nach unten, müssen Kunden nicht kaufen. Wie bei einer Deflation warten sie einfach ab, ob sich der Trend fortsetzt. Interessant wird die IT erst wieder, wenn es den Anbietern gelingt, die erzielbaren Geschäftsvorteile und das Innovationspotenzial in den Vordergrund zu rücken. Diese Sicht auf die IT ist in den letzten Monaten zu kurz gekommen. (mhr)