Internet of Things bei Google, SAP oder Siemens

IoT-Produkte und -Strategien der Hersteller

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Der Diplom-Physiker Oliver Schonschek ist freier IT-Fachjournalist und IT-Analyst in Bad Ems.
Im Markt des Internet of Things (IoT) bringen sich immer mehr Anbieter in Stellung. Ein Überblick über die wichtigsten IoT-Plattformen.

Die Strategien der großen IT-Hersteller zu verstehen, ist nicht ganz einfach, zumal der Begriff IoT selbst alles andere als präzise ist und sich kaum von Begriffen wie Industrie 4.0 oder Machine-to-Machine-Kommunikation abgrenzen lässt. Am Ende geht es immer um die intelligente Vernetzung von Objekten via Internet und die Analyse von Daten, die auf diese Weise eingesammelt werden. Unternehmen lernen beispielsweise das Nutzungsverhalten ihrer Kunden zu verstehen, wenn verkaufte Geräte Informationen zurückspielen.

Sie lassen sich Zustandsdaten von Maschinen und Anlagen aus Kundenumgebungen aggregieren und etablieren darum herum neue Servicemodelle. Oder sie bringen ihre Lager-, Fuhrpark- oder sonstige Logistik auf Vordermann. Produkte und Plattformen dafür gibt es inzwischen eine Reihe, doch oft ist für Kunden nicht einfach zu erkennen, was in den Verpackungen steckt.

Altbekannte Angebote aus der Welt der Embedded Systems werden mit einem schmucken IoT-Label versehen, ohne dass sich besonders viel verändert hätte. Doch der Aktionismus der Anbieter ist verständlich: Momentan werden die Märkte aufgeteilt - auch wenn die Produkte oft noch gar nicht reif sind. Die Vielzahl an Kooperationen und Verbandsinitiativen macht es dem neutralen Betrachter nicht leichter, ein klares Bild zu gewinnen.

Spannend ist der Markt auch deswegen, weil neben den großen IT-Playern klassische Industriekonzerne wie Siemens, Bosch, ABB oder General Electric ein Stück vom Kuchen möchten. Mit ihren Erfahrungen im Engineering und im Product-Lifecycle-Management (PLM) fühlen sie sich gut gewappnet - und sie müssen etwas tun, denn die nächste Wertschöpfungsstufe in der Automatisierungstechnik wird über die Digitalisierung erreicht. Hinzu kommen viele spezialisierte Anbieter und Startups. Ihnen fehlt es zwar meist an der kritischen Größe, aber sie haben den Vorteil, unbelastet von einem etwaigen Bestandsgeschäft disruptiv agieren zu können. Wir haben uns einige Player im IoT-Geschäft einmal genauer angesehen.

Wachstumsmarkt IoT

Das Internet of Things gehört laut einer BITKOM-Umfrage zu den Top-5-Higtech-Themen in 2016. Durch den Überlapp zu anderen Themen wie Industrie 4.0, Smart Home, Big Data, Security und Cloud ist die Bedeutung von IoT noch höher einzustufen
Das Internet of Things gehört laut einer BITKOM-Umfrage zu den Top-5-Higtech-Themen in 2016. Durch den Überlapp zu anderen Themen wie Industrie 4.0, Smart Home, Big Data, Security und Cloud ist die Bedeutung von IoT noch höher einzustufen
Foto: Bitkom

Das Internet of Things gehört 2016 laut BITKOM-Umfrage zu den fünf wichtigsten Hightech-Themen in Deutschland. Eine aktuelle Studie von A.T. Kearney stellt wirtschaftliche Auswirkungen von 940 Milliarden Euro für die europäische Wirtschaftsleistung durch IoT bis 2025 in Aussicht. Dabei eröffnet die Ausrüstung der europäischen Unternehmen mit IoT-Lösungen in den nächsten 10 Jahren laut Studie ein jährliches Marktpotential von 80 Milliarden Euro für Modulhersteller, Kommunikationsanbieter, Anbieter von Plattformen für Daten und Sicherheit, Softwarehersteller und Systemintegratoren.

Eine wichtige Rolle bei der Eroberung dieses Marktes und bei der Implementierung von IoT-Projekten spielen die IoT-Plattformen. Diese vereinen Funktionen für das Management, die Sicherheit und die Integration von IoT-Komponenten in sich und werden von Marktforschern wie Gartner und Forrester als wichtige Entwicklung für Die Realisierung des IoT gesehen.

Gartner weist allerdings darauf hin, dass bis 2018 die unvollständigen Ansätze der Anbieter von IoT-Plattformen die Standardisierung in diesem Bereich schwierig gestalten werden. Wie die folgende Übersicht zeigt, sind die Plattformen und Strategien der Anbieter tatsächlich teilweise sehr unterschiedlich, sie enthalten aber bereits sehr interessante Ansätze.

IoT-Strategie von Microsoft

Microsoft hat ganz im Sinn des neuen Nadella-Führungsstils erkannt, dass der IoT-Markt Offenheit verlangt. Wie über 200 andere Unternehmen war der Softwarekonzern bis vor kurzem Mitglied in der von Qualcomm initiierten Allianz AllSeen und wechselte kürzlich in die neu formierte Open Connectivity Foundation. Deren Ziel ist die Entwicklung einer einzelnen Spezifikation oder zumindest eines gemeinsamen Sets an Protokollen und Projekten für alle Typen von IoT-Geräten. Erste OCF-zertifizierte Produkte werden dabei bereits für dieses Jahr erwartet - ein sportliches Ziel, das angesichts der im Konsortium enthaltenen Hersteller von IoT-Chips, -Software, -Plattformen und -Produkten jedoch erreichbar ist. Microsoft kündigte an, dass Windows-10-Devices den OCF-Standard nativ unterstützen.

Windows 10 IoT Core fungiert als mögliches Betriebssystem für industrielle Geräte. Das Beispiel zeigt ein Roboter-Kit.
Windows 10 IoT Core fungiert als mögliches Betriebssystem für industrielle Geräte. Das Beispiel zeigt ein Roboter-Kit.
Foto: Microsoft

Ein wichtiger Baustein der Microsoft IoT-Strategie auf Client-Seite ist Windows 10 IoT Core als Betriebssystem für Industrie-Geräte wie Geldautomaten, POS-Handhelds oder Industrieroboter. Das IoT-Betriebssystem wurde optimiert für Systeme, die ohne Display auskommen und läuft auf Raspberry Pi 2, Arrow DragonBoard 410c und MinnowBoard MAX. Die Universal Windows Platform (UWP) API, mit der Windows 10-Apps lauffähig werden, und die Arduino Wiring API werden unterstützt.

Der zweite wichtige Baustein der Microsoft-Strategie ist die "Azure IoT Suite", ein Set an Cloud-basierten Anwendungen, mit denen sich IoT-Sensordaten monitoren, analysieren und für Vorhersagen aufbereiten lassen sollen. Microsoft zapft dafür eine Reihe von Azure-Produkten an, darunter Azure Event Hubs, Azure Stream Analytics, Azure Machine Learning sowie neuere Dienste wie Azure SQL Data Warehouse und Azure Data Lake. Anfang Februar 2016 wurde Azure IoT Hub veröffentlicht. Azure IoT Hub verbindet IoT-Geräte und verwaltet den Datenaustausch zwischen den Geräten und der IoT-Cloud. Zudem erleichtert der Azure IoT Hub die Integration mit anderen Azure-Diensten. Für die Erweiterbarkeit der Microsoft IoT-Plattformlösung sorgen zertifizierte Lösungen Dritter aus dem Partnernetzwerk.