Karrieretrends 2013

Führen in unsicheren Zeiten macht den Unterschied

04.01.2013
2013 wird auf dem Arbeitsmarkt ein "Jahr der Entscheidungen", meinen die Profis des Netzwerkes Karriereexperten.com.

Arbeitsmarkt

Bildungsexperte Lars Hahn prognostiziert widersprüchliche Entwicklungen: einerseits Fachkräftemangel, andererseits überfüllte Hochschulen.
Bildungsexperte Lars Hahn prognostiziert widersprüchliche Entwicklungen: einerseits Fachkräftemangel, andererseits überfüllte Hochschulen.
Foto: Privat

"Widersprüchliche Entwicklungen sind zu erwarten" so Bildungsexperte Lars Hahn von der LVQ GmbH in Mülheim an der Ruhr. Zum einen werden immer mehr Absolventen des zwölfjährigen Abiturjahrganges im Arbeitsmarkt ankommen. Überfüllte Hochschulen und Gedränge bei den Ausbildungsplätzen werden in den nächsten Jahren die Folge sein. "Statt von Arbeitgebern in Zeiten des Fachkräftemangels umgarnt zu werden, könnte eine ganze Generation von Schulabgängern erst einmal verstärkten Wettbewerb und Leistungsdruck erwarten" meint Hahn weiter.

Für den Karriereberater und Buchautor Christoph Burger werden die Themen Burnout und Fachkräfteengpaß endgültig in der Personalabteilung ankommen "In der Praxis geht es um flexible Arbeitsmodelle, Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur", so Burger weiter. Zum anderen rückt die sogenannte Fachkräftereserve verstärkt in den Fokus von Arbeitgebern und wird von Akteuren am Arbeitsmarkt wie Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und Arbeitsagenturen umworben. Davon profitieren qualifizierte Kräfte nach der Elternzeit, gut ausgebildete Menschen mit Migrationshintergrund und ältere Fach- und Führungskräfte, wenn sie ihr Wissen aktuell gehalten haben. "Oft wird in diesen Fällen jedoch Karriereberatung und Weiterbildung für eine Neupositionierung nötig sein. Vielfältige Förderprogramme für diese Gruppen stehen zur Verfügung" glaubt Hahn. Doch nicht alle könnten davon profitieren, zurückblieben die schlecht Qualifizierten."

Ausbildung

"Wissen veraltet immer schneller, ein Studium kann nur noch absolute Grundlagen vermitteln." sagt Svenja Hofert.
"Wissen veraltet immer schneller, ein Studium kann nur noch absolute Grundlagen vermitteln." sagt Svenja Hofert.
Foto: Christine Lutz

Mit dem Projekt Udacity ging in diesem Jahr eine private Online-Akademie an den Start, die kostenlos Kurse auf Universitätsniveau bietet. Das zeigt, wohin die Reise geht: lernen "on demand", überall auf der Welt und auf Englisch. Wozu braucht es da noch ein Universitätsdiplom? "Wissen veraltet immer schneller, ein Studium kann nur noch absolute Grundlagen vermitteln, Online-Kurse und kleine serielle Lerneinheiten sind hier die Lösung", so Karriereexpertin Svenja Hofert, die gerade das Portal Kexpa.de für Selberlerner gegründet hat. Auch immer mehr Zertifikate würden online angeboten werden, methodische Kenntnisse immer wichtiger. "Leider stehen in Deutschland kreativen Gründern im Bildungssektor institutionelle Hürden wie die Zentralstelle für Fernunterricht im Weg. Im Ausland ist man da offener" meint Hofert weiter.

Bewerbung und Assessment Center

Assessment-Center (AC)-Experte Johannes Stärk beobachtet: "ACs sind out, stattdessen kommen Präsentationen und Rollenspiele."
Assessment-Center (AC)-Experte Johannes Stärk beobachtet: "ACs sind out, stattdessen kommen Präsentationen und Rollenspiele."
Foto: Privat

"Immer mehr Unternehmen distanzieren sich von der Bezeichnung Assessment-Center (AC) und erfinden eigene Arbeitstitel wie Potenzialvalidierung, Quality Gate oder Karriereworkshop, beobachtet AC-Fachmann Johannes Stärk. Allerdings sei nur die Verpackung neu. Bei der Auswahl externer Bewerber sind ACs leicht rückläufig, dies hat mit Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt zu tun. In fast allen Großunternehmen aber sind ACs bei der Führungskräfteauswahl obligatorisch, 27 der DAX30-Unternehmen setzen ACs ein. Diese Entwicklung erfasst jetzt auch die etwas kleineren Firmen. In Unternehmen unter 1000 Mitarbeitern kam das Instrument bisher weniger zum Einsatz, das ändert sich gerade. Auch der öffentliche Dienst wird mehr ACs zur Bewerberauswahl, besonders für Nachwuchsführungskräfte, nutzen. "Auf dem aufsteigenden Ast sind Module wie Präsentation, Rollenspiele, Interview und Fallstudie", weiß Johannes Stärk. Diese nehmen zu und finden sich in nahezu jedem AC. Auch liegen kurze kompakte halb- bis eintägige Veranstaltungen im Trend.

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