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Gebremstes Wachstum im Server-Markt

Andreas Olah beschäftigt sich mit den Themen Server, Virtualisierung, Big Data, Rechenzentren und Cloud. 
Während der Server-Markt insgesamt nur noch leicht wächst, sind die Prognosen für integrierte Hardware-Software-Konzepte besser. Auffällig: Die Cloud-Provider werden mehr und mehr zu den großen Abnehmern der Hardwarebauer.

Der weltweite Server-Markt wächst wieder moderat. Nachdem 2012 noch Stagnation herrschte, beobachten wir nun eine leichte Erholung. Laut dem "IDC Server Tracker" wurden im Kalenderjahr 2013 weltweit knapp neun Millionen Server-Einheiten ausgeliefert, das entspricht einem Anstieg um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2014 erwarten wir 9,3 Millionen Einheiten, was ein Wachstum von vier Prozent bedeuten würde.

Obwohl die ausgelieferten Einheiten also konstant ansteigen, müssen die Server-Hersteller sinkende Umsätze hinnehmen, da Unternehmenskunden eher auf der Softwareseite investieren und die Hardware selbst zunehmend als Konsumware betrachtet wird. So sind die weltweiten Ausgaben für Server-Hardware 2013 um fünf Prozent auf 40 Milliarden Euro geschrumpft. In diesem Jahr ist ein weiterer Rückgang um drei Prozent zu erwarten.

In der Region Europa, Naher Osten und Afrika (Emea) haben sich die Server-Lieferungen 2013 um drei Prozent auf rund 2,2 Millionen Einheiten verringert. Die Ausgaben für Server-Hardware reduzierten sich sogar um neun Prozent auf 9,8 Milliarden Euro. Für 2014 rechnet IDC zwar mit einem leichten Anstieg um zwei Prozent bei den Server-Lieferungen, aber die Umsätze dürften abermals um zwei Prozent zurückgehen, da das Stückzahlen-Wachstum vor allem von der Massenlieferung preiswerter Server an Cloud-Dienstleister und Hoster herrührt.

Der Trend im Allgemeinen verläuft zur Virtualisierung und Automatisierung der kompletten IT-Infrastruktur. Neben den Servern werden auch Speichereinheiten und Netzkomponenten in einem weitreichenden Management-Modell integriert, so dass die Verwaltung einfacher und effizienter wird. Führende Anbieter von Virtualisierungssoftware wie Microsoft und VMware haben ganzheitliche Konzepte eingeführt, die eine Integration der eigenen Server-Ressourcen mit Cloud-Diensten zahlreicher Anbieter ermöglichen. Dieser Ansatz erleichtert es Unternehmen, Workloads in größerem Umfang und selektiv in die Cloud zu verschieben, so dass in einigen Jahren ein hybrides Modell die Norm sein wird und virtuelle Maschinen vollautomatisch zwischen verschiedenen Rechenzentren und diversen Clouds verschoben werden können.

Bedenken gegenüber globalen Cloud-Betreibern

Seit dem NSA-Skandal gibt es vor allem in Deutschland starke Bedenken gegenüber den großen globalen Cloud-Betreibern bezüglich ihrer Datenschutzgarantien. Deshalb werden Rechenzentren im eigenen Land klar bevorzugt. Daher erwartet IDC, dass sowohl lokale Hoster als auch die großen globalen Cloud-Dienste in den beiden kommenden Jahren neue Rechenzentren in Deutschland, Frankreich und der Schweiz eröffnen werden.

Der deutsche Server-Markt ist 2013 stärker geschrumpft als der europäische: Lieferungen sind um sieben Prozent eingebrochen, der Umsatz der Hersteller sogar um zehn Prozent. Obwohl die deutsche Wirtschaft solide wächst und Firmen durchaus in IT-Infrastruktur investieren, gehen die Server-Hardwarelieferungen zurück. Das lässt sich damit erklären, dass in größerem Umfang virtualisiert wird und Server zum Teil konsolidiert werden, um bessere Performance bei gleichem Energieverbrauch und ohne zusätzlichen Platzbedarf zu erreichen.

Immerhin: Im ersten Quartal 2014 hat IDC eine Erholung des deutschen Server-Markts beobachtet. So sind die ausgelieferten Stückzahlen um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal angestiegen, die Umsätze der Hersteller sogar um 13 Prozent. Das lässt auf den zunehmenden Einsatz von höherwertigen Server-Modellen schließen - und hier dürften vor allem Blade-Server zum Zuge kommen.

Der Bedarf an Server-Ressourcen wird auch von der zunehmenden Mobilität der Arbeitswelt verstärkt. Immer mehr Desktops und Applikationen werden virtualisiert und laufen nicht mehr auf dem PC, sondern in einer virtuellen Desktop-Umgebung auf Servern - sowohl in eigenen wie auch in gehosteten Rechenzentren. Hinzu kommt eine Reihe von neuen Workloads durch Fortschritte in den Bereichen Big Data und dem Internet der Dinge: Immer größere Datenmengen werden gespeichert und analysiert, wofür wiederum Server vor allem mit In-Memory-Kapazitäten für SAP HANA und große Datenbanken benötigt werden. Jedoch werden auch diese Trends nicht zu einer Explosion an Server-Kapazitäten führen, da sich Investitionen nur dann lohnen, wenn Energie- und Management-Kosten in einem vertretbaren Rahmen bleiben. Daher sind IT-Abteilungen daran interessiert, hochskalierbare und möglichst dicht bepackte, gut ausgelastete Rechenzentren zu betreiben.