Kein Technik Know-how - keine Investitionen

IBM-Chef Palmisano ätzt gegen Hewlett-Packard

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
IBMs Chief Executive Officer (CEO) Samuel Palmisano hat den Konkurrenten Hewlett-Packard heftig kritisiert: HP gerate bei der Technikentwicklung ins Hintertreffen. Außerdem missachte das Unternehmen Interessen der Aktieninhaber.

Das erlebt man selten: Der Top-Mann eines Unternehmens lästert öffentlich und mit deutlicher Kritik über einen direkten Konkurrenten. Genau das hat Palmisano, IBMs oberster Chef, in einem Gespräch mit dem US-Wirtschaftsblatt "Wall Street Journal" jetzt getan.

Samuel Palmisano, IBMs oberster Chef (CEO), kritisiert Hewlett-Packard heftig.
Samuel Palmisano, IBMs oberster Chef (CEO), kritisiert Hewlett-Packard heftig.

In Sachen Technologieentwicklung habe HP an Boden verloren. Unter der Führung des ehemaligen CEO Mark Hurd seien Forschung und Entwicklung praktisch aufgegeben worden. "HP war mal ein sehr erfindungsreiches Unternehmen, "sagte Palmisano.

Als Beleg führte der IBM-Manager die Akquisition von 3PAR an. Das Unternehmen gilt als Pionier im Bereich Thin Provisioning und anderer Techniken aus dem Bereich Speicher-Virtualisierung. HP hatte sich mit Dell über zwei Wochen ein Bieterduell geliefert und bei 2,4 Milliarden Dollar Kaufsumme den Zuschlag erhalten.

Den Preis hätte IBM nie gezahlt

Einige Marktexperten hatten den Zweikampf kopfschüttelnd verfolgt. Zwar ist 3PAR mit seiner Technik ein interessantes Unternehmen. Viele fragten sich jedoch, ob der Kaufpreis von zuletzt 33 Dollar je Aktie gerechtfertigt ist. Zu Beginn des Bieterwettbewerbs hatte die 3PAR-Aktie nicht einmal zehn Dollar gekostet.

Palmisano sagte, IBM hätte diesen Preis niemals gezahlt. HP aber "ist gar nichts anderes übrig geblieben", denn Hurd habe Investitionen in Forschung und Entwicklung gestrichen.

Unter Hurd waren die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 2,5 Prozent des gesamten Unternehmensumsatzes reduziert worden und betrugen noch 2,8 Milliarden Dollar im letzten Fiskaljahr, in dem Hurd als CEO von HP noch im Amt war. IBM investiert rund sechs Prozent seines Gesamtumsatzes in Forschung und Entwicklung. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Investitionen auf rund 5,8 Milliarden Dollar.