Internationale Funkausstellung

IFA 2013: Die technischen Visionen werden schärfer

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Die IFA in Berlin ist nicht nur ein Schaufenster der neuesten Consumer-Geräte – sie gibt auch einen Ausblick, wie sich Hersteller in verschiedenen Bereichen die elektronische Zukunft vorstellen.

Alle Jahre wieder begibt sich Anfang September jeder Anbieter, der in dem Bereich Unterhaltungselektronik Rang und Namen hat - Apple und wenige andere Unternehmen einmal ausgeschlossen, auf das Messegelände am Berliner Funkturm, um seine neuesten Produkte und Services im Rahmen der IFA der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei handelt es sich bei weitem nicht nur um „weiße Ware“, Fernseher, Kameras und Audiosysteme. Dank des allgegenwärtigen Consumerization-Trends und des günstigen Termins rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft besinnen sich auch immer mehr Hersteller aus dem IT- und speziell Mobile-Umfeld auf die B2C-Messe.

Launchpad für neue Mobile-Produkte

Insbesondere für die Mobilfunkbranche scheint die IFA von Jahr zu Jahr interessanter zu werden. So ist es etwa für den koreanischen Hightech-Riesen Samsung schon fast Tradition, neben Fernsehern, Waschmaschinen, Kühlschränken und anderen Geräten auch eine Reihe von neuen mobilen Devices nach Berlin mitzunehmen. In diesem Jahr präsentierte Samsung auf einem eigenen „Unpacked“-Event zwei Tage vor der IFA-Eröffnung unter anderem das Phablet Galaxy Note 3 mit auf 5,7 Zoll vergrößertem Display, geringerer Tiefe und Gewicht sowie erweiterten Software-Features. Bei diesem, sowie dem mit Stift bedienbaren 10-Zoll-Tablet Note 10.1 (2014 Edition), handelt es sich aber nur um eine Weiterentwicklung des Vorgängers.

Eine völlige Neuentwicklung ist dagegen die Smartwatch „Galaxy Gear“ handelt es sich dagegen um, mit deren Hilfe der Nutzer in Dick-Tracy-Manier über seine Armbanduhr über eingegangene Mails informiert wird, Gespräche führen oder über die integrierten Kamera heimlich Bilder schießen kann.

Auch mit Smartphones anderer Hersteller kompatibel: Sony Smartwatch 2
Auch mit Smartphones anderer Hersteller kompatibel: Sony Smartwatch 2
Foto: Sony

Den Koreanern dicht auf den Fersen auf diesem Gebiet ist Sony, der japanische Hersteller brachte wie Samsung eine Smartwatch, konkret die rund 200 Euro teure Version 2 der SmartWatch, auf die IFA. Im Gegensatz zur Samsung-Uhr ist diese nicht nur mit Smartphones der eigenen Marke, sondern auch mit anderen Android-Geräten kompatibel. Eigentliches Highlight (oder besser Kuriosum?) von Sony waren allerdings zwei anschnallbares Linsen-Sets namens Sony Cybershot QX10 und QX100, die Smartphones in vollwertige Kameras verwandeln sollen und via App gesteuert werden.

Anvisierte Kundschaft sind primär Nutzer, die gerne eine bessere Bildqualität hätten, sich jedoch zusätzlich zu ihrem Handy keine Kompaktkamera mehr anschaffen wollen. Sie sparen sich beim Kauf der 200 Euro teuren Cybershot QX10 mit 18,2-Megapixel-Sensor und Zehnfach-Zoomobjektiv (Brennweite: 25 bis 250 Millimeter) allerdings auch nur 50 Euro gegenüber dem Techniklieferanten Cybershot WX200. Etwas besser ist es um die Preisdifferenz beim rund 400 Euro teueren Kameramodul Cybershot QX100 bestellt, es ist um mehrere hundert Euro günstiger als die Sony Cybershot RX100 II, von welcher der 20 Megapixel auflösende 1-Zoll-Sensor sowie ein 3,6fach vergrößerndes Carl-Zeiss-Objektiv (Brennweite: 28 bis 100 mm) stammen.

Ansonsten präsentierte Sony mit dem Xperia Z1 eine weiterentwickelte Version des bisherigen Flaggschiff Xperia Z. Das neue Topmodell im edlen Aluminiumgehäuse wartet nun unter anderem mit Android 4.2.2, einem Snapdragon-800-Prozessor mit 2,2 Gigahertz Taktung von Qualcomm, 20,7-Megapixel-Kamera und 5-Zoll-Full-HD-Display auf. Ebenso wie die Smartwatch 2 ist das Gerät wasserdicht – 30 Minuten lang und bis 1,5 Metern Tiefe (IP58).

Bei LG, dank Kooperation mit Google (Nexus 4) aktuell drittgrößter Smartphone-Hersteller nach Samsung und Apple, gab es das LG G2 erstmals in Deutschland in natura zu bestaunen. Highlights des Optimus-G-Nachfolgers sind neben des 5,2-Zoll-Displays verschiedene Softwarefunktionen und eine Taste auf der Rückseite (Rear Key) zur Bedienung mit dem Zeigefinger. Mit dem G Pad 8.3 legen sich die Koreaner außerdem nun auch im Tablet-Bereich mit Samsung an. Der Flachmann verfügt über ein 8,3 Zoll großes Full-HD-Display (1920 mal 1080 Pixel), einen 1,7-Ghz-Quadcore-Prozessor (Qualcomm Snapdragon 600) sowie einen riesigen Akku mit 4600 mAh Kapazität.

8-Zoll-Tablet mit Windows 8.1: Toshiba Encore
8-Zoll-Tablet mit Windows 8.1: Toshiba Encore
Foto: Toshiba

Während die Hersteller im Android-Lager nun allmählich an die Grenzen ihrer sinnvollen Möglichkeiten stoßen, sorgten im Windows-Umfeld die Version 8(.1) und Intels Haswell-Plattform für frische Impulse. So reiste etwa Toshiba gleich mit drei neuen mobilen Windows-Geräten im Gepäck zur IFA an, dem nach Acers Iconia W3 zweiten 8-Zoll-Tablet mit Windows 8.1, Encore, dem 13,3-Zoll-Hybriden Satellite W30t und dem Einsteiger-Netbook Satellite NB10. Lenovo wiederum demonstrierte mit dem Thinkpad Yoga, dass sich das Prinzip des extra biegsamen Convertibles auch auf die Business-Reihe eignet. Die Geräte basieren auf Intels vierter Core-Generation und sind optional auch mit mattem Full-HD-Display erhältlich. Für den Tablet-Betrieb hat sich Lenovo außerdem das so genannte Lift-und-Lock-System einfallen lassen - dabei werden die Umrahmungen der einzelnen Tasten angehoben und die Tasten gesperrt, so dass der Nutzer haptisch eine plane Oberfläche erhält.

Trendthema Ultra-HD-Fernseher

Der aktuell größte Flachbildfernseher - ein Modell mit 110 Zoll ist in Arbeit.
Der aktuell größte Flachbildfernseher - ein Modell mit 110 Zoll ist in Arbeit.

Ein anderes zentrales Thema der IFA waren - neben den allgegenwärtigen Bluetooth-Lautsprechern - die mit bis zu 3840 mal 2160 Bildpunkten auflösenden Fernseher, besser bekannt unter den Kürzeln 4K- oder Ultra-HD-TVs. Wie das nun von Samsung vorgestellte Highend-Modell UE85S9 andeutet, scheinen hier nach oben keine Grenzen gesetzt zu sein, sowohl was Größe (85 Zoll = 2,16 Meter Bildschirmdiagonale) wie auch Preis (35.000 Euro) anbelangt. Da sich die Branche nach dem Debakel mit den nur schwer vermittelbaren 3D-Fernsehern und dem allgemeinen Umsatzrückgang aber keinen weiteren Flop mehr leisten kann, wird es schon bald auch Modelle geben, die die faszinierenden gestochen scharfen Bilder zu „erschwinglicheren“ Preisen, also etwa ab 4500 Euro, liefern.

Noch nicht endgültig ist dagegen gelöst, wie Inhalte in der erforderlichen Ultra-HD-Qualität auf die Geräte gebracht werden können. Herkömmliche Speichermedien wie Bluray reichen nicht aus, für das Streaming via Kabel oder Internet fehlt neben der erforderlichen Bandbreite auch ein finaler Standard, auch die aktuelle HDMI-Version 1.4 reicht mit maximal 10,2 GBit/s Durchsatz eigentlich nicht mehr aus, benötigt werden 18 GBit/s.

Auf dem OLED TV S9C können zwei Programme gleichzeitig dargestellt werden.
Auf dem OLED TV S9C können zwei Programme gleichzeitig dargestellt werden.

Für ein anderes Fernsehproblem scheint indes Samsung nun eine praktische Lösung gefunden zu haben. So besitzt der auf der IFA vorgestellte OLED TV S9C nicht nur eine gewölbte 55-Zoll-Oberfläche, die dank mehrerer Tausend aktiver Leuchtdioden ein besonders strahlendes kontrastreiches Bild und mehr Tiefe als herkömmliche Fernseher bietet, und erlaubt über den Samsung Smart Hub den Zugriff auf TV-Inhalte, Online-Videotheken, soziale Netzwerke und vernetzte Geräte. Dank der Funktion „Multiview“ ist das Gerät außerdem in der Lage, zwei Programme gleichzeitig auf dem Fernseher darzustellen, die dann über aktive 3D-Brillen mit integrierten Kopfhörern genossen werden können. Alternativ kann man dank des integrierten Twin-Tuners aber auch ein Programm gemeinsam anschauen, während ein weiteres aufgenommen wird. Mit 7999 Euro ist das Gerät zwar nicht gerade billig, aber immer noch günstiger als ein Anwalt und außerdem sofort verfügbar.

Smart und mobil

SYNC AppLink verbindet das Smartphone mit dem eingebauten Kommunikationssystem.
SYNC AppLink verbindet das Smartphone mit dem eingebauten Kommunikationssystem.

Anders als bereits seit längerem auf der CES in Las Vegas zu beobachten, haben die meisten Automobilhersteller die IFA noch nicht als Showroom für ihre Produkte entdeckt. Die Gründe sind schwer nachzuvollziehen, ist doch das Auto das Consumer-Gerät schlechthin und mittlerweile vollgestopft mit allerlei Elektronik. Rühmliche Ausnahme stellt die Ford Motor Company dar, die seit 2011 auch in Berlin vertreten ist. In diesem Jahr präsentierte das Unternehmen das für Anfang 2014 erhältliche kompakten Sport Utility Vehicle (SUV) EcoSport, das auf Wunsch auch mit der Ford-Technologie SYNC AppLink geordert werden kann.

SYNC AppLink erlaubt es Autofahrern, beliebte Smartphone-Apps wie Spotify, TomTom oder Hotels.com während des Autofahrens weiter zu benutzen, ohne die Augen von der Straße oder die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen. Das System ist integriert in Fords Multimedia- und Konnektivitätssystem SYNC, das die Steuerung durch Sprache und eines Schalters am Lenkrad unterstützt. Das Smartphone wird dabei einfach nach dem Einsteigen via Bluetooth (Android) oder Kabel (iPhone) mit dem System verbunden, die Touchscreen-Bedienung ist im AppLink-Modus gesperrt.

Ford-CEO Alan Mulally mit der Connected-Car-Studie S-Max Concept.
Ford-CEO Alan Mulally mit der Connected-Car-Studie S-Max Concept.
Foto: Ford Europe

SYNC AppLink ist aber nur ein Aspekt, inwieweit fortschrittliche technische Konzepte in den Fahrzeugbau einfließen, um Kunden ein neues, noch sichereres und angenehmeres Fahrerlebnis zu bieten. Was sich Ford sonst noch ausgedacht hat, um besonders der jüngeren Generation die Lust zum eigenen Auto zurückzubringen, demonstrierte der technikbegeisterte Firmenchef Alan Mulally, auf der IFA anhand der Studie Ford S-Max Concept. Teil dieses neuen Auto-Konzepts ist es, dass das Auto mit anderen „Connected Cars“ per WLAN Informationen austauscht, zum Beispiel Warnungen vor Geisterfahrern oder Hindernissen, die für Fahrer und Sensoren noch unsichtbar sind, etwa weil sie hinter einer Kurve liegen. Außerdem soll das System mit Hilfe von im Fahrersitz integrierten Sensoren den Herzschlag des Fahrers messen, bei bedrohlichen Anomalien den Fahrer warnen und im Notfall ärztliche Hilfe anfordern. Schon bald will Ford auch eine Einparkhilfe in seine Modelle integrieren, mit der das Auto automatisch mit Hilfe von Sensoren ein- und ausparkt. Ebenso soll es automatisch bremsen, wenn es einen Fußgänger entdeckt.