Tobias Ortwein, PAC

HP beseitigt alle Zweifel

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Mit einem Knalleffekt meldet sich HP in den Servicemarkt zurück. Mit der Übernahme von EDS strebt Hewlett-Packard an die Spitze, sagt Tobias Ortwein von PAC.

Tobias Ortwein, Geschäftsführer bei Pierre Audoin Consultants (PAC): "HP hat mit dem Knalleffekt der EDS-Übernahme eine unmissverständliche Antwort auf aufkeimende Zweifel am langfristigen Engagement im IT-Servicemarkt gegeben. EDS bietet HP die Größe, mit IBM auf Augenhöhe um große Infrastruktur-Deals zu konkurrieren. Angesichts der jüngsten strategische Korrekturen von EDS im IT-Servicemarkt ist der Kaufpreis von 25 Dollar pro Aktie angemessen.

Außerdem haben EDS und HP Services jeweils die vergangenen fünf Jahre genutzt, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren. Die Unternehmenslenker beider Anbieter hoffen nun auf eine wohlwollende Bewertung des Vorhabens durch ihre Investoren sowie auf einen reibungslosen Integrationsprozess. Das ist auch deshalb dringend erforderlich, weil sich EDS und HP angesichts der starken Konkurrenz von IBM Global Services, Accenture und den indischen Offshore-Spezialisten keine Schwächephase leisten können.

Beide Unternehmen ergänzen sich in ihrer horizontalen Ausrichtung. HP macht gute Geschäfte in der Telekom- und Automobil-Branche, EDS bringt Stärken in Geschäften mit der öffentlichen Hand und mit Finanzdienstleistern ein. Sie konzentrieren sich jeweils auf infrastrukturnahe Dienste. Ihre Kapazitäten in schnell wachsenden und margenträchtigen Segmenten - etwa Application-Services und Beratung - sind jedoch begrenzt. Hier sind Gegenspieler wie etwa Accenture besser aufgestellt. Immerhin hat EDS einige Anstrengungen unternommen, diese Defizite zu beheben. Dazu zählen etwa ein Partnerabkommen mit SAP, der Aufbau einer Testing-Division sowie die verstärkten Bemühungen um Applikations-Projekte mit Hilfe des übernommenen indischen Providers Mphasis. EDS konnte bereits erste Früchte dieser Neuausrichtung ernten. Shell, die Regierung von Singapur sowie Karstadt-Quelle haben EDS mit der Betreuung und Pflege ihre Applikationen beauftragt.

HP und EDS sind jedoch am Ausbau ihrer Aktivitäten im Business Process Outsourcing (BPO) gescheitert. Zusammen könnten sie aufgrund der gewonnen Größe einen Neustart wagen. Abgesehen vom gut entwickelten BPO-Geschäft im US-amerikanischen Gesundheitswesen von EDS ließe sich das Engagement in den Bereichen Human Ressources (HR) sowie Finance & Accounting verstärken.

Den Großteil der Einnahmen von HP und EDS steuern die US-amerikanischen Dependancen bei. Der Merger kann jedoch nicht die Lücken in Europa füllen.

Mit einem gemeinsamen Umsatz von 11,5 Milliarden Euro rücken EDS und HP auf den zweiten Platz in der Liste der größten europäischen IT-Dienstleister vor. Laut PAC-Erhebung beläuft sich der gemeinsame Marktanteil auf 7,5 Prozent. IBM Global Services ist mit 9,1 Prozent nach wie vor eindeutiger Marktführer."