Internet-Jobs - eine Sackgasse?

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
MÜNCHEN (sp) - Während des Dotcom-Hypes schossen Aus- und Weiterbildungskurse rund um Internet-Themen wie Pilze aus dem Boden. Multimedia- und Web-Design-Kenntnisse galten als Garant für einen sicheren Arbeitsplatz. Inzwischen ist die Euphorie verflogen. Gefragt sind heute vor allem Allrounder mit fundiertem Technik-Know-how.

Zwei IT-Ausbildungen und trotzdem arbeitslos - nach einer zehn Jahre langen Odyssee durch Fachakademien und ergebnislosen Bewerbungsgesprächen gilt Uwe R. inzwischen als nicht mehr vermittelbar.

Der Industriemeister für Fototechnik hatte zwischen 1991 und 1993 eine Umschulung zum Datenverarbeitungskaufmann absolviert, danach aber keinen Job gefunden und daher 1995 eine einjährige Weiterbildung zum Multimedia-Producer begonnen. Anschließend musste er feststellen, dass die "blendenden" Berufsperspektiven, die man ihm im einsetzenden Internet-Boom versprochen hatte, völlig realitätsfern waren. "Ich dachte immer, man muss flexibel sein - hab ich nicht zur Genüge bewiesen, dass ich das bin?!"

Der Werdegang von Uwe R. mag ein Einzelfall sein. Dennoch lässt sich feststellen, dass bei weitem nicht alle vom Arbeitsamt geförderten Ausbildungsstätten ihre vollmundigen Versprechen gehalten haben. Zu oberflächlich, zu wenig Praxisbezug, zu überfrachtet - solche Vorwürfe fallen häufig, wenn man sich bei Absolventen von Aus- und Weiterbildungsinstituten umhört.

Zum Teil eklatante Wissenslücken musste zum Beispiel Ralf Zacharias bei sich erkennen, als er vor zwei Jahren seine 18-monatige Ausbildung zum staatlich geprüften Informatikassistenten Multimedia abgeschlossen hatte: "Ich habe im Nachhinein ordentlich büffeln müssen, um den Anschluss nicht zu verpassen." Auch die Vermittlung von so genannten Soft Skills - kommunikative Fähigkeiten, Sozialkompetenz - sei zu kurz gekommen. "Topleute landen niemals als Dozenten in so einer Schule, und das mindert sicher die Qualität der Ausbildung", meint der heutige IT-Berater.

Alter und Wissensniveau der Schüler klaffen auseinander

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